Anleger halten sich nach Banken-Stresstest zurück

Die Ergebnisse des mit Spannung erwarteten Bankenstresstests haben den europäischen Anlegern am Montag die Kauflaune verdorben.
01.08.2016 17:59

Der Dax sank am Montag um 0,1 Prozent auf 10.330,52 Punkte. Im europäischen Börsenindex EuroStoxx50 schlugen sich die teils kräftigen Kursverluste der Banken deutlicher nieder, er verlor 0,8 Prozent. Besonders unter Druck standen die italienischen Geldhäuser, die bei dem Gesundheitscheck der Aufsichtsbehörde EBA schlecht abgeschnitten hatten. "Bankanleger stellen fest, dass der Sack doch Flöhe hat und der Stresstest nicht ganz so positiv gewertet werden sollte, wie er auf den ersten Blick erscheint", sagte Marktanalyst Jens Klatt von JFD Brokers.

Zu den schwächsten Dax-Werten zählten Commerzbank mit einem Abschlag von 2,2 Prozent, Deutsche Bank verloren 1,8 Prozent. Wesentlich stärker bergab ging es für die Aktien der italienischen HVB-Mutter UniCredit mit einem Minus von rund neun Prozent. Banco Popular und BBVA aus Spanien sowie Societe Generale aus Frankreich gingen ebenfalls mit Kursverlusten aus dem Handel. Auch die Aktionäre der österreichischen Raiffeisen Bank International flüchteten und schickten die Papiere um fünf Prozent nach unten.

Beim Test der Aufsichtsbehörde EBA landeten die Deutsche Bank und die Commerzbank unter den letzten zehn von 51 überprüften Geldhäusern. Die getesteten Banken hätten ihre Kapitalpolster zwar gestärkt, seien aber noch nicht völlig gesund, sagte EBA-Chef Andrea Enria.

Die Finanzaufsicht BaFin betonte, aus den Ergebnissen des Tests resultiere nicht automatisch ein Kapitalbedarf. Die Institute mussten simulieren, wie stark ihre Kapitalquoten bei einer neuen Finanz- und Wirtschaftskrise zusammenschmelzen würden.

"Die Ergebnisse haben zwei Seiten", sagte ein Aktienhändler. Zwar sei der Stresstest für Deutsche Bank und Commerzbank nicht so schlecht ausgefallen wie befürchtet, dennoch mache er die Kapitalnot der Institute deutlich. Dirk Becker von Allianz Global Investors sagte, die Resultate seien alles in allem positiv. Allerdings sei bei dem Test das für Banken besonders belastende Niedrigzinsumfeld gänzlich ausgeklammert worden.

Rettungsplan beflügelt Monte dei Paschi di Siena

Positiv nahmen Anleger die Aussicht auf eine Rettung der Krisenbank Monte dei Paschi di Siena auf. Die Aktien der drittgrössten italienischen Geldhauses stiegen gegen den Branchentrend um 0,6 Prozent, während der europäische Bankenindex fast drei Prozent fiel. Monte Paschi landete beim Stresstest zwar auf dem letzten Platz, die Europäische Zentralbank gab aber grünes Licht für den Rettungsplan des ältesten Geldhauses der Welt.

Im Nebenwerteindex MDax zogen Stada um 1,5 Prozent an. Der US-Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte, der nach eigenen Angaben weniger als drei Prozent an dem Generika-Hersteller hält, brachte in einem Reuters-Interview erneut einen Verkauf des Konzerns an die Beteiligungsgesellschaft CVC ins Spiel.

An der New Yorker Wall Street lagen die wichtigsten Indizes bei Handelsschluss in Europa leicht im Plus. Die Papiere von SolarCity büssten 5,4 Prozent an Wert ein. Der Elektroauto-Pionier Tesla steigt für 2,6 Milliarden Dollar bei dem Solarpanel-Hersteller ein - das war aber weniger als manche Börsianer gehofft hatten. Tesla-Titel traten auf der Stelle.

(Reuters)