Anleger halten sich vor US-Jobstatistik zurück

An der Schweizer Börse haben sich die Anleger am Donnerstag vor den stark beachteten US-Arbeitsmarktdaten nicht aus der Deckung gewagt.
06.10.2016 17:30
Bedeckte Stimmung an der Schweizer Börse: Die Kurse geben tendenziell nach.
Bedeckte Stimmung an der Schweizer Börse: Die Kurse geben tendenziell nach.
Bild: cash

Trotz guter Konjunkturzahlen aus dem In- und Ausland wollten die Marktteilnehmer keine Risiken eingehen, sagten Händler. Die Kursausschläge und Umsätze hielten sich aber in Grenzen. Der SMI verlor 0,3 Prozent auf 8170 Punkte.

"Gute Konjunkturzahlen sind nicht automatisch auch gut für die Finanzmärkte", sagte ein Börsianer. Der unerwartete Rückgang der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA habe umgehend Spekulationen auf eine Zinserhöhung angeheizt. Die Zahl war mit 249.000 so tief aus wie seit rund 43 Jahren nicht mehr. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung in der weltgrössten Volkswirtschaft noch in diesem Jahr sei merklich gestiegen, sagten Börsianer. Am Freitag steht die monatliche Jobstatistik der US-Regierung auf dem Programm.

Die Bankaktien legten nach der jüngsten Erholung eine Pause ein. Nach wie vor orientieren sich die Marktteilnehmer vor allem an der Entwicklung der Deutschen Bank. Diese rutschten nach dem Anstieg in den vergangenen Tage leicht ins Minus. Am Vorabend hatte Aktionär Union Investment dem krisengeschütteten Institut den Rücken gestärkt.

Grossbanken unter Druck

Die Anteile der Credit Suisse verloren ein Prozent. Die Bank muss in den USA wegen irreführender Angaben zu Kundengeldern 90 Millionen Dollar Strafe bezahlen. Die Titel der UBS sanken um 0,2 Prozent. Händler rechnen allerdings nur mit von einer vorübergehenden Pause. Auch die Analysten der Citigroup empfehlen, europäische Finanzwerte zu kaufen.

Merklich belastet wurde der SMI von den Index-Schwergewichten Novartis und Roche. Die beiden Pharmawerte verloren je rund ein halbes Prozent. Händler sagten, der von Novartis erwogene Verkauf seiner Roche-Beteiligung verunsichere die Anleger. "Bis diese milliardenschwere Transaktion über die Bühne ist, wird sich der 'Bon' nicht nachhaltig erholen können", sagte ein Händler. Novartis besitzt knapp ein Drittel der stimmberechtigten Roche-Inhaberaktien, die an der Börse aktuell 13 Milliarden Franken wert sind.

Das dritte SMI-Schwergewicht Nestle schloss unverändert. Alle drei Werte gelten an sich als vergleichsweise krisensichere Anlagen.

Angesichts guter Konjunkturzahlen griffen die Anleger zu Anteilen zyklischer Firmen. Die Titel des Elektrotechnikkonzerns ABB zogen 0,9 Prozent an. Goldman Sachs und Credit Suisse haben die Kursziele erhöht. Beide Institute stufen ABB mit "Neutral" ein.

Die Aktien des Chemikalienherstellers Clariant und des Uhrenkonzerns Swatch legten ebenfalls zu. Der anziehende Ölpreis sorgte für Kursfantasie beim Pumpenhersteller Sulzer und der Kompressorenfirma Burckhardt.

Swisscom verliert

Die Aktien von Swisscom büssten 1 Prozent ein. Das Werbevermarktungs-Gemeinschaftsunternehmen von Swisscom, Ringier und SRG hat einen Rückschlag erlitten. Das Bundesverwaltungsgericht entschied, dass sich die Schweizer Behörden erneut mit dem Fall befassen müssen. Der Medienverband fordert, dass das Kommunikationsdepartement der SRG die Teilnahme an dem Joint Venture verbietet oder ihr zumindest Auflagen macht.

Am breiten Markt gab es bei den Titeln von Meyer Burger einen achterbahnartigen Kursverlauf. Der Solarzulieferer hat von bestehenden Kunden Aufträge für seine Diamantdrahtsägen im Wert von 15 Millionen Franken erhalten.

Bei hohen Umsätzen verloren die Galenica-Aktien 1,4 Prozent. Die Vorbereitungen für die Aufspaltung Firma und den Börsengang der Apotheken-Sparte Galenica Sante im kommenden Jahr seien auf Kurs, teilte das Unternehmen mit. Der Reingewinn dürfte dieses Jahr wegen Investitionen in die Umsatzankurbelung von Medikamenten um rund 90 Millionen Franken niedriger ausfallen als bislang erwartet.

(Reuters)