Anleger im Goldrausch: Nachfrage höher als während der Finanzkrise

Die Anleger sind im Goldrausch. Angesichts globaler Unsicherheiten und einer anhaltend lockeren Geldpolitik haben sie zwischen Januar und Juni so viel von dem Edelmetall gekauft wie nie zuvor in diesem Zeitraum.
11.08.2016 16:06
Anleger greifen zu Gold.
Anleger greifen zu Gold.
Bild: ZVG

Die Nachfrage der Investoren habe bei 1064 Tonnen gelegen, heisst es in einem am Donnerstag veröffentlichten Quartalsbericht des World Gold Council, einem Verband der Goldminenbranche mit Sitz in London. Das waren demnach sogar 16 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2009, als die Anleger nach dem Ausbruch der Finanzkrise scharenweise in Gold als sicheren Anlagehafen flüchteten.

Die ungewöhnlich hohe Nachfrage sei insbesondere auf die lockere Geldpolitik wichtiger Notenbanken zurückzuführen, heisst es in dem Bericht. Niedrig- und Negativzinsen machen die Geldanlage in zinslose Sachwerte wie Gold attraktiver. Hinzu kämen wirtschaftliche und politische Unsicherheiten, unter anderem wegen des Brexit-Votums, der Schieflage im italienischen Bankensektor und der instabilen Lage im Nahen Osten.

Verschiedene Anlagemöglichkeiten

Anleger haben verschiedene Möglichkeiten, ihr Geld in Gold anzulegen. Den Löwenanteil steckten sie laut World Gold Council zuletzt in sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Dabei vertrauen sie ihr Geld einem Dienstleister an, der dafür Gold kauft. Für die Anleger ist dies bequemer als den Kauf selber abzuwickeln und sie müssen das Gold nicht selber lagern. Über ETFs und ähnliche Finanzprodukte wurden von Januar bis Juni rund 580 Tonnen Gold gekauft. Auch die Nachfrage nach Münzen und physischem Gold legte gegenüber dem Vorjahreszeitraum insgesamt zu, allerdings weniger stark.

Die hohe Nachfrage führte seit Januar zu einem steigenden Goldpreis. Konnten Käufer zum Jahresbeginn eine Feinunze (31,1 Gramm) noch für unter 1075 Dollar bekommen, müssen sie derzeit über 1340 Dollar hinblättern. In der ersten Jahreshälfte 2016 war der Preisanstieg laut dem World Gold Council damit so stark wie seit 1980 nicht mehr. Zuvor hatte der Goldpreise seit Herbst 2011 fast kontinuierlich nachgegeben.

Während Investoren im Goldfieber sind, sei die Nachfrage der Schmuckhersteller und der Industrie gesunken, hiess es im Quartalsbericht. Die nachgefragte Menge für die Produktion von Schmuck, die in ähnlich hohen Grössenordnungen liegt wie die Nachfrage für die Geldanlage, lag circa 20 Prozent unter dem fünfjährigen Durchschnitt. Während steigende Preise Investoren zum Goldkauf bewegen können, weil sie auf weitere Preissteigerungen hoffen, dämpfen hohe Preise die Nachfrage dort, wo Gold nicht als Wertanlage, sondern als Vorprodukt zur Weiterverarbeitung bezogen wird.

(AWP)