Anleger kehren der Schweizer Börse den Rücken

Die Schweizer Börse hat am Freitag Terrain eingebüsst. Nach vier Tagen mit steigenden Kursen strichen die Anleger Händlern zufolge ihre Gewinne ein.
18.11.2016 17:35
Der Freitag war an der Schweizer Börse ein Tag für Gewinnmitnahmen.
Der Freitag war an der Schweizer Börse ein Tag für Gewinnmitnahmen.
Bild: Bloomberg

Vor allem die Index-Schwergewichte aus dem Pharma- und Lebensmittelsektor belasten den Markt. Der SMI gibt bis Börsenschluss 0,8 Prozent auf 7905 Punkte nach. Gegenüber der Vorwoche ergibt sich trotzdem ein Plus von 0,6 Prozent.

Nach der Euphorie der vergangenen Tage machten sich bei den Anlegern Zweifel breit, ob die neue US-Regierung unter dem designierten Präsident Donald Trump die Wirtschaft so kräftig stimulieren kann, wie zunächst erhofft. Viele Anleger befürchten zudem, dass sich die Zeit der ultra lockeren Geldpolitik dem Ende zuneigen könnte. Mehrere Vertreter der US-Notenbank signalisierten einen Zinsschritt im Dezember. Zudem deutete EZB-Direktor Yves Mersch an, dass die Europäische Zentralbank langsam auf eine Abkehr vor der ultra lockeren Geldpolitik zusteuert. Allerdings ist nach Ansicht von EZB-Präsident Mario Draghi die Konjunkturerholung noch nicht selbsttragend und bleibt von der EZB-Hilfe abhängig.

Auch das Anfang Dezember anstehende Verfassungsreferendum in Italien verunsichere die Anleger zunehmend, sagt ein Händler. Das könnte zu neuen Unruhen in den Peripheriestaaten der Euro-Zone führen, befürchten Händler.

Lafarge-Holcim mit Zielkorrektur im Fokus

An der Börse stand Lafarge-Holcim im Mittelpunkt. Der Zementkonzern schraubte auf einer Investorenkonferenz sein mittelfristiges Ergebnisziel zurück und peilt bis 2018 nun ein operatives Ergebnis (Ebitda) von sieben Milliarden Franken an. Der Sparkurs wird verschärft. Gleichzeitig kündigte das schweizerisch-französische Unternehmen höhere Ausschüttungen an die Aktionäre und einen Aktienrückkauf mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Franken an. Die Anleger konnte das nicht überzeugen, die Aktien fallen um 1,9 Prozent. "Der Konzern nimmt seine operativen Ziele doch ziemlich klar zurück. Dagegen will das Management mit einer leicht erhöhten Dividende und einem Aktienrückkauf punkten. Es scheint so, als würde ersteres höher gewichtet", sagt ein Händler. Ein anderer Händler sprach von Gewinnmitnahmen. "Der Titel ist in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen."

Die an sich als krisenresistent geltenden Anteile von Nestlé, Novartis und Roche geben zwischen 0,8 und 1,5 Prozent nach. Damit ist das Gros des SMI-Minus den drei Schwergewichten geschuldet, die rund 60 Prozent der Index-Kapitalisierung ausmachen.

Actelion büssen 2,2 Prozent ein. Der Biotech-Wert war in den vergangenen Tagen aufgrund spekulativer Käufe stark gestiegen.

Syngenta legen wieder einmal zu

Zu den wenigen Kursgewinnern unter den Standardwerten gehören Syngenta mit einem Plus von 1,9 Prozent. Die Titel des Agrarchemiekonzerns erhole sich von den jüngsten Einbussen, heisst es im Markt.

Meist fester sind die Bankaktien: Julius Bär steigen um 0,7 Prozent. UBS hat nach der Vorlage des Zwischenberichts das Kursziel für die Titel des Vermögensverwalters erhöht und die Kaufempfehlung bekräftigt. Fester sind auch GAM Holding, Vontobel und EFG International. Die Aktien der UBS sind gehalten, die der Credit Suisse rutschen 1,2 Prozent ab.

Meist schwächer sind die Versicherungswerte. Die Zurich-Aktien können anfängliche Gewinne trotz einer Kurszielerhöhung und Kaufempfehlung von J.P. Morgan nicht halten und rutschen leicht ins Minus.

Zu den Gewinnern zählen Aktien von Industrie- und Technologiefirmen wie Clariant, Oerlikon, Temenos, AMS, Kudelski und Logitech.

Gewinnwarnung versalzt Hügli-Aktionären die Suppe

Die Hügli-Aktien büssen nach einer Gewinnwarnung 3,8 Prozent ein. Hügli rechnet nur noch gut 7 Prozent Betriebsgewinnmarge. Bislang waren knapp 8 Prozent in Aissicht gestellt worden.

Weiter unter Druck stehen die Aktien von Meyer Burger. Die Titel des Solarzulieferers brachen vorübergehend mehr als 10 Prozent auf das Rekordtief von 1,59 Franken ein. Bei Handelsschluss liegen die Titel noch 1,1 Prozent im Minus. "Solange die Kapitalmassnahmen nicht in trockenen Tüchern sind, dürften die Anleger um den Titel einen weiten Bogen machen", sagt ein Händler.

(Reuters/cash)