Anleger kehren Schweizer Börse den Rücken

Die näher rückende Volksabstimmung über die weitere Mitgliedschaft Grossbritanniens in der EU hat der Schweizer Börse am Freitag kräftige Verluste eingebrockt.
10.06.2016 17:45
Am Freitag kein erfreulicher Anblick: Ein Mann studiert die Aktienkurse.
Am Freitag kein erfreulicher Anblick: Ein Mann studiert die Aktienkurse.
Bild: Bloomberg

Der SMI büsst bis Börsenschluss 1,9 Prozent auf 7923 Punkte ein. Dies bedeutet einen Kursrückgang zur Vorwoche von 2,8 Prozent und ist der zweite Wochenverlust hintereinander.

Die Anleger seien zunehmend nervöser wegen der Unsicherheit über die Folgen eines Brexit, sagen Händler. Das Angstbarometer der Börse, der Volatilitätsindex, schnellte um 16 Prozent hoch.

Händler nennen auch sinkende Ölpreise und die etwas schlechtere Stimmung der US-Konsumenten als Gründe für die nachgebenden Aktienkurse. "Seit dem überraschend schlechten US-Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag dominieren wieder Konjunktursorgen", sagt ein Händler. Und diese Konjunktursorgen liessen die US-Notenbank mit einer möglichen Zinserhöhung immer wieder zögern, heisst es in einem Kommentar der Raiffeisen Bank Schweiz.

Fed und SNB werden stillhalten

Dass die Fed die geldpolitischen Zügel bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche bereits strafft, glauben die wenigsten Marktteilnehmer. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürften vorerst stillhalten und die Leitzinsen nicht weiter in den negativen Bereich senken, wenn sie am Donnerstag die geldpolitische Lagebeurteilung präsentiert, heisst es am Markt.

Die Stimmung habe sich auch aus charttechnischer Sicht eingetrübt, weil der SMI unter die Marke von 8000 Punkten gefallen ist. Knapp darunter seien automatische Verkäufe ausgelöst worden. Eine Unterstützung liege nun bei 7850 Punkten.

Die stärksten Abschläge verbuchen Aktien zyklischer Firmen und von Banken, die europaweit Federn lassen mussten. Der Branchenindex sinkt um 3,3 Prozent. Die Papiere der Grossbank Credit Suisse sacken 3,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit 24 Jahren ab. Auch andere Finanzwerte standen unter Druck: UBS und Julius Bär verlieren 2,3 und 2,2 Prozent.

Die Versicherer werden um rund 3 Prozent tiefer bewertet. Einzig Zurich trotzten dem Trend mit einem Minus von 0,7 Prozent. Der neue Chef Mario Greco will dem Versicherungskonzern eine einfachere Struktur verpassen. Das Lebens- und das Schadensversicherungsgeschäft sollen künftig weltweit von einem Team geführt werden. Dies sei ein sinnvoller Schritt. "Dank dieser Massnahme dürfte Zurich die eigenen Sparziele noch übertreffen", heisst es in einem Kommentar der Bank Vontobel.

Zykliker arg zerzaust

Die wachsenden Konjunktursorgen lasteten schwer auf zyklischen Werten. Die Titel des Zementkonzerns Lafarge-Holcim stürzen um 3,6 Prozent ab. Die Papiere der beiden Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch, die sich zuletzt besser als der Gesamtmarkt entwickelt hatten, verlieren 3,5 Prozent. Die Anteile des Personalvermittlers Adecco sinken um 2,7 Prozent. Vergleichsweise gut halten sich die Anteile des Elektrotechnikkonzerns ABB mit minus 1,5 Prozent.

Die Pharmatitel Novartis und Roche konnten sich dem Abwärtstrend nicht entziehen und geben 2 und 2,2 Prozent preis. Besser als der Markt halten sich die Papiere des als krisenresistent geltenden Nahrungsmittelkonzerns Nestlé mit minus 1,2 Prozent. Die Anteile des Schokoladeherstellers Lindt & Sprüngli ermässigen sich nur um 0,1 Prozent.

Zu den wenigen Gewinnern zählen die Aktien von Straumann mit plus 1,7 Prozent auf 378,25 Franken. Credit Suisse hat das Kursziel für die Aktien des Dentalimplantatherstellers auf 430 von 385 Franken erhöht und die Kaufempfehlung bestätigt. Bei 386,25 Franken erreichte der Kurs ein Rekordhoch. Die Titel der Banken-Softwarefirma Temenos stiegen vorübergehend ebenfalls auf ein neues Hoch, fielen dann aber wieder zurück.

(Reuters)