Anleger laufen sich für Fed-Sitzung warm

In der Woche vor der US-Notenbanksitzung steigt bei Anlegern die Spannung. Eine Vorschau auf die neue Börsenwoche.
11.09.2016 13:17
Kundin in einer Walmart-Filiale. In den USA stehen Zahlen zu Konsum und Konsumentenvertrauen an
Kundin in einer Walmart-Filiale. In den USA stehen Zahlen zu Konsum und Konsumentenvertrauen an
Bild: Bloomberg

Anleger werden Experten zufolge die anstehende Flut von US-Konjunkturdaten besonders gründlich auf Hinweise zu den Aussichten für die Fed-Politik abklopfen. Es sei aber unwahrscheinlich, dass die Zahlen stark genug ausfallen, um die US-Notenbank bereits bei ihrem Treffen am 21. September zu einer Zinserhöhung zu bewegen, betonte Commerzbank-Analyst Christoph Balz. "Wir halten eine Zinsanhebung im Dezember für wahrscheinlicher."

Investoren fiebern vor allem dem Donnerstag entgegen. Dann werden unter anderem die Konjunkturbarometer der Federal Reserve Bank von Philadelphia und von New York sowie die Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Am Tag darauf folgt das von der Universität Michigan ermittelte Stimmungsbarometer der Verbraucher. Der private Konsum gilt als Hauptstütze der weltgrößten Volkswirtschaft.

Signale für eine nahende US-Zinserhöhung sind Experten zufolge aber nicht zwangsläufig ein Belastungsfaktor für die Aktienbörsen. "Die Hoffnung auf eine Erholung der Weltwirtschaft hat die Sehnsucht nach noch mehr billigem Geld abgelöst", betont Jochen Stanzl, Analyst des Online-Brokers CMC Markets. Zudem erhoffen sich Anleger von einer Zinsanhebung Entlastung für Banken.

"Die Kredite steigen, und ein höherer Leitzins bedeutet, dass die Kreditinstitute mehr Geschäft machen und mehr Geld dabei verdienen", sagte Brad McMillan, Chefinvestor bei Commonwealth Financial. Mehr als die Hälfte der Marktteilnehmer rechnen damit, dass der nächste Zinsschritt im Dezember ansteht. In der abgelaufenen Woche verloren die US-Börsen mehr als zwei Prozent, der Dax gab ein Prozent nach auf 10.573 Punkte.

Britische Geldpolitik rückt wieder in den Vordergrund

Auch die britische Geldpolitik rückt wieder in den Vordergrund, wenn am Donnerstag die Bank von England (BoE) darüber berät. Die Frage ist, ob sie nach der Zinssenkung und der Ausweitung der Anleihekäufe Anfang August nachlegt. BoE-Chef Mark Carney hat die Bereitschaft dazu signalisiert. Die britische Industrieproduktion ging im Juli so stark zurück wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Geschäfte des Dienstleistungssektors legten dagegen im August trotz des Schocks über den Ausgang des Brexit-Referendums so stark zu wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen vor 20 Jahren.

Vor diesem Hintergrund sagt Commerzbank-Experte Balz eine leichte Verbesserung der Stimmung der deutschen Börsenprofis voraus. Der ZEW-Index wird am Dienstag veröffentlicht. Zwei Tage später folgen die Inflationsdaten für die Euro-Zone. Sollte die Teuerung unverändert niedrig ausfallen, würde dies Spekulationen auf zusätzliche Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) wiederaufflammen lassen. In der alten Woche hatten die Währungshüter mit dem vorläufigen Verzicht auf solche Maßnahmen für lange Gesichter gesorgt. Bislang pumpen die Währungshüter monatlich 80 Milliarden Euro in die Finanzmärkte, um die drohende Deflation, eine Spirale fallender Preise und rückläufiger Investitionen, abzuwenden.

Am Freitag folgt der große Verfall an den Terminmärkten, der sogenannte Hexensabbat. In den Tagen zuvor schwanken die Aktienkurse üblicherweise stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

In der Schweiz veröffentlicht Richemont das Fünf-Monte-Statement am Mittwoch.

(Reuters)