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«Anleger möchten Korrektur sehen»

Klaus Kaldemorgen, einer der bekanntesten Fondsmanager Deutschlands, erklärt im cash-Börsen-Talk die «ungewöhnliche» Börsenlage und nennt mögliche Gefahren für die Aktienmärkte.
11.07.2014 01:00
Von Daniel Hügli
Fondsmanager Klaus Kaldemorgen im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Konstant steigende Börsen, aber konstant tiefe Handelsvolumen. So präsentiert sich die Lage an den Aktienmärkten seit Monaten. Vor allem in den USA klettern die Börsen unaufhaltsam. Seit dem im März 2009 markierten Tiefpunkt hat etwa der S&P 500 fast 200 Prozent zugelegt. Dies ist die viertlängste je verzeichnete Rally.

Aber eben: Von  Euphorie bei den Anlegern ist kaum etwas zu spüren, die Volatilität an den Märkten befindet sich nahe am Allzeittief. Seit einigen Wochen kommt es gar zu Kapitalabflüssen bei US-Aktienfonds.

Für den erfahrenen deutschen Fondsmanager Klaus Kaldemorgen ist diese Situation in der Tat "ungewöhnlich": "Die Investoren sind derzeit mit ihren Positionierungen offenbar ganz zufrieden und schichten daher wenig um", sagt Kaldemorgen im cash-Börsen-Talk.

Fonds-Ikone Kaldemorgen erklärt die Baisse bei den Börsenvolumen aber vor allem so: "Viele Leute möchten gern eine Korrektur sehen, bevor sie wieder mehr Vertrauen gewinnen in die Märkte." Anders als andere Marktbeobachter teilt er die grundlegende Skepsis der Anleger nicht, was deren Einschätzung der Marktentwicklung betrifft. "Eher macht mir Sorgen, dass die Anleger zu hohe Erwartungen an die Aktienmärkte haben."

Aktien mit hoher und nachhaltiger Dividendenrendite

Kaldemorgen war bis 2012 Geschäftsführer von DWS und managte milliardenschwere Aktienfonds. Er war auch Chefstratege für Aktien bei der Tochtergesellschaft der Deutschen Bank. Vor allem seine Fähigkeit, in Aufschwungphasen Überrenditen zu erzielen und bei sinkenden Märkten die Verluste zu begrenzen, brachten dem 61-jährigen Kaldemorgen fast schon Heldenverehrung ein.

In den Jahren 2010 und 2011 erlitten seine Aktienfonds dann unerwartete Rückschläge. Heute managt Kaldemorgen den "DWS Concept Kaldemorgen", der einen Total-Return-Ansatz verfolgt. DWS ist Teil von Deutsche Asset & Wealth Management, dem Vermögensverwaltungsarm der Deutschen Bank.

Zwar erkennt Kaldemorgen, dass Aktien nun nicht mehr billig sind. "Aber sie sind auch nicht so exorbitant teuer wie 2002. Die Bewertung ist kein Hinderungsgrund, jetzt nicht an den Aktienmärkten einzusteigen." Er empfiehlt Anlegern Aktien mit hoher und nachhaltiger Dividendenrendite. Besonders im Versicherungssektor würden überdurchschnittliche Renditen erzielt.

Risiken für Rückschläge

Allerdings sind auch die Risiken für Rückschläge an den Börsen gestiegen. Die Risikofaktoren sind laut Kaldemorgen zum einen politischer Natur, wie etwa die Irak-Krise. Etwas nachhaltiger wirken könnte aber auch eine verschärfte Diskussion um die Erhöhung der US-Leitzinsen. "Zu Korrekturen an den Aktienmärkten könnte es insbesondere dann kommen, wenn die Zinsen früher als erwartet erhöht werden oder wenn die Zinsschritte schneller aufeinanderfolgen als angenommen."

Gefahren für die Börsen können aber auch von der Nullzinspolitik der Zentralbanken aus, so Kaldemorgen weiter. Die Gefahren von Blasenbildung könne man jetzt schon sehen. "Es ist derzeit extrem attraktiv, Fremdkapital zu nehmen und damit Aktien zu kaufen. Das machen etwa Unternehmen, die mit dem Fremdkapital eigene Aktien zurückkaufen."

Auch Private-Equity-Investoren verschulden sich, um Unternehmen an der Börse zu kaufen. "Das kann mit der Zeit zu deutlichen Überbewertungen an den Aktienmärkten führen. Aber wir sind noch nicht da", erläutert Kaldemorgen.

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Klaus Kaldemorgen auch zu seinem Fonds "Concept Kaldemorgen" und welche Umschichtungen er zuletzt darin vorgenommen hat.

Das Interview mit Klaus Kaldemorgen entstand im Rahmen einer Pressereise nach London, zu der Deutsche Asset & Wealth Management eingeladen hatte.