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«Anleger müssen vorsichtiger sein»

Die Börse zeigt derzeit sehr grosse Müdigkeitserscheinungen, sagt cash-Guru Alfred Herbert im Börsen-Talk. Er erläutert insbesondere die schwache Performance der Aktien von UBS und ABB.
27.06.2014 01:05
Von Daniel Hügli
cash-Guru Alfred Herbert rät im Börsen-Talk weiterhin vom Kauf von UBS-Aktien ab.
Bild: cash

Es herrscht Flaute an den Aktienmärkten. Enttäuschende Wachstumszahlen aus den USA drückten den Swiss Market Index zu Wochenmitte bei 8500 Punkten auf den tiefsten Stand seit fast sieben Wochen. Dazu gesellten sich Befürchtungen, dass sich die Krisen im Irak und in der Ukraine weiter negativ auf die Energiepreise auswirken könnten.

cash-Guru Alfred Herbert, der alle vier Wochen zu Gast beim cash-Börsen-Talk ist, blickt denn auch weniger optimistisch auf die Aktienmärkte als bei seinem letzten Besuch vor Monatsfrist. "Die Börse zeigt sehr grosse Müdigkeitserscheinungen. Die grosse Überzeugung, Aktien zu kaufen, ist weg", sagt Herbert in der neuen Ausgabe des Börsen-Talks. Und: "Anleger müssen nun vorsichtiger sein."

Herbert stört vor allem, dass die Volatilität, also die Preisschwankungen, an den Märkten weiter zurückgeht. Tiefe Volatilität deutet zwar auf einen ruhigen und sicheren Markt hin. Damit ein Aufwärtstrend an den Börsen bestätigt wird, müssten aber gleichzeitig auch die Kurse steigen - was derzeit nicht der Fall ist.

Herbert will sich nicht darauf festlegen, wie lange der SMI, der seit Jahresbeginn immerhin noch eine Rendite von 4 Prozent aufweist, in seiner Mini-Krise verharrt und wann er wieder einen Angriff auf das Jahreshoch von 8764 Punkten starten wird. Mittel- und langfristig führe aber kein Weg an Aktien vorbei, denn für Anleger gebe es wegen des Tiefzinsumfeldes weiterhin kaum Alternativen zum Aktienmarkt. Dazu sind die Gewinnaussichten der Unternehmen mehrheitlich intakt.

UBS-Aktie sackt ab

Eine der schlechtesten SMI-Aktien in den letzten zwei Wochen ist diejenige der UBS, welche diese Woche unter 17 Franken und auf den Stand von Mitte Dezember gefallen ist. Die UBS steht mit der mageren Performance nicht alleine da, denn die Bussen- und Sanktionswelle für Banken steht wieder im Fokus der Investoren. Weltweit haben Behörden die Geldhäuser im Visier, untersuchen mögliche Manipulationen im Edelmetall-, Devisen- und Zinsmarkt. Dazu kommen bei der UBS die Probleme in Belgien, wo gegen den UBS-Länderchef von den Behörden ein verfahren eröffnet wurde.

Das bestärkt Alfred Herbert in seiner generellen Haltung zu Grossbanken-Aktien: "Ich sags seit zwei Jahren: Ich fasse diesen Mist nicht an, ich kanns nicht anders ausdrücken", so Herbert im Börsen-Talk.

Bezüglich Halbjahresperformance der Titel im SMI tut sich eine grosse Schere auf. Während der Spitzenreiter Actelion über 50 Prozent zulegen konnte, sackten die Aktien des Schlusslichtes Julius Bär fast 15 Prozent ab. Lamentabel ist auch die Leistung von ABB. Nicht zuletzt wegen der schwachen Erstquartalszahlen resultiert für die ABB-Aktie im ersten Halbjahr ein Minus von 13 Prozent.

Das ist ein weiterer herber Rückschlag für die von vielen Anlegern gehaltene Aktie, die sich seit fünf Jahren entweder mal oberhalb oder unterhalb der Marke von 20 Franken bewegt. Den jüngsten Rückschlag der ABB-Aktie, der seit Ende Januar andauert und den Titel auf den Stand von September zurückgeschleudert hat, sieht Herbert so: "Das zeigt mir eindeutig, dass viele Investoren der Erholung der Weltwirtschaft noch nicht trauen".

 

Im cash-Börsen-Talk äussert sich Alfred Herbert auch zu den Aktien von Swatch, Julius Bär, und Novartis sowie zur Situation am Schweizer Immobilien- und Hypothekarmarkt.