Anleger nehmen vor EZB-Treffen Gewinne mit

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch im späten Handel an Schwung verloren. Händler sagten, vor dem Treffen der EZB hätten die Anleger einen vorsichtigeren Kurs gefahren und kurzfristig erzielte Gewinne mitgenommen.
09.03.2016 17:30
Die Anleger an der Schweizer Börse machen am Mittwoch Kasse und nehmen Gewinne mit.
Die Anleger an der Schweizer Börse machen am Mittwoch Kasse und nehmen Gewinne mit.
Bild: cash

Der SMI, der in der Spitze gegen ein Prozent zugelegt hatte, prallte einmal mehr an der Widerstandszone um 8000 Punkten ab. Zuletzt notierte er mit 7976 Punkten nur leicht höher als am Vortag, als maue Konjunkturzahlen aus China den Leitindex um 0,6 Prozent fallen liessen.

Hoffen auf Draghi

Die Anleger hofften darauf, dass EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag die Märkte überraschen werde. Volkswirte erwarten, dass die EZB die Geldpolitik im Euro-Raum weiter lockert. Es werde damit gerechnet, dass das Anleihenkaufprogramm zeitlich verlängert und auf bis zu 75 von derzeit 60 Milliarden Euro monatlich ausgeweitet werde. Zudem könnte der Zins für das von den Banken bei der Notenbank geparkte Geld weiter abgesenkt werden. "Die Erwartungen sind sehr hoch - so hoch, dass das Enttäuschungspotenzial noch viel höher ist", sagte ein Händler. Es gebe viele Skeptiker. "Die Märkte könnten auch negativ reagieren und die Anleger ihre Positionen reduzieren", sagte der Händler.

Die Aktien der Banken, die nach den Verlusten vom Dienstag zunächst stark gefragt waren, büssten ihre Gewinne teilweise ein oder gaben gar nach. Bei den Grossbanken sanken Credit Suisse um 0,3 Prozent. UBS hielten sich mit 0,6 Prozent in der Gewinnzone. Julius Bär legten leicht zu.

Vontobel gibt nach

Die Papiere der Bank Vontobel büssten 3,6 Prozent ein. Die Aktie stand bereits am Dienstag stark unter Druck. Der Star-Fondsmanager Rajiv Jain verlässt die Bank. Jain galt laut ZKB als das "Gesicht des Asset Managements". Er verwaltete rund 48 Milliarden Dollar oder über ein Drittel des Gesamtbestandes der Bank.

Bei den zyklischen Werten fielen Adecco auf, die nach einem schwachen Start zuletzt um 1,5 Prozent höher bewertet waren. Der Personalvermittler hat 2015 nach grossen Abschreibungen einen Gewinneinbruch auf acht Millionen Euro verbucht. Mit einer kräftigen Dividendenerhöhung will er die Aktionäre jedoch bei der Stange halten. "Eine Rendite von vier Prozent scheint im aktuellen Negativzinsumfeld für Investoren attraktiv", sagte ein Händler.

Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB gaben ihre Kursgewinne wieder bis auf 0,3 Prozent her. Auch beim Zementriesen LafargeHolcim und der Chemiefirma Clariant gaben die Kursgewinne im Nachmittagshandel wieder nach.

Roche verliert

Die Anteile der als krisenresistent geltenden Schwergewichte Nestle und Novartis gewannen leicht Terrain. Roche aber fielen nach frühen Gewinnen um 1 Prozent.

Am breiten Markt gaben die Cicor-Aktien 1,9 Prozent nach. Der Leiterplatten-Hersteller rutschte im vergangenen Jahr wegen Restrukturierungskosten mit 4,1 Millionen Franken in die roten Zahlen. Eine Rückkehr zu Wachstum bei Umsatz und Ergebnis wird für die zweite Jahreshälfte in Aussicht gestellt.

Weiter unter Druck standen die Papiere von Alpiq. Der Stromkonzern ist wegen der tiefen Strompreise in eine Krise geraten und schreibt tiefrote Zahlen. Der Titel sackte um 7,1 Prozent ab.

Die Aktien von Huber+Suhner stiegen um 3,6 Prozent auf 47 Franken. Das Wertpapierhaus Helvea Baader empfahl nach der Bilanzvorlage die Aktien des Kabelspezialisten mit einem Preisziel von 55 Franken zum Kauf.

(Reuters)