Anleger an Schweizer Börse halten sich zurück

Die Schweizer Börse hat am Montag nach den Kursgewinnen der vergangenen Woche eine Verschnaufpause eingelegt.
18.07.2016 17:50
Kleine Pause zum Wochenstart an der Schweizer Börse.
Kleine Pause zum Wochenstart an der Schweizer Börse.
Bild: cash

Der SMI machte einen schwachen Start wett und notiert zum Handelsschluss um 0,1 Prozent höher bei  8162 Punkten. In der Vorwoche hatte der Leitindex rund 1,4 Prozent gewonnen. Der Grund für den verhaltenen Wochenstart sind vor allem Kursverluste beim Index-Schwergewicht Roche. Zyklische Werte und Finanzwerte setzen ihren Anstieg dagegen fort.

Die Ereignisse in der Türkei gingen an den Börsen beinahe spurlos vorüber, sagt ein Händler. "Für die Märkte ist das ein Non-Event. Man ist scheinbar an solche Meldungen gewohnt." Am Freitagabend - nur einen Tag nach dem Anschlag in Nizza mit mehr als 80 Toten - hatte das türkische Militär versucht, die Macht an sich zu reissen. Es war damit jedoch gescheitert.

Zu den grössten Kursverlierern zählt Roche mit einem Abschlag von 0,9 Prozent: Der Pharmakonzern musste einen Dämpfer bei seinem Hoffnungsträger Gazyva einstecken. Neuen Testresultaten zufolge wirkte das Blutkrebsmedikament gegen die häufigste Form des Non-Hodking-Lymphoms nicht besser als das ebenfalls von dem Arzneimittelhersteller aus Basel stammende Präparat Mabthera. Die Zürcher Kantonalbank sieht in den Anwendung nun kaum mehr Vermarktungsmöglichkeiten und nimmt die Schätzung für das Umsatzpotential um 30 Prozent zurück.

Die Titel des zweiten Pharma-Schwergewichts Novartis legen am Tag vor der Quartalsbilanz 0,1 Prozent zu. Analysten erwarten für das zweite Quartal durchschnittlich um 6 Prozent weniger bereinigten Gewinn.

SGS nach Margenwarnung im Verkauf

Im Mittelpunkt des Anlegerinteresses standen darüber hinaus die ersten Halbjahresberichte: Gewinnmitnahmen nach enttäuschenden Zahlen drücken die Aktien des Prüf- und Inspektionskonzerns SGS 4,8 Prozent ins Minus. Analysten stören sich vor allem am Margenrückgang im ersten Halbjahr.

Besser kam die Zwischenbilanz des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan an: Die Anteile führen nach einem höher als erwarteten Halbjahresgewinn die SMI-Gewinnerliste mit einem Plus von 2,4 Prozent an.

In den USA legte die Bank of America ihre Zahlen vor: Zwar brach der Gewinn im zweiten Quartal wegen höherer Risikovorsorgen und der niedrigen Zinsen um fast ein Fünftel auf 3,9 Milliarden Dollar ein. Die zweitgrösste US-Bank schnitt damit aber besser ab als gedacht. Die Aktie legt zu.

Auch in den kommenden Tagen dürften die Firmenbilanzen richtungsweisend für die Index-Entwicklung sein, sagt ein Händler. Mit Roche und ABB geben im Lauf der Woche noch weitere Grosskonzerne Einblick in die Entwicklung nach dem ersten Halbjahr.

Volatile Seitwärtsbewegung erwartet

Die Analysten der Zürcher Kantonalbank rechnen in nächster Zeit mit einer volatilen Seitwärtsbewegung. Nach unten seien die Aktienmärkte durch die ultra-expansive Geldpolitik der Notenbanken und die tiefen Bondrenditen gut abgestützt. Die bescheidenen Gewinnaussichten und die stattliche Bewertungen vieler Aktien limitierten aber das Kurspotential.

In der Gunst der Anleger standen zu Wochenbeginn erneut zyklische Werte: Die Aktien des Personalvermittlers Adecco legen 0,9 Prozent zu, jene der Sanitärtechnik-Firma Geberit ziehen ebenfalls leicht an und die des Zementkonzerns Lafarge-Holcim rücken 1,2 Prozent vor. Swatch sind nach dem Einbruch vom Freitag gehalten. Der weltgrösste Uhrenproduzent hatte für das erste Halbjahr einen Gewinneinbruch um 50 bis 60 Prozent angekündigt und die Aktien damit fast 8 Prozent ins Minus gedrückt.

Credit Suisse legen 0,9 Prozent zu. Die Titel der Konkurrentin UBS sind gehalten. Beide Grossbanken wollen ihre Halbjahresbilanz in der kommenden Woche vorlegen. Die Versicherungswerte legen zu.

Rieter spüren die Türkei-Turbulenz

Am breiten Markt verlieren die Titel des Textilmaschinenbauers Rieter 0,9 Prozent. Händler führten das auf die Krise in der Türkei zurück, die ein wichtiger Absatzmarkt ist.

Die Aktien von Emmi legen 2,3 Prozent zu. Der Milchverarbeiter übernimmt den verbleibenden Anteil von 40 Prozent an der Mittelland Molkerei AG und besitzt das in Suhr ansässige Unternehmen damit komplett.

(Reuters)