Anleger an Schweizer Börse setzen auf weiter tiefe US-Zinsen

Die Schweizer Börse hat am Dienstag den zweiten Tag in Folge zugelegt. Für gute Stimmung sorgte mitunter die Aussicht auf weiter tiefe Zinsen in den USA.
20.09.2016 17:38
Erneut ein sonniger Tag für die Anleger an der Schweizer Börse.
Erneut ein sonniger Tag für die Anleger an der Schweizer Börse.
Bild: cash

Allerdings wagten sich viele Investoren vor der mit Spannung erwarteten Sitzung der Notenbank Fed nicht gross aus der Deckung, sagten Händler. Der Leitindex schloss mit 8238 Punkten 0,5 Prozent höher. Bereits am Montag hatte der SMI 0,8 Prozent gewonnen.

Die US-Zinspolitik dominiere weiterhin das Geschehen an den Börsen, sagte ein Händler. Die Fed-Vertreter beraten ab Dienstag über den Zeitpunkt für die nächste Zinserhöhung in der weltgrössten Volkswirtschaft. Ihre Entscheidung geben sie erst am Mittwoch nach Handelsschluss in Europa bekannt. "Davor dürfte sich kaum jemand aus dem Fenster lehnen. Da ist Abwarten angesagt", sagte ein Börsianer. Zuletzt hatten widersprüchliche Aussagen von Notenbankern an den Märkten für Rätselraten über den künftigen Kurs gesorgt.

US-Zinsen bleiben wohl tief

Mit einer Zinserhöhung in den USA rechnet kaum jemand. "Die Leitzinsen dürften bei 0,5 Prozent verharren, wie schon seit dem 16. Dezember des letzten Jahres. Ein anderer Entscheid käme einer riesigen Überraschung gleich", erklärten die Experten der Zürcher Kantonalbank. Besonderes Augenmerk schenken Investoren im Vorfeld den US-Konjunkturdaten: Die Zahl der gestarteten Wohnungsbauten sank im August nach Angaben von Dienstag um 5,8 Prozent auf eine Jahresrate von 1,14 Millionen und damit stärker als erwartet.

Die Aussicht auf weiterhin tiefe Zinsen freut jedoch nicht alle: Für die Banken bedeuten sie tendenziell sinkende Erträge. Entsprechend zählten in der Schweiz die Titel der Grossbanken UBS und Credit Suisse zu den grössten Verlierern. Sie verloren 1,6 und 1,3 Prozent an Wert. Ein Händler führte die Abschläge auch auf die drohende Milliardenstrafe für die Deutsche Bank wegen Tricksereien am US-Immobilienmarkt zurück. Bei vielen Investoren setzte sich die Einsicht durch, dass die Institute die Rechtsfälle aus der Finanzkrise noch nicht zu den Akten legen könnten. Auch der Vermögensverwalter Julius Bär gab 1,8 Prozent nach.

Bei den Versicherungswerten gaben Zurich Insurance 0,3 Prozent nach. Das Bankhaus Lampe hatte die Empfehlung für den Konzern auf Sell von Hold zurückgestuft.

Die Luxusgütertitel Swatch und Richemont legten 3,9 und 2,7 Prozent zu und setzten sich damit an die Spitze der Standardwerte. Dabei waren die Schweizer Uhrenexporte nach den jüngsten Daten vom August im Vergleich zum Vorjahresmonat real um elf Prozent geschrumpft. Doch beide Titel hätten bereits in den vergangenen Wochen Federn lassen müssen, sagte ein Händler. "Im Kurs war bereits viel vorweggenommen."

Zu den Gewinnern zählten darüber hinaus Schwergewichte wie die Pharmatitel Roche und Novartis, sowie der Lebensmittelkonzern Nestle, die knapp ein Prozent zulegten.

Die Aktien des Elektronikkonzerns ABB lagen 0,5 Prozent im Plus. Insidern zufolge hat der Verwaltungsrat bei einem Treffen am Dienstag den Kapitalmarkttag am 4. Oktober vorbereitet. Auf diesem will das Unternehmen eine Entscheidung über die Abspaltung der Netzwerktechnik bekannt geben.

Am breiten Markt waren die Titel von AFG Arbonia-Forster knapp vier Prozent im Plus. Der Bauzulieferer hatte 2,64 Millionen neu zu schaffende Namenaktien im Rahmen eines Accelerated Bookbuilding-Verfahrens platziert. Mit dem Bruttoerlös von 37,8 Millionen Franken will die Firma die im Juni 2016 bekannt gegebenen Akquisition der Koralle Gruppe refinanzieren.

Die Titel des Fleischverarbeiters Bell gaben hingegen 1,2 Prozent nach. Die Firma übernimmt die auf Gastronomiebelieferung spezialisierte Geiser AG, die mit 120 Beschäftigten einen Umsatz von 45 Millionen Franken erwirtschaftet. Angaben zum Preis machte Bell nicht. Die Vontobel-Analysten schätzen diesen auf 20 Millionen Franken.

(Reuters)