Anleger an Schweizer Börse warten auf Fed-Entscheid

Die Schweizer Börse ist am Mittwoch vor der mit Spannung erwarteten US-Zinssitzung auf der Stelle getreten.
21.09.2016 17:30
Die Aktien des Zementherstelles LafargeHolcim sind am Mittwoch gesucht.
Die Aktien des Zementherstelles LafargeHolcim sind am Mittwoch gesucht.
Bild: Bloomberg

Viele Investoren wagten sich angesichts der Unsicherheit über den Kurs der US-Geldpolitik nicht aus der Deckung, sagten Händler. Der SMI notierte bei 8226 Punkten leicht unter dem Vortagesniveau. Am Dienstag hatte der Leitindex 0,5 Prozent gewonnen.

Die Geldpolitik der grossen Notenbanken dominiert das Geschehen an den Börsen seit Wochen. Tonangebend ist dabei vor allem die Fed: Sie will ihre Zinsentscheidung am Mittwoch nach Börsenschluss in Europa bekanntgeben. Investoren rechnen überwiegend nicht mit einer weiteren Zinserhöhung schon in diesem Monat. Diesen Schritt erwarten sie erst für Dezember. Nach Einschätzung der Credit-Suisse-Experten ist es noch zu früh für eine erneute Aktion der Notenbank. "Die jüngsten Wirtschaftsdaten waren recht enttäuschend", erklärten sie.

Für gute Stimmung an den Aktienmärkten sorgte die Bank of Japan: Sie hatte auf eine weitere Verschärfung ihrer Strafzinsen verzichtet. Stattdessen setzten sich die Währungshüter für ihr massives Anleihenkaufprogramm ein langfristiges Zinsziel.

Wie reagieren Fed und EZB auf Japans Notenbank?

Nun gelte es zu beobachten, wie sich die Fed und die EZB zu den Neuerungen aus Japan stellten, sagte der Chefökonom der liechtensteinischen VP Bank, Thomas Gitzel. Denn die Geldpolitik aus Fernost diene häufig als Vorbild für die westliche Hemisphäre. "Die japanische Notenbank schlägt mit dem heutigen Tag ein neues Kapital auf. Ziel ist es nicht mehr, soviel Wertpapiere wie möglich zu kaufen, sondern im Visier ist nun das Aussehen der Zinslandschaft bis in den langlaufenden Bereich", erklärte er.

Weit oben auf der Liste der Gewinner im SMI standen die Grossbanken Credit Suisse und UBS, deren Aktien nach dem Aderlass der vergangenen Tage 1,5 und 0,8 Prozent zulegten. Zuletzt hatten die Aussicht auf weiter niedrige Zinsen und eine drohende Milliardenstrafe für die Deutsche Bank Anleger einen Bogen um Bankaktien machen lassen. Sie scheuten die anhaltend trüben Ertragsaussichten sowie weitere Kosten aus Rechtsfällen zur Aufarbeitung der Finanzkrise. Die Titel des Vermögensverwalters Julius Bär verloren 0,2 Prozent an Wert.

ABB waren 0,4 Prozent höher. Der unter Druck von unzufriedenen Grossaktionären stehende Elektrotechnikkonzern verkauft sein Geschäft mit Hochspannungskabeln an die dänische NKT Cables. Der Bereich wird dabei mit 836 Millionen Euro bewertet. Er ist Teil der Stromnetz-Division, die der aktivistische Investor Cevian verkaufen will. Der Fonds begrüsste die Transaktion, gibt sich damit aber noch nicht zufrieden. "Das ändert nichts am grossen Bild", sagte Co-Chef Christer Gardell. "Wir denken immer noch, dass die Stromnetzdivision abgespalten und separat gelistet werden sollte." ABB will auf einem Investorentag am 4. Oktober bekannt geben, ob die Division im Konzern bleibt.

Gefragt waren darüber hinaus Anteilsscheine zyklischer Firmen wie des Zementherstellers LafargeHolcim, der gut zwei Prozent zulegten. Die Aktien der Konkurrentin Richemont wurden mit einem Dividendenabschlag von 1,70 Franken gehandelt und notierten 2,2 Prozent oder 1,30 Franken tiefer.

Indexschwergewichte wenig verändert

Die Indexschwergewichte Novartis und Roche waren leicht tiefer. Roche erhält von den US-Behörden über einen Zeitraum von fünf Jahren bis zu 151,6 Millionen Dollar zur Entwicklung von Antibiotika. Die Entwicklung neuer Antibiotika war in den vergangenen Jahren schleppend verlaufen, weil sie für die Pharmakonzerne nicht annähernd soviel Gewinn abwerfen wie andere Medikamente. Die Titel des Lebensmittelriesen Nestle gaben ebenfalls leicht nach.

Am breiten Markt legten die Papiere von Temenos knapp ein Prozent zu. Der Bankensoftware-Hersteller profitierte von einer Hochstufung von Goldman Sachs auf Neutral von Sell. Die Clariant -Aktien gaben hingegen 1,4 Prozent nach, nachdem Citigroup die Empfehlung auf Neutral gesenkt hatte.

(Reuters)