«Anleger sollten jetzt die Nerven nicht verlieren»

ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis sagt im Video-Interview, was Anleger nach dem «US-Government-Shutdown» beachten sollten. Und er äussert sich zu den möglichen Folgen für die Schweizer Wirtschaft.
01.10.2013 15:40
Von Pascal Meisser
ZKB-Chefökonom Anastassios Frangulidis im Video-Interview.
Bild: cash

Die Finanzmärkte hat der am Dienstagmorgen eingetroffene "Government Shutdown" weitgehend kalt gelassen. Der Schweizer Leitindex SMI notiert am Nachmittag leicht im Plus. Auch die übrigen europäischen Börsenplätze verzeichnen zumeist leichte Gewinne.

Die teilweise Schliessung zahlreicher US-Behörden und öffentlicher Einrichtungen sorge nicht für Krisenstimmung, da dies angesichts des wochenlangen Patts im Kongress absehbar gewesen sei, hiess am Dienstag aus Händlerkreisen. Dieser Meinung schliesst sich auch Anastassios Frangulidis an. "Vorerst sind die unmittelbaren konjunkturellen Folgen des Shutdowns nicht so gross", sagt der Chefökonom der Zürcher Kantonalbank im Video-Interview. Dies vor allem dann, wenn man davon ausgehe, dass die Parteien in den kommenden Tagen doch noch zu einer Einigung kämen. 

Sein Tipp für die Anleger lautet deshalb: "Jetzt nicht die Nerven verlieren und die risikobehafteten Anlagen verkaufen, sondern die bisher eingeschlagene Anlagestrategie beibehalten." Frangulidis rät davon ab, sich auf ein mögliches Negativszenario hin zu positionieren - sprich: Aktien verkaufen und das Geld beispielsweise in Gold investieren.

Noch keine Auswirkungen auf Schweizer Wirtschaft

Auch für die Schweizer Wirtschaft sieht der ZKB-Chefökonom noch keine kurzfristigen Auswirkungen - trotz des schwächelnden Dollars. Die amerikanische Valuta ist am Dienstagmorgen erstmals seit 19 Monaten unter 90 Rappen gefallen. Seit dem Jahreshoch von Ende Mai bei 98,39 Rappen hat der "Greenback" über 8 Prozent gegenüber der Schweizer Währung eingebüsst. "Erst wenn der Dollar sich weiter abschwächen würde, würde der Schweiz ein Exportrückgang drohen", so Frangulidis.

Im Einklang mit den meisten Marktbeoachtern geht Frangulidis davon aus, dass sich die zerstrittenen Demokraten und Republikaner trotz des verpatzten Etatsentwurf bis am 17. Oktober über eine Erhöhung der US-Schuldengrenze von derzeit 16,7 Billionen Dollar einigen werden. Solche politischen Spielereien habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, sagt Frangulidis. Es sei aber wenig wahrscheinlich, dass es diesmal tatsächlcih zu einem Bankrott komme.

Letztmals drohte 2011 Zahlungsunfähigkeit

Die Demokraten von Präsident Barack Obama und die Republikaner nehmen in ihrem seit Jahren schwelenden Haushaltsstreit das Schuldenlimit regelmässig zum Anlass für ein politisches Kräftemessen. Im Sommer 2011 hatte das Ringen um die Anhebung der Schuldenobergrenze die USA an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht.

In jenem Jahr erreichte das Land den erlaubten Höchststand für die Staatsverschuldung am 31. Dezember. Ende Januar einigte sich der Kongress quasi in letzter Sekunde auf einen Kompromiss, der die Schuldenobergrenze bis zum 18. Mai 2012 aussetzte.

Im Video-Interview äussert sich Frangulidis zu den Folgen des Shutdowns auf Schweizer Touristen und Studenten.