Anleger verlässt der Mut - SMI rutscht ins Minus

Die gute Stimmung hat sich verzogen: Die Schweizer Börse ist am Donnerstag nach einem festen Auftakt wieder ins Minus gerutscht.
29.09.2016 16:58
Ampel bei der Schweizer Börse SIX in Zürich zeigt rot.
Ampel bei der Schweizer Börse SIX in Zürich zeigt rot.
Bild: cash

Die Erleichterung der Anleger über die überraschende Einigung auf eine Förderobergrenze der Opec-Ölförderländer hielt nicht lange an, sagten Händler. Vor dem Quartalsende verhielten sich die Anleger zudem vorsichtig. Der SMI, der vorübergehend bis auf 8282 Zähler gestiegen war, notierte kurz vor Handelsschluss um 0,7 Prozent schwächer bei 8164 Punkten.

Die grossen Ölexportländer hatten sich am Vortag in Algier auf eine Förderkürzung geeinigt. Das liess den Ölpreis steigen und gab den Aktienkursen anfangs Auftrieb. Allerdings blieb unklar, wie stark die einzelnen Opec-Staat die Produktion kürzen würden. "Und als der Ölpreis an der kritischen Marke von 50 Dollar gescheitert ist, hat die Anleger der Mut wieder verlassen", sagte ein Händler.

Charttechnik spricht gegen Aufwärtsbewegung

Auch charttechnische Faktoren sprechen eher gegen eine stärkere Aufwärtsbewegung. "Wir befinden uns seit einer gefühlten Ewigkeit in einem von 8100 bis 8300 Punkten reichenden Seitwärtskanal", sagte ein Händler. "Die Anleger steigen aus, wenn der obere Rand dieser Tradingrange erreicht wird."

An der Spitze Standardwerte waren die Aktien der Credit Suisse mit einem Plus von 1,8 Prozent zu finden. Im Streit um Tricksereien am US-Immobilienmarkt verhandelt die Grossbank einem Medienbericht zufolge mit dem US-Justizministerium über eine aussergerichtliche Einigung. Ein Deal des Instituts mit der Behörde sei binnen Wochen möglich, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider. Auch das britische Geldhaus Barclays führe dazu Gespräche. Zur Höhe einer möglichen Zahlung äusserten sich die Insider nicht.

Die Titel der UBS verloren geringfügig. Auf einer Investorenkonferenz der Bank of America sagte Konzernchef Sergio Ermotti, im dritten Quartal hätten die Verunsicherung der Kunden und die gedämpften Transaktionsvolumina angehalten.

Index-Schwergewichte schwach

Bei den wenig konjunktursensitiven Firmen büssten die Index-Schwergewichte Novartis und Roche 1,7 und 1,1 Prozent ein. Auf einer Bernstein-Veranstaltung schloss Roche-Finanzchef Alan Hippe nach Angaben des Brokers nicht ausdrücklich aus, dass der Arzneimittelhersteller die Roche-Beteiligung von Novartis kaufen könnte. Der Rivale, der knapp ein Drittel der stimmberechtigten Roche-Aktien mit einem Wert von 13 Milliarden Franken besitzt, denkt seit einiger Zeit laut über einen Ausstieg nach.

Mit Nestle hielt sich das dritte defensive Schwergewicht leicht im Plus.

Die Anteile zyklischer Firmen büssten im Handelsverlauf die anfänglichen Gewinne zu einem guten Teil wieder ein oder rutschten sogar in die Verlustzone. Die Aktien des Zementkonzerns LafargeHolcim notierten unverändert. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB und des Personalvermittlers Adecco büssten 0,4 und 0,7 Prozent ein.

Der festere Ölpreis verhalf den Aktien des Pumpenherstellers Sulzer und des Kompressorenproduzenten Burckhardt zu einem Plus von 3,4 und 5 Prozent.

Die Aktien des Maschinenbauers Meyer Burger stiegen um 1,2 Prozent. Der Solarindustrie-Zulieferer kündigte ein Sparprogramm mit einem Volumen von rund 50 Millionen Franken an, inklusive des Abbaus von rund 16 Prozent der Belegschaft. Das sei ein "proaktiver Schritt", erklärten die Analysten der Bank Vontobel.

Die Anteile von Goldbach Media stiegen um 3,3 Prozent. Die Mediengruppe hat einen Vertrag mit SevenOne Media um mehrere Jahre verlängert und kann damit die deutschen TV-Sender Sat.1 und ProSieben weiterhin in der Schweiz vermarkten. Das sei "beinahe von existenzieller Bedeutung" für Goldbach, hiess es bei der ZKB.

Die Aktien von U-blox sanken erneut um 2,4 Prozent. Die Anteile der GPS-Chipfirma standen bereits am Mittwoch nach einer Verkaufsempfehlung der Credit Suisse unter Abgabedruck.

Gewinnmitnahmen drückten die Aktien von Hochdorf um 2,3 Prozent. Research Partners hat die Kaufempfehlung für die Aktie des Milchpulver-Herstellers aus Bewertungsgründen zurückgenommen.

(Reuters)