Anleger vor Brexit-Abstimmung in Lauerstellung

Die Anleger halten sich vor der Abstimmung über einen Austritt Grossbritanniens zurück. Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Mittwoch zur Mittagszeit weiter wenig verändert.
22.06.2016 12:38
Schriftzug der SIX am Gebäude des Schweizer Börsenbetreibers.
Schriftzug der SIX am Gebäude des Schweizer Börsenbetreibers.
Bild: cash

Zuvor war der Leitindex drei Handelstage in Folge gestiegen - besonders stark am Montag, als die Befürchtungen vor einem möglichen Brexit wieder etwas geringer geworden sind. Während andere europäische Börsenplätze in dieser etwas entspannteren Stimmung relativ deutlich zulegen, belasten hierzulande die Pharma-Schwergewichte den Markt und verhindern grössere Avancen.

Investoren würden die Möglichkeit eines Ausstiegs aus der EU am Donnerstag weiter "auspreisen", obwohl die Umfragen nach wie vor auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern deuteten, heisst es am Markt. Umso grösser falle indes das Rückschlagpotential, falls die Brexit-Unterstützer das Referendum für sich entscheiden sollten, so die Meinung. Ob die Investoren mit ihrer derzeitigen Markteinschätzung richtig liegen, entscheide sich dann spätestens am frühen Freitagmorgen, wenn erste aussagekräftige Abstimmungsresultate veröffentlicht werden. Die Volatilität bleibt so oder so hoch, was sich auch am VSMI-Index (+6% auf 28,7 Punkte) ablesen lässt.

Der Swiss Market Index (SMI) sinkt gegen 11.50 Uhr 0,20% auf 7'919,74 Punkte. Der 30 Titel umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,02% auf 1'202,56 Punkte und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,21% auf 8'575,20 Zähler. Von den 30 Blue Chips notieren 16 tiefer, zwölf fester und zwei unverändert.

Roche und Novartis belasten

Belastend auf die SMI-Entwicklung wirken sich besonders die schwergewichtigen Roche (-0,8%) und Novartis (-0,6%) aus. Die defensiven Pharmatitel büssen derzeit auch im Jahresverlauf etwas mehr ein als der Leitindex. Etwas besser halten sich hingegen Nestlé (-0,1%) als drittes SMI-Schwergewicht.

Verlierer sind zudem Clariant (-0,9%), Swatch und Richemont (-0,8%). Die Luxusgütertitel hatten bereits am Vortag deutlich abgegeben - mit deutlich gesunkenen Uhrenexporten im Mai.

Die grössten Gewinner sind dagegen nach wie vor Zurich (+1,5%), nachdem Merrill Lynch das Rating auf "Buy" nach "Neutral" erhöht hat. Der zuständige Experte des US-Hauses vertraut nun stärker darauf, dass das Zurich-Management die Kehrtwende bei der Profitabilität schaffen wird. Zudem dürfte der Konzern die Reserven adäquat sichern und so eine stabile Dividende ermöglichen, heisst es. Immerhin biete die Aktie eine potenzielle Dividendenrendite von 7,3% und gehöre damit zu drei führenden Unternehmen im Sektor.

Weiter profitieren Schindler (+0,9%) und Julius Bär (+0,6%) von Hochstufungen. Die Schindler-Partizipationsscheine wurden von RBC auf "Sectorperform" von zuvor "Underperform" hochgestuft. Mit Blick auf die erwarteten Fortschritte bei der Marge herrsche nun mehr Gewissheit als noch vor einem Jahr, so die Begründung der Experten der kanadischen Bank. Bär werden zudem von Citigroup neu zum Kauf empfohlen. Die langfristigen Aussichten seien weiterhin intakt und es empfehle sich, in der Schwächephase zu kaufen, heisst es.

Klare Gewinne verzeichnen zudem noch die Grossbankentitel CS (+0,9%) und UBS (+0,7%) sowie Swiss Re und SGS (je +0,6%).

LafargeHolcim (Aktie +0,2%) wehrt sich indes gegen Vorwürfe im Zusammenhang mit einem Zementwerk in Syrien. Die französische Zeitung "Le Monde" hat dem Konzern in einem Artikel vorgeworfen, "zweifelhafte Arrangements" mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eingegangen zu sein. Die Priorität der damaligen Lafarge sei die Sicherheit und der Schutz der Mitarbeitenden gewesen, betonte dagegen LafargeHolcim in einer Stellungnahme.

Swisscom (-0,3%) bewegen sich im Rahmen des Gesamtmarktes. Der Telekomkonzern sieht sich mit einem gerichtlichen Nachspiel wegen des Verkaufs der Inseratevermarkterin Publicitas an die deutsche Beteiligungsgesellschaft Aurelius 2014 konfrontiert. Vor dem Handelsgericht Zürich sind mehrere Klagen hängig, wie ein Swisscom-Sprecher einen FuW-Artikel bestätigte.

Am breiten Markt geben Gottex (-13% auf 0,40 CHF) und Santhera (-3,6%) am stärksten ab. Huber+Suhner (-0,2%) bewegen sich mittlerweile im Rahmen des Marktes, nachdem die Aktie am Dienstag nach positiven Nachrichten zum Halbjahr noch 6% zugelegt hatte. Gewinner sind unter anderem Lastminute.com (+2,8%), Molecular Partners (+2,3%) und Mobilezone (+1,9%).

(AWP)