Anleger warten auf Trump-Rede

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag bislang noch keine klare Richtung eingeschlagen. Von schwachen US-Vorgaben belastet, setzte der Leitindex SMI zunächst die Abwärtsbewegung der vergangenen Tage fort.
20.01.2017 12:44
Die Aktien von Syngenta stehen am Freitagmittag an der SMI-Tabellenspitze.
Die Aktien von Syngenta stehen am Freitagmittag an der SMI-Tabellenspitze.
Bild: ZVG

In der Folge grenzte das Pharma-Schwergewicht Novartis seine Kurseinbussen ein, was dem Index den Sprung in die Gewinnzone ermöglichte. An den internationalen Börsen sei jedoch die Trump-Euphorie so kurz vor der Amtseinführung etwas verflogen und die Unsicherheiten grösser geworden, meinen Händler.

Die Antrittsrede Trumps wird auch an der Börse mit grosser Spannung erwartet. Man erhoffe sich mehr Klarheit über die Pläne Trumps in Sachen Steuersenkungen, Deregulierungen und Infrastrukturprogrammen, heisst es. Von Interesse sind im weiteren Tagesverlauf auch Reden von Mitgliedern der US-Notenbank Fed. Bereits zu Wort gemeldet hat sich Fed-Präsidentin Janet Yellen. Sie sieht die US-Geldpolitik auf Kurs und die schrittweise Anhebung der Zinsen durch die jüngsten Wirtschaftsdaten bestätigt. Leichte Unterstützung erhalten die Märkte von den etwas besser als erwartet ausgefallenen BIP-Zahlen aus China.

SMI leicht im Plus

Bis um 12 Uhr gewinnt der Swiss Market Index (SMI) 0,07% auf 8'278,46 Punkte, liegt aber im Vergleich zur Vorwoche immer noch mit 2% im Hintertreffen. Der breite Swiss Performance Index (SPI) steigt aktuell um 0,05% auf 9'050,98 Stellen und der 30 Titel umfassenden Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, um 0,03% auf 1'319,95 Punkte. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen 16 im Minus, zwölf im Plus und zwei notieren unverändert.

An der Spitze der Blue Chips stehen die Aktien von Syngenta (+1,8%). ChemChina hat einen weiteren Schritt in Richtung der Übernahme des Agrochemiekonzerns genommen und bei der US-Wettbewerbsbehörde den Zulassungsantrag gestellt. Der Antrag sei ein Zeichen dafür, dass der Deal nun wieder vorankomme, so Marktbeobachter.

Zurich Insurance gewinnen 1,1%. Beim Versicherungskonzern kommt es zum Abbau weiterer 240 Jobs in Grossbritannien. Bereits vor einigen Wochen kündigte die Gruppe einen erneuten Stellenabbau in der Schweiz an. Die Kursgewinne dürften aber eher auf Marktspekulationen um eine allfällige Erhöhung der Dividende zurückzuführen sein. Ein solcher Schritt sei noch nicht im Zurich-Kurs eingepreist, meinen Händler.

Uneinheitliche Tendenzen sind bei den Grossbanken zu sehen: Während UBS um 0,9% nachgeben, gewinnen Credit Suisse 0,8% dazu. Die CS-Titel dürften von der Hoffnung auf eine Trendwende im laufenden Jahr profitieren, hiess es.

Novartis (-0,1%) tendieren nach den Kursverlusten der letzten Tage und im frühen Geschäft nun seitwärts. Seit Ende letzter Woche liegen die Pharmatitel mit 2,7% im Minus. Als Belastung sehen Händler die Amtseinführung Trumps, der bereits vor einer Woche mit kritischen Voten zu den Medikamentenpreisen die Pharma-Aktien unter Druck gesetzt habe. Zudem plage die Anleger vor dem Zahlenausweis von nächster Woche die Sorge vor einem durchwachsenen Jahresergebnis. Auch Roche (+0,2%) und Nestlé (-0,1%) bewegen sich am Freitag kaum vom Fleck.

Swisscom (-1,2% auf 441,30 CHF) geraten zunehmend unter Druck. JPMorgan hat im Rahmen einer Branchenstudie das Kursziel um 30 CHF auf 420 CHF (Rating unverändert 'Underweight') gesenkt. Mit Blick auf den Schweizer Telekommarkt kommt der Analyst zum Schluss, dass die zunehmende Konkurrenz, regulatorische Bestimmungen und Technologiezyklen zu einem stetigen Abbau des Werts der Swisscom-Aktie geführt haben. Zulegen können im breiten Markt dagegen Sunrise (+1,1%), die von JPMorgan mit 'Overweight' ins Anlageuniversum aufgenommen wurden.

LafargeHolcim (unv.) haben die anfänglichen Kurseinbussen abgebaut. Die 'Sell'-Empfehlung von Bryan Garnier hatte zunächst belastet. Über den reinen Zementherstellern hätten sich Wolken gebildet und betreffend Energiepreisumfeld werde das laufende Jahr nicht so einfach wie das vergangene, lautet die Begründung für die Abstufung.

Im breiten Markt hat der Urner Mischkonzern Dätwyler (Aktie: -1,8%) die Umsatzzahlen für das vergangenen Jahr vorgelegt und damit die Vorgaben der Analysten und die eigene Guidance verfehlt. Der Westschweizer Finanzbroker CFT hat für 2016 zudem einen leichten Umsatzrückgang gemeldet, der Kurs steigt aber um 1,2%. Die Aktien von Arbonia (-2,8%) büssen am Tag nach Umsatzzahlen weiter an Boden ein. Kepler Cheuvreux hat das Rating auf 'Hold' von 'Buy' zurückgenommen.

(AWP)