«Anleger wird nicht angemessen entschädigt»

Anleger müssen weiterhin mit tiefen Renditen für ihre Anleihen-Investments rechnen, sagt AXA-IM-Anlagechef Christopher Iggo im cash-Interview. Zudem äussert er sich kritisch über Frankreich.
17.01.2014 00:01
Von Frédéric Papp
Christopher Iggo von AXA IM im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Anleihen-Anleger erhalten für ihr geliehenes Kapital immer weniger Zins. So lohnt sich der Kauf von Staatsanleihen sicherer Staaten wie Deutschland oder der Schweiz schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Sie dienen primär als Absicherung gegen wirtschaftliche Verwerfungen.

Auch Staatspapiere von Krisen-Staaten wie zum Beispiel Spanien zahlen für eine Laufzeit von 5 Jahren gerade mal magere 0,5 Prozent mehr als deutsche Bundesanleihen mit derselben Laufzeit. Und selbst europäische Hochzinsanleihen werfen im Schnitt bloss 4,5 Prozent ab.

Schwierige Zeiten für Bond-Markt 

Bei solch tiefen Werten werden "Anleger für ihre Risiken nicht mehr angemessen entschädigt", sagt Christopher Iggo, Anlagechef Fixed Income bei AXA Investment, im Gespräch mit cash. Zwar habe sich die finanzielle Situation in den Euro-Krisenländern verbessert, aber die Abwärtsrisiken bestünden immer noch, so der Anlagechef. Auch die Wachstumsaussichten für die Eurozone liessen noch zu wünschen übrig.

Nicht zuletzt deswegen tendiert AXA IM dazu, im AXA WF Global Strategic Bond Fonds die Position an defensiven Werten wie Staatsanleihen zu stärken. Derzeit beträgt der defensive Anteil im 222 Milliarden Dollar schweren Fonds 20 Prozent.

Bereits Anfang 2013 verengten sich die Renditedifferenzen zwischen Wertpapieren unterschiedlicher Kreditqualität – im Fachjargon Credit Spreads genannt. Und Iggo glaubt, dass auch in den kommenden Monaten dieser Trend anhalten werde. "Der Bond-Markt steht vor schwierigen Zeiten", so Iggo, der seit 2005 als Anlagechef fungiert. 

Frankreich steckt fest

Kein gutes Haar lässt Iggo an Frankreich, der zweitgrössten Volkswirtschaft der Eurozone. Während die Regierungen von Staaten wie Spanien, Portugal, Italien oder selbst Griechenland Reformen aufgegleist haben, die ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken, tritt Frankreich weiter an Ort. "Die haben nichts getan", so Iggos Verdikt.

"Ich wäre nicht überrascht, wenn Frankreichs Bonität erneut gesenkt wird", so Iggo weiter. Wegen ausbleibender Wirtschaftsreformen wurde la Grande Nation letzten November um eine Stufe von AA+ auf AA zurückgestuft. Dabei bräuchte Frankreich dringend eine Arbeits- und Rentenreform. Ein Blick auf die jüngsten Arbeitslosenzahlen zeigt den Ernst der Lage schonungslos auf. Ende November waren rund 3,3 Millionen Franzosen ohne Arbeit. Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von fast 11 Prozent.

Immerhin: Frankreichs Präsident François Hollande hat kürzlich einen "Pakt der Verantwortung" lanciert. Geplant sind Unternehmen bis 2017 mit 30 Milliarden Euro zu entlasten, die öffentlichen Ausgaben sollen zurückgefahren werden. Der Pakt muss allerdings noch den Weg durchs Parlament schaffen.

 

Im Video-Interview sagt Christopher Iggo, welche Anleihenklassen noch attraktive Renditen abwerfen. Dabei nennt er auch exotische Plätze.