Anleihenflaute setzt der Credit Suisse zu

Das Festhalten am riskanten Investmentbanking zahlt sich für Credit Suisse nicht aus. Ein schwächelndes Geschäft mit Anleihen und Aktien sorgte im ersten Quartal für einen Einbruch des Gewinns um ein Drittel.
16.04.2014 16:04
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz in Zürich.
Bild: cash

Auch der Zustrom reicher Privatkunden, die immer häufiger ihr Geld bei Credit Suisse anlegen, konnte das Blatt nicht wenden. Analysten raten daher Konzernchef Brady Dougan, wie der Lokalrivale UBS das Kapitalmarktgeschäft zurückzufahren und dafür stärker auf die Vermögensverwaltung zu setzen.

Auch zahlreichen US-Banken hatte die Flaute im Anleihen-Geschäft die Bilanz verhagelt. Dougan lässt sich dagegen von seiner eingeschlagenen Strategie nicht abbringen. "Wir befinden uns auf Kurs, die langfristigen Ziele zu erreichen", erklärte der gelernte Investmentbanker am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalsbilanz.

Im ersten Quartal sackte der Konzerngewinn der zweitgrößten Schweizer Bank um 34 Prozent auf 859 Millionen Franken ab und verfehlte die Analystenprognosen. Insbesondere im Anleihen-Geschäft und im Geschäft in gewissen Schwellenmärkten musste Credit Suisse Ertragseinbußen verdauen. Im Investmentbanking schrumpfte der Quartalsgewinn um 36 Prozent auf 827 Millionen Franken.

Normalerweise ist das erste Quartal für Investmentbanken im Jahresverlauf das stärkste, weil besonders viele Anleihen ausgegeben werden und Fonds viel Geld ihrer Kunden in Aktien stecken. Doch dieses Jahr hielten sich viele Bond-Investoren zurück, weil sie unsicher sind, wann sich die US-Notenbank Fed von den rekordtiefen Zinsen verabschiedet. Das hinterließ bereits in den Bilanzen der US-Konkurrenten JP Morgan und Citigroup tiefe Spuren.

Aktie sinkt

Credit Suisse verdiente im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren ein Viertel weniger als vor Jahresfrist. Auch die Deutsche Bank dürfte sich diesem Trend nicht entziehen können, wenn sie Ende April ihre Zwischenbilanz vorlegt. Der deutsche Branchenprimus ist eine große Nummer im Anleihen-Geschäft, das lange boomte und Einbußen in anderen Teilen des Investmentbankings ausglich.

Anleger reagierten verschnupft auf den ersten Zwischenbericht einer großen europäischen Bank in diesem Jahr. Die Credit-Suisse-Aktie büßte 2,3 Prozent auf 27,19 Franken ein. Der europäische Bankenindex legte dagegen ein Prozent zu.

Seit knapp einem Jahr schwächeln in der Branche die Erträge mit festverzinslichen Wertpapieren. Während dies einige Banker als vorübergehende Delle einstufen, gehen andere davon aus, dass die goldenen Zeiten angesichts verschärfter Kapitalanforderungen der Regulatoren der Vergangenheit angehören. Im vergangenen Herbst reagierte Dougan und kündigte an, das Geschäft mit Zinsprodukten sowie anderen defizitären Teilbereichen des Kapitalmarktgeschäfts zurückzufahren.

Doch nach dem enttäuschenden Quartalsbericht könnte das nicht reichen. Der Druck, die Investmentbank stärker umzubauen, dürfte zunehmen, erklärte Safra Sarasin-Analyst Rainer Skierka. Mirabaud-Analyst Alex Potter erwartet, dass das Credit-Suisse-Management längerfristig stärker in Richtung der UBS-Strategie gehen dürfte.

Dougan hält Kurskorrektur nicht für notwendig

Bank-Chef Dougan hält dagegen eine Kurskorrektur nicht für notwendig. Er rechnet vor, dass der Gewinn deutlich steigen dürfte, wenn die Verlustbringer weg sind und die damit zusammenhängenden hohen Kosten der Vergangenheit angehören. "Wachstum wird zusammen mit der Abwicklung unserer nicht-stragischen Einheiten und einer gesteigerten Effizienz die Eigenkapitalrendite auf über 15 Prozent treiben und uns erlauben, unseren Aktionären Bargeld zurückzuzahlen", erklärte der Banker. Im ersten Quartal schaffte Credit Suisse eine Rendite von acht Prozent.

Rund lief es für das Geldhaus im Geschäft mit reichen Privatkunden. Das Kostensenkungsprogramm begann zu greifen, so dass der Vorsteuergewinn in der Division um 15 Prozent auf 1,01 Milliarden Franken anzog. Gleichzeitig sammelte das Institut insgesamt 13,7 Milliarden Franken an neuen Geldern ein, der höchste Wert seit drei Jahren. Starke Zuflüsse verbuchte die Bank insbesondere von Superreichen aus Asien, während der Druck auf das Bankgeheimnis in Europa zu weiteren Abflüssen führte.

Noch schwebt aber ein Damokles-Schwert über dem Private Banking: Der Steuerstreit mit den USA ist noch nicht ausgestanden. "Wir arbeiten hart daran, das abzuschließen, aber der Zeitraum und der Ausgang bleiben unsicher", erklärte Dougan. Credit Suisse hatte kürzlich den Betrag, den sie für eine Geldstrafe bereithält, auf 895 Millionen Franken verdoppelt.

Noch stärker ins Gewicht fallen die Altlasten bei der Bank of America. Die Amerikaner verbuchten am Mittwoch sechs Milliarden Dollar für Vergleiche und Strafen in Zusammenhang mit umstrittene Hypotheken-Geschäfte und rutschen damit in die roten Zahlen.

(Reuters)