Anschlag auf Dortmund-FussballerBVB-Attentäter wettete offenbar auf fallenden Aktienkurs

Eineinhalb Wochen nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund (BVB) wurde ein Tatverdächtiger festgenommen. Der Mann wollte offenbar den Kurs der BVB-Aktie zu seinen Gunsten beeinflussen.
21.04.2017 12:10
Nach der Festnahme des mutmasslichen Attentäters auf die Fussballmannschaft von Borussia Dortmund sind die Aktien wieder deutlich gefragt.
Nach der Festnahme des mutmasslichen Attentäters auf die Fussballmannschaft von Borussia Dortmund sind die Aktien wieder deutlich gefragt.
Bild: Bloomberg

Beim Festgenommen handle sich um den 28-Jährigen, der die deutsche und die russische Staatsangehörigkeit habe, teilte die Bundesanwaltschaft am Freitag mit. Er sei durch Spezialkräfte des GSG 9 im Raum Tübingen festgenommen worden. Der Mann handelte offenbar aus Habgier. Er habe mit dem Anschlag den Kurs der BVB-Aktien beeinflussen und von einem Kurssturz profitieren wollen. Am Dienstag vergangener Woche waren neben dem Bus der Fussballer drei mit Metallstiften bestückte Sprengsätze explodiert. Der Spieler Marc Bartra und ein Polizist wurden verletzt.

Der Verein und die deutsche Regierung reagierten auf die Festnahme erleichtert. "Die Ermittlungen der Bundesanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und der nordrhein-westfälischen Polizei wurden sehr intensiv und mit Hochdruck geführt. Dafür bedanken wir uns in aller Form und hoffen, dass in dem Tatverdächtigen nun der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag auf unsere Spieler und Staff-Mitglieder gefasst werden konnte", sagten BVB-Präsident Reinhard Rauball und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Der Fall zeige, dass die Anstrengungen im Kampf gegen jede Form von Kriminalität mit vollem Einsatz fortgesetzt werden müssten, erklärte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, wäre das ein besonders widerwärtiges Tatmotiv."

Mutmasslicher Täter setzte auf Kursverfall der Aktie

Dem Mann werde versuchter Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung zur Last gelegt, teilte die Bundesanwaltschaft weiter mit. Der Festgenommene habe Put-Optionen in Bezug auf die BVB-Aktie - insgesamt 15'000 Stück - erworben. Der Kauf sei über die Internetadresse des Mannschaftshotels von Borussia Dortmund erfolgt - dort hatte sich der Verdächtige einquartiert. Bei einem massiven Verfall der Aktie hätte der Gewinn ein Vielfaches des Einsatzes betragen. Mit einem erheblichen Kursverfall wäre zu rechnen gewesen, wenn in Folge des Anschlags Spieler schwer verletzt oder gar getötet worden wären, hiess es weiter. Darauf habe der Verdächtige offenbar gesetzt. Finanziert habe der Verdächtige die Optionsscheine über einen Kredit.

Nach dem Bericht über die Festnahme legte die BVB-Aktie kräftig zu. Der Kurs stieg am Freitag zeitweise um 4,6 Prozent auf 5,61 Euro.

Zimmer mit Blick auf den Anschlagsort

Der mutmassliche Täter habe im Mannschaftshotel des BVB in Dortmund ein Zimmer mit Blick auf den späteren Anschlagsort bezogen. In Nähe des Hotels waren die Sprengsätze bei der Abfahrt des Busses zum Spiel der Borussen gegen den AS Monaco detoniert. Sie waren in einer Hecke an einer Strasse nahe des Hotels angebracht, die der Mannschaftsbus auf der Fahrt Richtung Stadion nahm. Zwei der Sprengsätze befanden sich der Mitteilung zufolge in Bodennähe, ein Dritter war in einer Höhe von etwa einem Meter platziert - zum Glück für die Mannschaft des BVB. "Damit war er zu hoch angebracht, um seine Wirkung voll entfalten zu können", teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit. Die Sprengsätze waren mit Metallstiften bestückt, sie wurden über Funk gezündet. Durch die Wucht der Detonationen bohrte sich einer der Stifte in eine Kopfstütze des Mannschaftsbusses. "Wir können von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist", hatte eine Sprecherin der Anklagebehörde gesagt.

Bislang war unklar, welches Motiv hinter der Tat steckt. Die Behörden hatten erklärt, sie ermittelten in alle Richtungen und schlossen auch einen islamistischen oder rechtsextremen Hintergrund nicht aus. Am Tatort waren drei Bekennerschreiben gefunden worden, die auf radikalislamische Motive verwiesen. "Die Bekennung wurde islamwissenschaftlich geprüft", hiess es in der Mitteilung der Bundesanwaltschaft weiter. "Danach bestehen an einem radikal-islamistischen Ursprung erhebliche Zweifel." Auch Bekennerschreiben, die am 13. April beim "Tagesspiegel" und bei "Welt"/N24 eingegangen waren und auf einen rechtsextremen Hintergrund verwiesen, stammten wohl nicht vom mutmasslichen Täter, hiess es weiter.

Kurz nach der Tat war ein 26-jähriger Iraker festgenommen worden, gegen ihn erging Haftbefehl. Dem Iraker wirft der Generalbundesanwalt die Mitgliedschaft in der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) vor. Mit dem Anschlag habe er aber nichts zu tun, hatte die Behörde zudem mitgeteilt.

(Reuters)