Apple, Intel und Co. - Diese US-Tech-Aktien leiden derzeit besonders stark

Der Ton im Handelsstreit ist wieder rauer geworden. Die Unsicherheit macht sich besonders bei US-Tech-Aktien bemerkbar. cash nimmt vier Titel unter die Lupe, die derzeit besonders unter Verkaufsdruck stehen.
14.05.2019 14:40
Von Pascal Züger
Das Apple-Logo an einem Store in New York.
Das Apple-Logo an einem Store in New York.
Bild: Bloomberg

Donald Trump hat gegenüber China wieder einen schärferen Ton eingeschlagen. Am Freitag hatte der US-Präsident neue Zölle auf chinesische Importe im Wert von 200 Milliarden Dollar angeordnet. Die Reaktion kam prompt: Die chinesische Regierung zog am Montag mit Strafzöllen auf US-Waren im Wert von 60 Milliarden Dollar nach.

Die Aktienmärkte - allen voran in den USA - reagierten darauf mit Abschlägen. Am deutlichsten kamen die Technologiewerte unter die Räder: Der Nasdaq Composite fiel am Montag um 3,4 Prozent in die Tiefe - der grösste Tagesverlust im laufenden Jahr. Gewisse Einzeltitel erwischte es noch um einiges deutlicher. Hier die Flop 10 der letzten fünf Handelstage an der US-Technologiebörse Nasdaq 100:

Grösste Wochenverlierer am Nasdaq Composite 100 

Aktie Kursentwicklung, 1 Woche Kursentwicklung, 52 Wochen
Symantec -14,4% -14,3%
Intel -11,3% -17,0%
Microchip -11,2% -10,4%
Wynn Resorts -10,2% -36,2%
NXP Semiconductors -9,1% -15,4%
Incyte -9,0% +12,7%
Western Digital -8,9% -48,2%
Nvidia -8,5% -35,5%
Apple -8,5% -0,4%
Maxim Integrated -8,3% -7,5%

Quelle: cash.ch, Stand 14. Mai 2019

Technologieaktien leiden unter dem Handelsstreit besonders, da sie einerseits sehr zyklische Werte sind und daher bei negativen News generell stärker nach unten ausschlagen als der Durchschnitt. Andererseits sind viele Techs auch direkt von China abhängig. Sei es, weil sie mit dortigen Firmen zusammenarbeiten, selbst dort Produktionsstätten besitzen oder den Markt beliefern.

Für Anleger, die an keine weitere Eskalation im Zollstreit glauben, ergeben sich durch diese Korrektur Einstiegsmöglichkeiten. cash hat vier der zehn grössten Verliereraktien aus dem Nasdaq herausgepickt, die dieser Tage - verstärkt auch durch hausgemachte Probleme - auffällig stark abgestraft wurden:

Apple

Dem sonst so erfolgsverwöhnten Smartphone-Hersteller bläst der Wind entgegen. Die iPhone-Verkäufe stocken, unter anderem auch wegen des Handelsstreits, zudem hat Apple am Montag vor dem Obersten US-Gerichtshof eine Niederlage erlitten: Eine Sammelklage wurde zugelassen, demnach sollen Apps für iPhone und iPad am Konzern vorbei direkt für Kunden angeboten werden können.

Dem nicht genug, äusserte sich am Montag ein Analyst von Bernstein Research sehr skeptisch zu Apple: Die Bewertung sei "aufgeblasen". Apple sei eine zyklische Aktie und mehr als die Hälfte der Einnahmen stamme aus einem einzigen Produkt, dem iPhone. Alleine am Montag fiel die Apple-Aktie um fast sechs Prozent. Apple braucht für einen Kursanstieg wieder ein gut laufendes iPhone-Modell - oder grosse Erfolge in anderen Bereichen, etwa beim neu gestarteten Videostreaming-Dienst.

Intel

Der US-Halbleiterhersteller Intel ist führend im Bereich der Mikroprozessoren für Computer. Dieser Bereich läuft - trotz eines schrumpfenden Gesamtmarktes - eingermassen solide. Doch der Gewinn war jüngst rückläufig. Zudem wird nun der Ausflug in das Geschäft der Smartphone-Modems wieder abgebrochen. Der wichtigste Kunde war Apple, der jedoch seinen Patent-Streit mit dem Intel-Konkurrenten Qualcomm beilegen konnte. Dadurch wird Apple bei künftigen 5G-Chips wieder Qualcomm bevorzugen - Intel hinkt bei dieser Technologie sowieso noch hinterher.

Die Umsatzprognose für die nächsten drei Jahre enttäuscht die Anleger. Als Resultat fällt die Aktie allein in den letzten fünf Handelstagen um 11 Prozent, seit der Zahlenpräsentation Ende April sind es sogar minus 22 Prozent. Die Hoffnung liegt künftig auf dem Bereich Datenzentren und dem Cloud-Geschäft. Derzeit deutet jedoch noch wenig darauf hin, dass die Neuausrichtung erfolgreich sein wird.

Symantec

Mit minus 14,4 Prozent ist der kalifornische Sicherheitssoftwarespezialist Symantec - bekannt vor allem durch die Software "Norton Antivirus" - der grösste Verlierer unter den Tech-Titeln in den letzten fünf Handelstagen. Ziemlich genau gleich ist auch die Performance aus 52-Wochen-Sicht. Die Aktie ist volatil, wie die Kursentwicklung seit Mai 2018 aufzeigt:

Kursentwicklung Symantec-Aktie in den letzten 12 Monaten, Quelle: cash.ch

Noch vor einem Monat lief die Aktie gut. Goldman-Sachs gab eine Kaufempfehlung heraus. Für das Geschäftsjahr 2019/20 erwartete die Analystin Gabriela Borges in nahezu allen wichtigen Aspekten Verbesserungen, zudem sei die Bewertung der Papiere eher tief.

Doch jüngst überschlugen sich die Ereignisse: CEO Greg Clark warf vergangene Woche den Bettel hin, es war bereits der fünfte Topmanager, der innerhalb von nur einem halben Jahr die Firma verliess. Gleichzeitig wurden auch sehr schwache Quartalszahlen präsentiert, Gewinnwarnung inklusive. Dabei hofften Investoren auf eine Stabilisierung des Resultats.

Wie die Newsseite "Marketwatch" schreibt, empfehlen inzwischen von 29 abdeckenden Analysten gerade mal noch zwei zum Kauf der Aktie. Symantec ist höchstens für Wagemutige interessant.

NXP Semiconductors

Der Halbleiterhersteller aus den Niederlanden ist mit einer Marktkapitalisierung von 32 Milliarden Franken fast zehnmal grösser ist als der in der Schweiz kotierte Konkurrent AMS. An der Börse rasselte der NXP-Kurs 9 Prozent talwärts in nur einer Woche. 

Eigentlich wollte der US-Mitbewerber Qualcomm die Firma für 44 Milliarden Dollar kaufen, doch der Deal scheiterte vergangenen Sommer, auch weil China keine Zustimmung erteilte. 21 Monate dauerte insgesamt der Übernahmekampf. Für NXP mit schlimmen Folgen: In dieser Zeit der Ungewissheit verlor man Kunden, da verschiedene Ausgaben für Marketing, Personal sowie Forschung und Entwicklung heruntergeschraubt wurden.

Immerhin fielen die Ende April präsentierten Quartalszahlen wieder solide aus, auch der Ausblick war positiver als erwartet. Doch die starke China-Abhängigkeit belastet nun den Kurs erneut. Wäre umgekehrt plötzlich eine Lösung des Handelsstreit absehbar, dann dürfte NXP zu den deutlichsten Gewinnern gehören.