Apple-Zahlen: Nicht so schlimm, wie es scheint

Apple hat im letzten Quartal erneut weniger iPhones verkauft und insgesamt weniger Umsatz erzielt. Im nachbörslichen US-Handel gibt die Aktie um 2,6 Prozent nach. Trotzdem gibt es Lichtblicke.
26.10.2016 12:01
Von Pascal Züger
Wird Apple-Chef Tim Cook die Anleger im nächsten Quartal wieder mehr überzeugen können?
Wird Apple-Chef Tim Cook die Anleger im nächsten Quartal wieder mehr überzeugen können?
Bild: Bloomberg

Bereits das dritte Quartal in Folge musste Apple einen Umsatzschwund hinnehmen: Im Schlussquartal - Apple schloss das Jahr per Ende September ab - gingen die Erlöse um neun Prozent auf 46,85 Milliarden Dollar zurück, wie der US-Technologiekonzern am Dienstagabend mitteilte. In China - einst Apples grosser Hoffnungsmarkt - fielen die Umsätze um beinahe 30 Prozent. Apple verzeichnet erstmals seit 2001 einen rückläufigen Gesamtjahresumsatz.

Auch der Nettogewinn stürzte im vierten Geschäftsquartal um rund 19 Prozent auf 9,01 Milliarden Dollar von 11,12 Milliarden Dollar im Vorjahr ab. Ein wichtiger Grund für die ernüchternden Zahlen: Apple verkaufte weniger iPhones - welche als Vorzeigepferd schlechthin gelten im Hause Apple und für rund zwei Drittel der Gesamterlöse verantwortlich sind. 45,51 Millionen Smartphones gingen im vierten Quartal über den Ladentisch, im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch 48,05 Millionen.

Nachbörslich reagiert die Aktie auf die Zahlen im US-Handel mit einem Minus von 2,6 Prozent. Dabei kommen diese Zahlen für Apple-Beobachter alles andere als überraschend: Analysten gingen im Vorfeld sogar von noch weniger iPhone-Verkäufen aus, die restlichen Kennzahlen erfüllten in etwa die Erwartungen.

Aktie mit Kursrallye im Vorfeld

Weshalb aber reagierten die Anleger trotzdem so enttäuscht? "Der Fall der Aktie im Anschluss an das Ergebnis ist womöglich mehr eine Reaktion auf den Kursanstieg zuvor, als ein Ausdruck von Sorgen", schreibt ein UBS-Analyst in einer Studie. In der Tat ging es mit der Apple-Aktie in den letzten Monaten munter aufwärts, wie folgende Grafik zeigt:

Performance der Apple-Aktie in den letzten sechs Monaten (in Dollar), Quelle: cash.ch.

Seit dem tiefsten Stand im Mai 2016 bis heute ging die Apple-Aktie um fast 30 Prozent bergwärts. Im Mai 2016 gesellte sich auch der sonst gegenüber Technologie-Titeln eher skeptische Warren Buffett über seine Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway zu den Aktionären von Apple.

Der nachbörsliche Kursfall hat aber wohl einen weiteren Grund: Die eher bescheidene Guidance von Apple. Zwar geht Apple für das nächste Quartal, das das wichtige Weihnachtsgeschäft umfasst, von Erlösen von 76 bis 78 Milliarden Dollar aus, was sogar über den von Experten erwarteten 75,08 Milliarden Dollar liegt. Doch haben sich die erfolgsverwöhnten Apple-Anleger insgeheim noch mehr erhofft: Da der schärfste Konkurrent Samsung massive Probleme bekundet und nach Bränden beim Galaxy Note 7 das Gerät ganz aus dem Verkehr gezogen hat, wäre für Apple eigentlich die Bahn frei für noch mehr Marktanteile.

Bewusst zeigte sich Apple hier aber vorsichtig. Apple-Finanzchef Luca Maestri sagte, es sei "unmöglich zu wissen", ob der Konzern vom Desaster des Konkurrenten Samsung profitieren werde. Daher entschied man sich für einen bescheidenen Ausblick - was natürlich auch Raum für positive Überraschungen offen lässt.

iPhone 7 soll Geld in die Apple-Kassen spülen

Apples wichtigstes Produkt, das iPhone 7, kam erst zwei Wochen vor Ende des Quartals auf den Markt. Beim neuen iPhone 7 übertreffe die Nachfrage immer noch das verfügbare Angebot, vor allem beim grösseren Plus-Modell, sagte Konzernchef Tim Cook in der Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen. Das könne auch zum Ende des Weihnachtsgeschäfts noch so bleiben, erklärte er.

Der UBS-Analyst rechnet damit, dass ab November das iPhone-7-Angebot die hohe Nachfrage endlich wird decken könne, beim Plus-Modell könne es bis Januar 2017 dauern. Gleichzeitig geht er von einer 60-Prozent-Marge bei den Dienstleistungen aus, die Apple Rückenwind geben und auch Enttäuschungen bei iPad- und Mac-Verkäufen kompensieren könne.

Die UBS empfiehlt weiterhin zum Kauf der Apple-Aktie mit einem Kursziel von 127 Dollar (aktuell: 118 Dollar). Viele andere Analysten geben dieselbe Empfehlung ab. Die Aktie ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis 2016 von knapp 13 eher günstig bewertet.

(Mit Material von AWP und SDA)