Apple-Zulieferer - AMS-Aktie kostet erstmals mehr als 80 Franken

Die Drittquartalszahlen des Sensorenherstellers AMS überzeugen nicht. Die überraschend starken Zielvorgaben für das Schlussquartal lassen die Aktie jedoch stark ansteigen.
24.10.2017 15:22
Von Lorenz Burkhalter
AMS-Logo auf dem Firmensitz.
AMS-Logo auf dem Firmensitz.
Bild: ZVG

Seit Wochen wird über Produktionsprobleme beim Jubiläumsmodell iPhone X von Apple spekuliert. Das drückte zuletzt auf die Aktien von Apple-Zulieferern, wie dies auch der Sensorenhersteller AMS ist.

Doch die AMS-Aktionäre dürfen zumindest fürs erste aufatmen. Während der Zahlenkranz für das zurückliegende dritte Quartal hinter den Analystenerwartungen zurückbleibt, wartet AMS mit überraschend starken Zielvorgaben für das Schlussquartal dieses Jahres auf. Das gilt sowohl für den Umsatz (440 bis 480 Millionen Euro, erwartet wurden 395 Millionen Euro) als auch für die bereinigte operative Marge (26 bis 29 Prozent, erwartet wurden 22 Prozent).

Es ist dieser optimistische Ausblick, welcher der zuletzt schwachen AMS-Aktie den Tag rettet und sie an der Schweizer Börse SIX in der Spitze auf 80,90 Franken klettern lässt. Damit ist das bisherige Rekordhoch von Mitte September bei 79,70 Franken bereits wieder Makulatur. Zur Stunde gewinnt die Aktie noch 20,7 Prozent auf 79,10 Franken. Beobachter berichten von aggressiven Deckungskäufen seitens ausländischer Leerverkäufer.

Erleichtert zeigt sich der Analyst von der Credit Suisse. Seines Erachtens fällt das zurückliegende dritte Quartal insgesamt etwas schwächer aus als erwartet. Das gilt insbesondere für den um einmalige Belastungen bereinigten Bruttogewinn.

AMS-Sensoren für 4 bis 5 Dollar im neuen iPhone X?

Auf das Gesamtjahr betrachtet, rechnet er nach den neunen AMS-Vorgaben beim Umsatz mit Schätzungserhöhungen von 5 Prozent. Beim operativen Gewinn (EBIT) könnten die Schätzungen gar um bis zu 35 Prozent angehoben werden. Sultania empfiehlt die AMS-Aktie weiterhin mit "Outperform" und einem Kursziel von 82 Franken zum Kauf.

Auch sein für die britische Barclays tätiger Berufskollege findet lobende Worte. Rückblickend seien die jüngsten Ängste rund um Produktionsverzögerungen wohl übertrieben gewesen, so schreibt er in einem Kommentar. Von den Zielvorgaben leitet der Barclays-Analyst ab, dass im neuen iPhone X Sensoren von AMS im Wert von 4 bis 5 Dollar je Gerät eingebaut sein könnten.

Das ist mehr, als in Expertenkreisen bisweilen erwartet worden ist. Dennoch hält er sowohl am "Equal weight" lautenden Anlageurteil als auch am Kursziel von 70 Franken für die Aktie fest.

Insgesamt scheine der Produktionsanlauf für optische Lösungen zwar verzögert, so ist einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank zu entnehmen. Sonst scheint er dem Autor zufolge aber gut angelaufen zu sein. Der Analyst sieht den Reingewinn von einem unerwartet positiven Finanzergebnis und Steuergutschriften profitieren. Aufgrund ihrer anspruchsvollen Bewertung stuft er die Aktie wie bis anhin nur mit "Marktgewichten" ein.

Machen die ehemaligen Heptagon-Grossaktionäre Kasse?

Der Vontobel-Experte nimmt den vorliegenden Zahlenkranz und den Ausblick zum Anlass, um seine Gewinnschätzungen um bis zu 12 Prozent zu erhöhen. Er bekräftigt sowohl die Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 94 Franken für die AMS-Aktie.

Ein Unsicherheitsfaktor bleibt der Ablauf der Sperrfrist auf einem Teil des von ehemaligen Heptagon-Aktionären gehaltenen Aktien. Ab dem 31. Oktober können diese Anteilseigner über einen Drittel des 19,7-Prozent-Pakets frei verfügen. Da es sich bei den ehemaligen Heptagon-Aktionären vorwiegend um Finanzinvestoren handelt, gilt eine Beteiligungsplatzierung als sehr wahrscheinlich. Das wiederum könnte kurzfristig auf die Kursentwicklung drücken.