Apples Problem in China

In China hat der Apple-Konzern zusehends Probleme. Denn lokale Rivalen produzieren Handys, die sehr gut und erst noch billig sind.
31.07.2016 06:25
Chinesen setzen auf lokale Geräte: Tourist macht ein Selfie an der Grossen Mauer.
Chinesen setzen auf lokale Geräte: Tourist macht ein Selfie an der Grossen Mauer.
Bild: cash

Für Nie Miao aus Peking sind 5000 Yuan (680 Euro) für ein neues iPhone 6S von Apple "einfach keine Option". Er nutzt das Geld lieber, um seine Eigentumswohnung abzubezahlen. Darüber hinaus ist er sehr zufrieden mit seinem 2000-Yuan-Gerät von Huawei Technologies.

Der 29-Jährige ist ein gutes Beispiel für die Herausforderungen von Apple in China. In dem Land hatte der US-Technologieriese zuletzt Boden an lokale Hersteller verloren. Rivalen wie Huawei und Xiaomi entwickeln billigere Smartphones, die eine ähnliche Ausstattung wie das iPhone bieten.

Dabei steht China hinter rund einem Viertel der Umsätze von Apple. Die langsameren Geschäfte dort dürften ihre Spuren in der Bilanz des Unternehmens hinterlassen.

Kaum Wachstum am oberen Ende des Marktes

Huawei hatte in den drei Monaten bis Mai jedes vierte neue Handy in China verkauft. Das Unternehmen ist nun der grösste Hersteller nach Marktanteil in städtischen Gebieten, wie aus einer in diesem Monat veröffentlichten Studie von Kantar Group hervorgeht. Der Marktanteil von Guangdong Oppo Electronics vervierfachte sich den Daten zufolge auf acht Prozent.

"Das alles ist eine Funktion von billigeren Handys, die jetzt gut genug werden", sagt Abhey Lamba von Mizuho Securities in San Francisco. "Apple hat sich gut am oberen Ende geschlagen. Doch es gibt nicht viel mehr Wachstum am oberen Ende des Marktes."

Das billigere iPhone SE, das Apple seit März verkauft, war teils darauf gerichtet, neue Kunden in Schwellenländern wie China anzulocken. Bislang konnte das Gerät diese Erwartungen nicht erfüllen, berichtet Lamba.

Apple wird es möglicherweise gelingen, die Verkäufe in China anzutreiben, wenn es das neueste iPhone später in diesem Jahr vorstellt - nicht zuletzt dank der Popularität des App Stores und der Tendenz von Kunden, sich alle zwei Jahre ein aktuelles Gerät zuzulegen. Das ist einer der Gründe, warum die heimischen Konkurrenten Huawei and Oppo ihre Flaggschiff-Geräte schon früher in diesem Jahr in die Läden gebracht haben - um Apple gegenüber einen Vorsprung zu haben.

Smartphones sind überall

Der Smartphone-Markt hat sich fundamental geändert, seitdem das iPhone 2007 erstmals vorgestellt wurde. Damals vermarktete Apple das Gerät als ein Lifestyle-Accessoire. Doch inzwischen sind Smartphones allgegenwärtig.

"Wenn man sich die Huawei-Telefone, oder die Xiaomi-Telefone ansieht, sagt man sich ’Wow, die sind wirklich gut’", erklärt John Butler, Analyst bei Bloomberg Intelligence. "Sie haben grossartige Akkus, die Displays sind wirklich scharf, und die Features sind grossartig."

Apple hatte die Umsätze in China zwischen 2013 und 2015 mehr als verdoppelt auf 59 Mrd. Dollar. Ende März betrieb das Unternehmen in der Region insgesamt 35 Läden - ein Jahr zuvor waren es erst 21 Shops gewesen.

"Apple erwartet, dass das Wachstum aus der Ausdehnung der Mittelschicht heraus erfolgt. Doch diese Leute wählen jetzt die heimischen Marken", sagt Nicole Peng, Analystin bei Canalys in Shanghai. "Die lokalen Unternehmen holen sich eine Menge Marktanteile im Mittel-Segment. Auch wenn sie bisher noch keine direkten Wettbewerber sind, haben sie Apple doch mit Sicherheit eine Menge potenzieller Kunden abgenommen."

Apple hat auch juristische Probleme

Apple hat darüber hinaus mit zunehmendem aufsichtsrechtlichen Druck zu kämpfen. Im April musste der US-Konzern seinen iTunes-Dienst für Filme und seinen iBooks-Laden wieder vom Netz nehmen. Zuletzt verlor es auch einen Patent-Streitfall gegenüber einem kaum bekannten chinesischen Wettbewerber im Zusammenhang mit dem iPhone 6 und dem 6 Plus. Dasselbe galt für einen Marken-Streit zur Benutzung des Wortes "IPHONE" auf Lederwaren.

"Es ist schwer für ein amerikanisches Unternehmen, Geschäfte in China zu machen", sagt Julie Ask, Analystin bei Forrester Research. "Es scheint so, als gebe es einen endlosen Strom an Mitteln und Wegen, um ihren eigenen Firmen einen Vorteil zu verschaffen."

(Bloomberg)