Aryzta-Aktie zieht nach frühen Verlusten an

Der Umsatz beim Backwarenhersteller Aryzta fällt stärker als von Analysten erwartet. Dennoch äussern sich diese besonnen. Die Aktie kann anfängliche Kursverluste abschütteln.
28.11.2016 14:16
Von Lorenz Burkhalter
Ein Bäcker von macht für Aryzta Brote.
Ein Bäcker von macht für Aryzta Brote.
Bild: ZVG

Gerade die UBS Investmentbank schlug bei Aryzta im Ausblick auf die Quartalsergebnispräsentation von heute Montag überraschend leise Töne an. Das organische Umsatzwachstum könnte im ersten Quartal des Fiskaljahres 2016/17 tiefer als erwartet ausgefallen sein, so liess der Autor durchblicken.

Seit wenigen Stunden steht fest, dass der Backwarenhersteller aus Zürich die diesbezüglichen Markterwartungen tatsächlich einmal mehr verfehlt hat. Gerade in Nordamerika erwiesen sich selbst die pessimistischsten Prognosen noch als zu ambitiös.

An der Schweizer Börse SIX gewinnt die Aryzta-Aktie zur Stunde 1,8 Prozent auf 42,59 Franken, nachdem sie im frühen Handel vorübergehend auf 40 Franken gefallen war. Beobachter berichten von ersten Gelegenheitskäufen.

Wie einem Kommentar der Bank Vontobel entnommen werden kann, blickt Aryzta auf ein insgesamt enttäuschendes erstes Quartal zurück. Obschon die Erwartungsbandbreite im Vorfeld weit auseinander gegangen war, findet der Autor keinen Gefallen am organischen Umsatzrückgang.

Noch immer keine Stabilisierung in Nordamerika

Diesen relativiert er allerdings damit, dass sich einmal mehr Vertragserneuerungen negativ bemerkbar gemacht hätten. Dies sei im Vorfeld allerdings bereits angedeutet worden, so schreibt er weiter.

Gerade in Nordamerika konnten einige auslaufende Verträge mit dem kanadischen Grosskunden Tim Hortons nicht durch Neugeschäfte aufgefangen werden. Letztendlich resultierte in diesem Schlüsselmarkt im zurückliegenden Quartal eine um 4,7 Prozent rückläufige organische Umsatzentwicklung. Analysten hatten mit einem Rückgang um 1,3 Prozent gerechnet.

Kursentwicklung der Aryzta-Aktie im bisherigen Tagesverlauf; Quelle: www.cash.ch

Es ist ein erklärtes Ziel für Aryzta, das Nordamerikageschäft im laufenden Fiskaljahr wieder auf den Wachstumspfad zurückzuführen. Davon ist das Unternehmen zumindest nach dem ersten Quartal weiter entfernt denn je.

Bei der Bank Vontobel bezeichnet man das laufende Jahr als ein weiteres Übergangsjahr für den Backwarenhersteller. Seine Aktie wird deshalb weiterhin mit "Hold" und einem Kursziel von 45 Franken eingestuft.

Nur ein Einmaleffekt?

Verteidigende Worte schlägt der für Baader Helvea tätige Berufskollege an. Zwar zeigt er sich sichtlich enttäuscht darüber, dass das organische Umsatzwachstum im zurückliegenden Quartal wieder in den negativen Bereich gefallen ist. Seines Erachtens lässt sich dies jedoch mit einmaligen Faktoren begründen. Das Unternehmen befinde sich in der Schlussphase wichtiger Vertragserneuerungen und lege dabei das Hauptaugenmerk auf die Rentabilitätssteigerung, so schreibt er.

Seines Erachtens ist die organische Umsatzentwicklung damit erst anlässlich der Halbjahresergebnispräsentation von Mitte März zu einem Thema für die Börse. Er selbst empfiehlt die Aryzta-Aktie wie bis anhin mit einem Kursziel von 50 Franken zum Kauf.

Ähnlich äusserst sich der Experte von Kepler Cheuvreux. Seines Erachtens waren in Nordamerika Verluste von Lieferverträgen erwartet worden. Er macht zudem Verzögerungen bei der Einführung neuer Produkte für die enttäuschende Umsatzentwicklung verantwortlich. Vom sich abzeichnenden Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrats erhofft man sich bei Kepler Cheuvreux frische Impulse für die mit "Buy" und einem Kursziel von 55 Franken empfohlene Aktie.

Refinanzierung wird positiv beurteilt

Auch in einem Kommentar von Goldman Sachs wird die organische Umsatzentwicklung als schwach bezeichnet. Allerdings verweist der Verfasser auf die Refinanzierung einer zur Rückzahlung fällig gewordenen Privatplatzierung. In diesem Zusammenhang rechnet Aryzta im Fiskaljahr 2016/17 neu mit einem Finanzaufwand von 80 bis 95 Millionen Euro nach zuvor 80 bis 105 Millionen Euro. Goldman Sachs selber geht von einem Finanzaufwand von 89 Millionen Euro aus.

Für den Analysten der UBS Investmentbank machen die Fortschritte auf der Finanzierungsseite die schwache Absatzentwicklung im zurückliegenden Quartal wieder wett. Der Experte geinnt insbesondere den in Zukunft geringeren Zinskosten positive Aspekte ab und empfiehlt die Aryzta-Aktie mit einem 12-Monats-Kursziel von 55 Franken zum Kauf.