Asset Management - Schweiz gerät gegen Asiens Vermögenszentren ins Hintertreffen

Singapur und Hongkong werden in den kommenden vier Jahren Vermögen aus dem Ausland in einem Tempo anlocken, das bei mehr als dem Doppelten dessen der Schweiz liegt.
16.06.2017 15:20
Für Reiche zurzeit der bevorzugte Ort für das Asset Management: Singapoor (im Bild der Sitz von DBS, der grössen Bank von Singapur und Südostasien).
Für Reiche zurzeit der bevorzugte Ort für das Asset Management: Singapoor (im Bild der Sitz von DBS, der grössen Bank von Singapur und Südostasien).
Bild: cash

Das geht aus einer Studie von Boston Consulting Group (BCG) hervor. Vor allem das wirtschaftliche Wachstum Asiens ziehe Barmittel von Millionären an. Die Wahrnehmung, dass Singapur sicher und stabil ist, wird BCG zufolge dabei helfen, Geld in das südostasiatische Land fliessen zu lassen. Die Beratungsgesellschaft prognostiziert, dass die Offshore-Aktiva dort mit einer durchschnittlichen Gesamtjahresrate von 8 Prozent bis 2021 zulegen werden. Für Hongkong sagt die Studie 7 Prozent vorher, für die Schweiz hingegen nur 3 Prozent.

Die Schweiz bleibt laut dem Papier allerdings das weltweit grösste Drehkreuz für Offshore-Vermögensverwaltung mit 2,4 Billionen Dollar. Die Summe ist doppelt so gross wie die von Singapur.

Jahrzehntelang hatten Vermögenszentren wie die Schweiz und Singapur von politischer und wirtschaftlicher Instabilität an anderen Orten profitiert. Reiche Menschen schafften ihr Geld dorthin auf der Suche nach Erträgen. Asiens grösste Drehkreuze locken das Vermögen von Kunden aus der Region selbst an, deren Reichtum mit der wachsenden Wirtschaft zunimmt.

Singapur unabhängiger und sicherer

"Relativ zur Schweiz legen Hongkong und Singapur schneller zu wegen des konjunkturellen Wachstums von China bis Indien", sagt Mariam Jaafar, Partnerin bei BCG in Singapur, Mitverfasserin der Studie. "In den Köpfen der Kunden ist Singapur unabhängiger und sicherer. Die Regierung unterstützt zudem die Vermögensverwaltungsbranche sehr."

Dennoch: Chinas Beschränkungen bei Investmentabflüssen könnte Jaafar zufolge die Bewegung von Aktiva aus der Volksrepublik heraus verlangsamen. 

China liegt vor Taiwan, Hongkong und Indonesien, wenn es um die grössten Quellen von Offshore-Wealth in der Region Asien-Pazifik geht, zeigt die Studie. Reiche Menschen halten ihr Vermögen weiter im Ausland, obwohl Behörden weltweit die Zügel bei versteckten Offshore-Geldern anziehen. Laut BCG müssen die Bemühungen von Regierungen mit Blick auf strengere Steuerregeln oder Amnestien die Reichen dieser Welt erst noch dazu bewegen, ihre nicht-deklarierten Aktiva spürbar zurückzuführen. "Wegen politischer Instabilität bleiben Offshore-Lösungen für vermögende Familien attraktiv", heisst es im Papier weiter.

Banken von der UBS über Credit Suisse bis hin zu DBS hatten zuletzt die Anzahl der Mitarbeiter in der Vermögensverwaltung erhöht, um Kunden in aller Welt zu bedienen, während die Aktiva zulegen.

Der BCG-Studie zufolge sind Offshore-Aktiva an Private-Banking-Standorten global im vergangenen Jahr um fast 4 Prozent auf 10,3 Billionen Dollar angeschwollen.

(Bloomberg)