Attraktive Bewertung - Gute Argumente für spanische Immobilien

Vieles spricht derzeit für spanische Immobilienunternehmen, so die Meinung eines Fondsmanagers. Bei der britischen Konkurrenz ist er hingegen zurückhaltend.
15.07.2017 14:25
Das berühmte Madrider Geschäftshaus Edificio Metrópolis.
Das berühmte Madrider Geschäftshaus Edificio Metrópolis.
Bild: Pixabay

Fondsmanager Rodrigo Rodriguez von BlueCrest Capital Management LLP bevorzugt Aktien spanischer Immobilien-Unternehmen gegenüber den britischen Wettbewerbern, die mit dem Brexit zu kämpfen haben.

Mehr als sein Jahr nach dem Referendum werden britische Immobilienfirmen und Eigenheimbauer zu Kursen gehandelt, die das Risiko im Zusammenhang mit dem Austritt des Landes aus der Europäischen Union nicht widerspiegeln, meint Rodriguez. Eigenen Angaben zufolge verkauft er einige Aktien leer. Einen weiteren Blick in seine Karten lässt er aber nicht zu.

Stattdessen investiert er in spanische Konkurrenten. Dazu zählen beispielsweise Inmobiliaria Colonial und Axiare Patrimonio Socimi. Bei diesen Firmen geht der Fonds-Manager davon aus, dass sie von steigenden Mieten – angetrieben von der Erholung der Wirtschaft – profitieren werden.

Viele Dinge haben sich verändert

"Mein grosses Problem mit britischen Immobilien ist, dass es so aussieht, als habe sich nichts verändert. Und dabei haben sich viele Dinge geändert – zumindest ist eine Menge Unsicherheit hinzugekommen", sagt Rodriguez in einem telefonischen Interview mit Bloomberg. Viele britische REITS und Eigenheimbauer würden in der Nähe eines Niveaus gehandelt, das schon vor dem Brexit-Votum erreicht worden sei.

Im Oktober hatte auch der Hedgefonds-Investor Crispin Odey davor gewarnt, dass eine potenzielle Rezession und eine höhere Inflation nach der Brexit-Abstimmung zu einem Einbruch von 80 Prozent bei britischen Aktien führen könnten.

Die am stärksten leerverkauften britischen Immobilienfirmen sind Intu Properties, Barratt Developments und Berkeley Group Holdings, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Rodriguez zufolge haben spanische Immobilien-Unternehmen hingegen attraktive Kurse. In einigen Fällen würden sie mit einem Abschlag auf ihren Nettovermögenswert gehandelt. Er favorisiert nach eigenen Worten Colonial od Axiare bei Büro-Objekten, Lar Espana Real Estate Socimi bei Einkaufszentren und Lagerhäusern, Neinor Homes SLU bei Häusern und Hispania Activos Inmobiliarios Socimi bei Hotels.

Spanien profitiert mehrfach

"Falls alles so bleibt, ist das Aufwärtspotenzial von britischen REITs begrenzt", sagt Rodriguez. "In Spanien kann man die Aktien der Firmen billig kaufen, und obendrein profitieren sie noch von einer Menge anderer Faktoren."

Die spanische Wirtschaft dürfte in diesem Jahr um 2,8 Prozent wachsen, wie aus einer Bloomberg-Umfrage hervorgeht. Mit Blick auf die Eurozone werden plus 1,9 Prozent erwartet, während es für Grossbritannien lediglich plus 1,6 Prozent sind.

Madrid ist eine jener Städte, die davon profitieren könnten, dass Unternehmen erwägen, Arbeitsplätze nach dem Brexit auf das europäische Festland zu verlagern. 

Die Grossbank UBS befand sich beispielsweise in Gesprächen mit der spanischen Regierung dazu, die Investmentbanken-Sparte für die EU in die spanische Hauptstadt zu bringen, wie Bloomberg im Januar berichtete.

(Bloomberg)