Auch Schweizer stehen auf Ultra-Luxus-Reisen

Auf Milliardärs-Jachten durch die Karibik schippern oder mit dem Privatjet auf Weltreise gehen: Luxusreisen dieser Art erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit.
31.07.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Im Trend: Luxus-Kreuzflüge im Privatjet.
Im Trend: Luxus-Kreuzflüge im Privatjet.
Bild: www.world-cruising.net

Ein Limousinen-Service bringt Sie zum Abflughafen. Danach gehts mit dem Privatjet während sieben Tagen auf Skandinavien-Rundreise. Genächtigt wird nur in den Gemächern der jeweils besten Hotels. Wer diese Reise buchen will, muss über das nötige "Kleingeld" verfügen. Gut 50'000 Franken pro Person kostet der Luxustrip, organisiert durch den Reiseveranstalter Level 410. Der Preis sinkt auf "läppische" 22'800 Franken pro Person, wenn 6 Personen dieselbe Reise buchen.

Level 410 bietet solche Luxusreisen erst seit Anfang Juni an. "Das Interesse an solchen Reisen ist hoch. Und es sind bereits diverse Buchungen eingegangen", sagt Guido Graf, Geschäftsführer von Level 410, zu cash.

Im doppelten Sinne auf ihre Kosten kommen auch Segeltörn-Fans. Für 100'000 Dollar lässt sich 7 Tage auf dem Luxus-Katamaran des bekannten Unternehmers Sir Richard Branson durch die Karibik schippern. Im Preis inbegriffen sind eine siebenköpfige Crew und Vollpension. Bis zu 12 Gästen bietet das Schiff Platz, empfohlen werden aber maximal 8 Gäste. Laut dem Veranstalter Luxus-Kreuzfahrten.ch muss die Anreise separat gebucht werden.

Aufstrebender Trend

Solche exklusive Reisen für gut betuchte liegen im Trend. "Die Nachfrage nach Luxusreisen im High-End-Bereich nimmt weltweit zu", sagt Urs Wagenseil, Tourismus-Experte an der Hochschule Luzern zu cash. Die Erklärung liegt laut Wagenseil auf der Hand: "Auf der ganzen Welt verzeichnet man steigenden Wohlstand und eine zunehmende Anzahl an Millionären – zum Beispiel in China, Russland oder auch in der Schweiz."

Mit einer Zahl von über 280'000 Menschen (Stand Ende 2012) ist knapp jeder dreissigste Einwohner hierzulande ein Millionär. Dies geht aus dem im Juni veröffentlichten World Wealth Report von der Beratungsgesellschaft Capgemini und der Royal Bank of Canada hervor. Gegenüber dem Vorjahr ist dies eine Steigerung von 12 Prozent, 2 Prozent über dem weltweiten Durchschnitt.

Somit erstaunt es nicht, dass für immer mehr Leute Luxusreisen erschwinglich werden. Für umgerechnet gut 67'000 Franken pro Person im Einzelzimmer lässt sich der südamerikanische Kontinent per Privatjet erkunden. Während 20 Tagen fliegt ein Airbus A319, ausgestattet mit 42 First-Class-Sitzen, berühmte Sehenswürdigkeiten an. Während des Fluges finden Vorträge über die jeweiligen Destinationen statt. Übernachtet wird selbstverständlich nur in den allerbesten Hotels.

"Seit dem ersten Pilotflug vor fünf Jahren verzeichnen wir eine starke Nachfrage", bestätigt Hapag-Lloyd gegenüber cash. Insgesamt werden pro Jahr sechs Kreuzflug-Reisen angeboten.

Krisensicherer Ultra-Luxusreisemarkt

Wagenseil bescheinigt dem Markt für Luxusreisen gute Wachstumschancen, solange sich die Gesamtwirtschaft positiv entwickelt. "Bricht die Konjunktur aber ein, sinkt auch die Nachfrage nach Luxusreisen in der Regel deutlich", so Wagenseil.

Allerdings gelte diese nicht für Reisen im Ultra-Luxus-Segment. Die sind laut Wagenseil auf die Bedürfnisse der Superreichen zugeschnitten, die auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten nicht kürzertreten müssen. "Und oft verbinden solche Personen ihre Ferien mit dem Geschäftlichen", stellt Wagenseil fest.

Für all jene mit einer gut gefüllten Reisekasse und ausreichend Zeit können während eines Zwei-Jahres-Trips alle 962 Unesco-Welterbstätten besuchen. Der Londoner Reiseveranstalter Hurlingham Travel bietet die derzeit kostspieligste Reise der Welt für zwei Personen an. Kosten: über 1,4 Millionen Franken.