Auch zum Franken - US-Bank sieht im Euro «das Mass aller Dinge»

Anders als in den letzten Tagen sieht die US-Bank Morgan Stanley nicht den Dollar, sondern den Euro deutlich stärker werden. Von den jüngsten Prognoseanpassungen ist auch der Franken betroffen.
22.02.2018 09:37
Von Lorenz Burkhalter
Euro-Symbol vor dem ehemaligen Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Euro-Symbol vor dem ehemaligen Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: cash

In den letzten Jahren war Morgan Stanley vor allem für ihre atemberaubend hohen Dollar-Prognosen bekannt. Einst sahen die Währungsstrategen der US-Investmentbank den Dollar auf über 1,20 Franken steigen. Damals notierte der "Greenback" bei knapp einem Franken.

Das liegt nun schon einige Zeit zurück. Nun sorgen die neusten Währungsprognosen von Morgan Stanley bei hiesigen Beobachtern erneut für überraschte Gesichter. Die US-Investmentbank sieht den Euro-Dollar-Kurs bis Ende 2018 nämlich auf 1,30 (zuvor 1,17) Dollar, bis Ende 2019 auf 1,40 Dollar weiterziehen.

Prognoseanpassungen betreffen auch den Franken

Erst vor wenigen Tagen stieg der Euro auf 1,2557 Dollar und damit auf den höchsten Stand seit November 2014. Aktuell liegt das Währungspaar bei rund 1,23 Dollar. Das sind 16 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Dass Morgan Stanley gerade gegenüber dem Dollar mit einem deutlich festeren Euro rechnet, schlägt sich auch in den Franken-Prognosen der Amerikaner nieder.

Die US-Investmentbank traut dem Euro-Franken-Kurs bis Ende 2018 neuerdings einen Vorstoss auf 1,22 (zuvor 1,15) Franken zu. Im darauffolgenden Jahr hält sie dann gar einen Anstieg auf 1,26 Franken für möglich.

Dabei gehen die Währungsstrategen weniger von einem starken Euro, als vielmehr von einem auf Dauer schwachen Dollar aus. Sie sehen den wirtschaftspolitischen Kurs der USA und die an Schwung gewinnende Weltwirtschaft in einem weltweit steigenden Kapitalbedarf gipfeln.

Steigende Zinsen kein Kaufargument für den Dollar

Anders als während der Amtszeit von US-Präsident Ronald Reagan in den Neunzehnachtzigerjahren sollte sich der steigende Kapitalbedarf aber nicht über einen stärkeren Dollar entladen. Der "Greenback" muss diesmal als Finanzierungswährung herhalten. Will heissen: Man verschuldet sich zwar in Dollar, tauscht diese dann allerdings in andere Währungen.

Eigentlich müsste der Dollar höher und nicht tiefer gehandelt werden. Denn die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen, auch Treasury Bonds genannt, ist zuletzt kräftig gestiegen und liegt bei ziemlich genau 3 Prozent. Das ist für europäische Verhältnisse eine ganze Menge. Zum Vergleich: Eine zehnjährige Anleihe der Schweizerischen Eidgenossenschaft wirft keine 0,2 Prozent ab.

Der Franken bleibt ein Nebenschauplatz

Doch die steigenden US-Zinsen sind diesmal eine Begleiterscheinung der Dollar-Schwäche. Grosse Gläubiger der USA wie China oder Japan sind nicht mehr bereit, die Wirtschaftspolitik von US-Präsident Donald Trump mitzutragen und die kräftig steigende Staatsverschuldung mitzufinanzieren. Sie trennen sich deshalb von US-Staatsanleihen und ziehen sich aus dem Dollar zurück. Das entlädt sich in einer Kombination aus steigenden Zinsen und fallendem Dollar.

Aus Sicht von Währungsexperten ist der Franken bloss ein Nebenschauplatz. Den eigentlichen Ton gibt der Euro-Dollar-Kurs an. Ein kleiner Trost bleibt deshalb aus Schweizer Sicht: Morgan Stanley sieht den steigenden Euro-Dollar-Kurs in einem festeren Euro-Franken-Kurs und nicht in einem tieferen Dollar-Franken-Kurs münden. Mit 0,94 Franken liegt die Dollar-Franken-Prognose der US-Investmentbank für Ende 2018 in etwa auf dem derzeitigen Stand.