Auf und Ab an der Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat zum Wochenschluss keine Richtung gefunden. Zunehmende Zinsängste und zum Teil enttäuschende Firmenergebnisse dämpften den Kaufappetit der Anleger.
28.10.2016 17:35
Kaufen oder verkaufen: Das war am Freitag die grosse Frage an der Schweizer Börse.
Kaufen oder verkaufen: Das war am Freitag die grosse Frage an der Schweizer Börse.
Bild: ©kebox/Fotolia.com

Nach einem Auf und Ab schliesst der SMI am Freitag 0,2 Prozent im Minus bei 7909 Punkten. Kräftige Kursgewinne der UBS-Aktien verhinderten ein deutlicheres Abrutschten des Leitindex.

"Die kleine Gegenbewegung vom Donnerstag wird von der übergeordneten Angst vor einem Zinsanstieg wieder zunichte gemacht", erklärt ein Händler. Grösseres Aufwärtspotenzial billigen Börsianer dem SMI derzeit nicht zu. Das stärker als erwartete Wachstum der US-Wirtschaft im dritten Quartal gibt der Fed Argumente für eine baldige Zinserhöhung in die Hand. Schlecht aufgenommen wurden auch die Quartalszahlen von Amazon. Der Internet-Händler stellte den Investoren im Weihnachtsquartal nur einen überraschend geringen Gewinn in Aussicht. Vor den US-Präsidentschaftswahlen am 8. November dürften sich zudem viele Anleger nicht zu sehr aus der Deckung wagen.

Für Aufsehen sorgt Sika. Die Aktien des Bauchemiekonzerns brachen vor der Bekanntgabe eines vorentscheidenden Gerichtsurteils im Übernahmestreit mit dem französischen Konkurrenten Saint-Gobain bei überdurchschnittlichen Umsätzen zeitweise bis zu 7,6 Prozent ein, aus dem Handel gehen sie mit einem Minus von 4,2 Prozent. Ein Händler sagt, dass viele Anleger sicherheitshalber zumindest teilweise ihre Gewinne eingestrichen hätten. "Fast alle, die zuletzt dabei waren, haben schöne Gewinne darauf."

UBS-Aktie Tagessieger

Die Standardwerte sind mehrheitlich auf der Verliererseite zu finden. An die Spitze der SMI-Titel setzen sich die UBS-Aktien mit einem Plus von 2,4 Prozent. Die grösste Schweizer Bank steigerte dank einer guten Entwicklung im US-Vermögensverwaltungsgeschäft und geringeren Kosten wegen dem laufenden Sparprogramm ihren Vorsteuergewinn von Juni bis September um 11 Prozent auf 877 Millionen Franken. Die UBS stellt sich bei diversen Rechtsfällen am US-Hypothekenmarkt allerdings auf Milliardenkosten ein und erhöhte ihre Rückstellungen für mehrere dort anhängige Streitigkeiten.

Die Titel von Rivalin Credit Suisse, die kommende Woche ihren Quartalsbericht veröffentlichen will, legen 0,1 Prozent zu. Die Vermögensverwalter Julius Bär und Vontobel verlieren an Wert. Auch die Titel von Versicherungen rutschen überwiegend ab. Swiss Re büssen 0,3 Prozent ein. Im Rahmen eines staatlichen Versicherungsprogramms für die chinesische Provinz Guangdong, an dem der Rückversicherer beteiligt ist, wurden 350 Millionen Dollar für Schäden durch den im August tobenden Taifun "Haima" ausgezahlt.

Meist gemieden wurden auch Industriewerte. Die ABB-Aktien setzen ihren Abstieg mit einem Kursminus von 0,5 Prozent fort. Bereits am Donnerstag hatten die Anleger die Titel des Elektrotechnikkonzerns nach einem enttäuschenden Quartalsbericht aus ihren Depots geschmissen.

Die Geberit-Aktien büssen 1,5 Prozent ein, obwohl die Sanitärtechnikfirma dank der weiterhin guten Baukonjunktur in weiten Teilen Europas den Gewinn in den ersten neun Monaten um fast 40 Prozent steigerte und ihre Jahresprognose bekräftigte.

Syngenta-Aktie einmal mehr von Spekulanten getrieben

Spekulative Käufe verhelfen den Syngenta-Aktien zu einem Anstieg von 1,2 Prozent. Erwartet wird eine Entscheidung der EU-Wettbewerbsbehörde, ob sie die Übernahme des Agrochemiekonzerns durch die chinesische Chem China genauer unter die Lupe nimmt. Der Pflanzenschutz-Weltmarktführer aus Basel selbst erwartet den Abschluss der 43-Milliarden-Dollar-Transaktion nicht mehr im laufenden Jahr sondern erst um das Ende des ersten Quartals 2017.

Die an sich als defensive Anlage geltenden Index-Schwergewichte Novartis und Roche geben 0,4 und 0,2 Prozent nach, Nestlé sinken um 0,6 Prozent.

Am breiten Markt schiessen die Lonza-Aktien 6,6 Prozent hoch. Der Pharmazulieferer hob den Ausblick nach einem guten dritten Quartal erneut an. Neu peilt Lonza im ganzen Jahr ein Wachstum des Kernbetriebsgewinns um mehr als 15 Prozent an.

Die Rieter-Aktien sind um 2,9 Prozent fester. Der Textilmaschinenhersteller gab einen Anstieg des Bestellungseingangs in den ersten neun Monaten um 22 Prozent bekannt.

(Reuters/cash)