Aufzughersteller - Schindler wächst langsamer als gedacht - Rekordjagd vertagt

Die Umsatzentwicklung verlangsamt sich bei Schindler und fällt gar unter die Zielbandbreite. Auch die Vorgaben für den Jahresgewinn wissen nicht so recht zu überzeugen. Der Partizipationsschein hat einen schweren Stand.
15.08.2017 12:55
Von Lorenz Burkhalter
Schindler-Aufzüge in Taiwan.
Schindler-Aufzüge in Taiwan.
Bild: ZVG

Das sind sich die erfolgsverwöhnten Schindler-Aktionäre nicht gewohnt: Im zweiten Quartal verliert die Umsatzentwicklung beim Innerschweizer Aufzug- und Rolltreppenhersteller weiter an Schwung. Mit gerademal 2,2 Prozent liegt das Wachstum in Lokalwährungen sogar unter der firmeneigenen Zielbandbreite von 3 bis 5 Prozent.

Dank kostenseitigen Fortschritten werden die Analystenschätzungen beim operativen Gewinn (EBIT) sowie beim Reingewinn vor Minderheiten dennoch erfüllt oder gar übertroffen. Unterschiedlich kommen auch die mit der Ergebnisveröffentlichung vom Dienstag erstmals kommunizierten Zielvorgaben für den diesjährigen Konzerngewinn an.

An der Schweizer Börse SIX bekunden die Valoren von Schindler sichtlich Mühe. Der Partizipationsschein gewinnt zur Stunde 0,6 Prozent auf 210,30 Franken Die Namenaktie notiert hingegen um 0,2 Prozent höher bei 204,40 Franken. Damit ist die Rekordjagd der letzten Tage vorerst wohl auf Eis gelegt.

Der für die UBS Investmentbank tätige Analyst bezeichnet das beim Auftragseingang erzielte Wachstum als ermutigend und beruhigend zugleich. Was die Umsatzentwicklung anbetrifft, so fällt diese etwas schwächer als von ihm erwartet aus. Sichtlich Gefallen findet der Experte hingegen an den sowohl über den bankeigenen Annahmen als auch über den Marktprognosen liegenden Margenverbesserungen.

Umsatzbelebung in der zweiten Jahreshälfte

In Bezug auf das neue firmeneigene Gewinnziel sieht er vorläufig keinen Anpassungsbedarf. Mit 880 Millionen Franken liegen seine diesjährigen Gewinnschätzungen schon heute am oberen Ende der Zielbandbreite. Der Partizipationsschein von Schindler wird bei der UBS Investmentbank denn auch weiterhin mit "Neutral" und einem 12-Monats-Kursziel von 210 Franken eingestuft.

Wie sein Berufskollege von der Zürcher Kantonalbank bemerkt, fällt die Umsatzdynamik im zweiten Quartal etwas verhaltener als erwartet aus. Dass das Unternehmen an den diesjährigen Wachstumszielen festhält, lässt ihn eine Beschleunigung der Abarbeitung von Aufträgen in der zweiten Jahreshälfte erwarten.

Aufgrund des eher vorsichtig formulierten Konzerngewinnziels sieht der Analyst bei seinen Erwartungen und denjenigen des Marktes gar leichten Revisionsbedarf nach unten. Sein Anlageurteil lautet weiterhin "Marktgewichten".

Bei der Bank Vontobel und Kepler Cheuvreux wird hingegen auf das anhaltend starke Wachstum beim Auftragseingang sowie auf die Margenverbesserungen verwiesen. Die Experten beider Banken räumen zwar ein, dass die firmeneigenen Gewinnprognosen für dieses Jahr unter den derzeitigen Markterwartungen liegen, bezeichnen die Vorgaben gleichzeitig jedoch als konservativ.

Wachstumsenttäuschung macht Schindler zum «Wiederholungstäter»

Bei der Bank Vontobel wird der Partizipationsschein von Schindler mit "Hold" und einem Kursziel von 210 Franken eingestuft, bei Kepler Cheuvreux hingegen mit einem Kursziel von 235 Franken zum Kauf empfohlen. Julius Bär nimmt das "Hold" lautende Anlageurteil in positive Revision und will zumindest das Kursziel von 200 Franken erhöhen.

Schon in den ersten drei Monaten verfehlte Schindler die Analystenschätzungen in Bezug auf das Umsatzwachstum in Lokalwährungen. Letzteres kam bei 3,8 anstatt den erwarteten 4,8 Prozent zu liegen. Nur dank dem überzeugenden Auftragseingang schaute man damals in Expertenkreisen grosszügig über diesen Umstand hinweg.

Nachdem sich das organische Wachstum im zweiten Quartal weiter verlangsamt hat, errechnet sich für die ersten sechs Monate eine Wachstumsrate von 2,9 Prozent. Da die Rate unter der Zielbandbreite von 3 bis 5 Prozent liegt, dürften die Analysten diesmal nicht mehr einfach so wegschauen.