Ausblick Aktienmarkt - Ölpreise sind Damoklesschwert für weitere Börsen-Rally

Die Rekordfahrt an den Aktienmärkten könnte nach Meinung von Börsianern nächste Woche weitergehen - wenn auch voraussichtlich mit angezogener Handbremse.
24.06.2017 13:00
Die Ölpreise fallen wieder.
Die Ölpreise fallen wieder.
Bild: Bloomberg

Die gute Konjunkturentwicklung treibe derzeit die Kurse, sagt M.M.-Warburg-Stratege Carsten Klude. "Viele Unternehmen legen sehr gute Zahlen vor, politische Risiken sind weggefallen und die Realwirtschaft zieht an." Der Swiss Market Index gewann letzte Woche 0,8 Prozent und notiert wieder über 9000 Punkten. Der Dow Jones blieb in dieser Zeit unverändert. Der deutsche Dax kletterte zwischenzeitlich auf ein Rekordhoch, verlor aber auf Wochensicht 0,2 Prozent.

Doch zuletzt entwickelten sich die fallenden Ölpreise zum Bremsklotz. Im Laufe der Woche war der Preis für die führende Nordseesorte Brent auf den tiefsten Stand seit November zurückgefallen, mit 44 Dollar war ein Fass zehn Dollar billiger als noch vor einem Monat. Das anhaltende Überangebot schürt am Aktienmarkt Sorgen vor einer schwächelnden Konjunktur.

Vor allem die Nachfrage aus China bereitete den Investoren Kopfzerbrechen. Ein weiterer Preisrutsch könnte auch den Aktienmarkt nach unten ziehen, meint Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Es bestehe Ausverkaufsgefahr, sollte der Brent-Preis unter 41 Dollar fallen. Einige Investoren gingen deshalb auf Nummer sicher und machten Kasse. 

Die schnellen Stimmungswechsel zeigten die Not vieler Vermögensverwalter, aus kleinsten Kursrücksetzern eine Extra-Rendite erwirtschaften zu müssen, erläutert Joachim Goldberg vom Analysehaus Goldberg & Goldberg. "Statt mittelfristig zu denken, scheinen sie immer kurzatmiger und hektischer zu agieren." Angesichts möglicher weiterer Allzeithochs bewegten sich die Investoren derzeit nach dem Motto "Zwei Schritte vor, einer zurück".

Ifo-Geschäftsklimaindex auf dem Radar

In der neuen Woche rücken Konjunkturdaten wieder stärker in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Gleich zu Wochenbeginn steht der Ifo-Geschäftsklimaindex an. Analysten rechnen für Juni mit einem leichten Rückgang auf 114,4 von zuvor 114,6 Punkten. Das wäre angesichts des mittlerweile erreichten Niveaus gut zu verkraften, sagt Analyst Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors. Im Vormonat hatte sich die Stimmung unter den Führungskräften der deutschen Unternehmen noch überraschend deutlich aufgehellt.

In den USA stehen ebenfalls am Montag unter anderem die Aufträge langlebiger Güter im Terminkalender, die nach Analystenschätzungen leicht gesunken sein dürften.

Zum Wochenschluss dürften laut Commerzbank im Euroraum insbesondere die vorläufigen Juni-Verbraucherpreiszahlen für Aufsehen sorgen. "Denn die Teuerungsrate ist im ablaufenden Monat wohl – anders als von der EZB erhofft – weiter gefallen", hieß es in dem Wochenausblick der Bank. Gebremst werde der Preisanstieg in der zweiten Jahreshälfte durch die jüngste Aufwertung des Euro und die gesunkenen Rohölpreise. Spekulationen über eine Leitzinserhöhung der Europäischen Zentralbank im kommenden Jahr dürften dadurch einen Dämpfer erhalten. Zu Wochenbeginn lauern Investoren bei der Rede von EZB-Chef Mario Draghi zum Auftakt eines mehrtägigen Notenbankseminars im portugiesischen Sintra bereits auf neue geldpolitische Signale.

Nike bringt Zahlen

Auf Unternehmensseite bleibt die Lage bei den italienischen Banken im Fokus. Die beiden Kriseninstitute Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenca werden aller Voraussicht nach zerschlagen. Die EU-Kommission stimmte einem Plan der italienischen Regierung, die zwei regionalen Geldhäuser aus dem Veneto unter Einsatz von Staatshilfen nach heimischem Insolvenzrecht abzuwickeln, vorläufig zu. Die Großbank Intesa Sanpaolo hatte sich bereits zu einer Übernahme der gesunden Teile der Geldhäuser bereiterklärt. Populare di Vicenza und Veneto Banca ächzen unter einem Berg fauler Kredite und benötigen mehr als sechs Milliarden Euro frisches Kapital.

An der Wall Street gibt der Adidas-Konkurrent Nike am Donnerstag als erstes großes US-Unternehmen Einblick in die Bilanz für das abgelaufene Quartal. Volle Fahrt nimmt die Berichtssaison erst in der zweiten Juli-Woche auf.

(Reuters)