Ausblick BörsenÜbergangswoche für die Aktienmärkte

Zwischen den Sitzungen der EZB in der vergangenen Woche und derjenigen der US-Notenbank in der übernächsten Woche wird es an den Börsen wohl ruhig sein. Aber es gibt einen Störenfried.
09.09.2017 12:33
Händlerin an der Börse in Frankfurt.
Händlerin an der Börse in Frankfurt.
Bild: Bloomberg

Nach Mario Draghi ist vor Janet Yellen: "Die nächste Woche ist eine Art Übergangswoche zwischen EZB- und Fed-Sitzung", sagt Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck. Aktienanleger dürften deswegen eher die Füße stillhalten.

Zudem hält die Nordkorea-Krise die Börsen weiter in Atem. Anlässlich des Jahrestages der Staatsgründung in Pjöngjang am Samstag werden weitere Raketentests befürchtet. Für Montag haben die USA eine Abstimmung im UN-Sicherheitsrat über neue Sanktionen gegen das kommunistische Land beantragt.

In der abgelaufenen Woche verlor der Swiss Market Index 0,3 Prozent, der Dow Jones gab 0,9 Prozent nach. Der japanische Nikkei verlor gar 1,8 Prozent. 

"Nach einer Phase der Sorglosigkeit sind geopolitische Risiken wieder in das Blickfeld der Investoren geraten und dürften für schwankungsreichere Finanzmärkte sorgen", fasst Ann-Katrin Petersen von Allianz Global Investors zusammen. "Sofern die Situation um Nordkorea aber nicht weiter eskaliert, nährt dies die Hoffnung, dass die Anleger früher als sonst zum Alltag übergehen werden und der September 2017 daher besser ausfallen wird als sein Ruf", sagt LBBW-Stratege Uwe Streich.

Für Kursschwankungen könnte auch der große Verfall an den Terminbörsen am Freitag sorgen. Beim sogenannten "Hexensabbat" versuchen Anleger häufig, die Kurse in eine für sie günstige Richtung zu bewegen. Denn dann verfallen gleich drei Arten von Anlagen: die Optionen auf Einzelaktien, die Optionen auf Indizes und die Terminkontrakte auf Indizes.

Starker Dollar

Sorgen bereitet den Börsianern auch der schwache Dollar. Er verteuert Waren ausserhalb des Euro- und Frankenraumes und macht eurpäische Firmen weniger wettbewerbsfähig. Zwar machte EZB-Präsident Draghi deutlich, dass die Sorgen in der EZB bezüglich der Euro-Stärke zugenommen haben. Anleger konzentrierten sich aber auf das freundliche Konjunkturszenario.

Aus Sicht der Commerzbank sind vor allem die enttäuschten Hoffnungen in den "Macher" Trump die Triebfeder für den Höhenflug. "Der Dollar dürfte daher erst dann wieder zulegen, wenn die Fed klare Zinserhöhungssignale sendet", heißt es. Die Zentralbanker um Chefin Yellen treten aber erst in der übernächsten Woche, am 20. September, zusammen.

Dafür entscheidet bereits am Donnerstag die Bank of England. Experten erwarten, dass sich die wenigen Befürworter einer Zinserhöhung nicht gegen die Mehrheit der Anhänger des Status quo durchsetzen können. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld dürfte so auf dem historisch niedrigen Stand von 0,25 Prozent verharren.

Konsumentenpreise in den USA steigend?

Auf der Konjunkturagenda stehen in der neuen Woche nur wenige Highlights. Jedoch könnten in August-Daten aus Amerika erste Auswirkungen von Hurrikan "Harvey" sichtbar werden. Weil in dem betroffenen US-Bundesstaat Texas ein erheblicher Teil der amerikanischen Raffinerien angesiedelt ist, schnellte der Benzinpreis in die Höhe. "Und dies in einer Jahreszeit, in der der Preis sonst eher fällt", betont die Commerzbank.

Dementsprechend dürften die am Donnerstag anstehenden Verbraucherpreise im Vergleich zum Vormonat ansteigen. Ein Belastungsfaktor für die US-Wirtschaft könnte auch Hurrikan "Irma" werden, der mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 260 Stundenkilometern auf Florida zurollte. In der Karibik hinterließ er eine Schneise der Verwüstung.

Am Freitag stehen zudem US-Einzelhandelsumsätze an. Zahlen zur Industrieproduktion für die Euro-Zone gibt es am Mittwoch, einen Tag später ist China dran.

Blick auf die IAA

Am Aktienmarkt könnten Autowerte im Fokus stehen, denn mit der offiziell am Donnerstag startenden IAA in Frankfurt steht eine wichtige Branchenshow ins Haus. Auch das Thema Air Berlin bleibt ein Dauerbrenner. Bis Freitag können noch Gebote eingereicht werden. Derzeit gilt die Lufthansa als aussichtsreichster Bieter. Aber auch Easyjet, der Condor sowie das Berliner Logistikunternehmen Zeitfracht schauen sich die insolvente Airline an.

In den USA könnten sich die Investoren vor allem Werten der Telekom- und der Versorgerbranche zuwenden. Die dort häufig besonders hohen Dividenden seien in Zeiten großer Ungewissheit stark gefragt, sagten Experten.

(Reuters/cash.ch)