Ausschüttungen an Aktionäre - Die besten Dividenden bei Europas Grosskonzernen

Viele Aktien von europäischen Grosskonzernen feiern derzeit Kursgewinne. Doch sind die Firmen auch aktionärsfreundlich? Zeit, über den SMI hinauszusehen und in Europa nach Dividendenperlen zu tauchen.
16.05.2017 06:41
Von Marc Forster
Blick auf das Pariser Geschäfts- und Bankenviertel La Défense, wo mehrere Euro-Stoxx-50-Konzerne ihren Sitz haben.
Blick auf das Pariser Geschäfts- und Bankenviertel La Défense, wo mehrere Euro-Stoxx-50-Konzerne ihren Sitz haben.
Bild: Pixabay

Eine Dividendenrendite von 7,2 Prozent wie beim französischen Energiegiganten Engie gibt es im Markt für Schweizer Blue-Chips nicht. Die höchste Ausschüttung bietet hier Zurich Insurance Group: 6 Prozent. Überhaupt ist der Euro Stoxx 50 mit den 50 grössten Aktien der Eurozone in guter Verfassung. Während sich die Wachstumsaussichten für die ganze Eurozone aufgehellt haben, stieg der Grosskonzerne-Index in den letzten sechs Monaten um 19,3 Prozent. Der SMI rennt mit 15,4 Prozent etwas hinterher.

Kursgewinne bedeuten meistens steigende Gewinnzahlen der Firmen und somit auch höhere Ausschüttungen für Aktionäre. Mit 7,2 Prozent führt der französische Energiekonzern Engie das Feld der besten Dividendenzahler im Euro Stoxx 50 an (siehe Tabelle), dem heute anerkannten Index für die wichtigsten Aktientitel der Eurozone. Engie hiess bis 2015 GDF-Suez, bekannt auch unter dem Namen "Gaz de France", und ist mehrheitlich im Besitz der Republik.

Lange war Engie ein Sanierungfall, die Restrukturierung stimmt Analysten mittlerweile aber wieder positiver. Doch Vorsicht: Für 2017 und 2018 überlegt sich der Konzern, die Dividende von 1 Euro auf 70 Euro-Cent zu kürzen. Und bei der Nummer zwei der Liste, dem Immobilien- und Beteiligungskonzern Unibail-Rodamco, kann eine stattliche Dividendenrendite nicht über eine relativ hohe Bewertung und zaghafte Wachstumsaussichten hinwegtäuschen.

Folgende Euro-Dividenden-Titel kommen für Anleger eher in Frage (in Klammern jeweils die Dividendenrenditen):

Daimler (4,7 Prozent)

Einziger Industriekonzern unter den Top-15 der Euro-Stoxx-Dividendenzahler ist der Autohersteller aus Stuttgart. Das Unternehmen, dessen Urväter im 19. Jahrhundert das Auto erfunden haben, läuft gut: Daimler ist derzeit profitabler als die grossen Konkurrenten Toyota, Volkswagen und General Motors. Bei der Entwicklung ist der Traditionskonzern nicht nur an der Weltspitze, sondern setzt auch zumeist die Trends. Auch beim Zukunftsthema Elektromobilität mischt Daimler inzwischen kräftig mit. Die Dividende ist seit langem konstant hoch.

Axa (4,7 Prozent)

Bei den europäischen Versicherern verhält es sich nicht anders als bei den Schweizer Pendants: Sie sind meist gute Dividendenzahler. Begünstigt sind die Ausschüttungen derzeit durch hohe Eigenkapitalquoten, wenig Ideen für Investitionen und die bei Tiefzinsen schwierigen Anlagemöglichkeiten. Unter den Versicherern im Euro Stoxx 50 ist Axa zwar nicht der beste Dividendenzahler: Die italienische Generali und die deutsche Münchener Rück kommen auf eine höhere Rendite. Die Axa-Aktie hat aber mehr Potenzial als die Konkurrenten, wie zahlreiche positive Ratings und Kursziele der Analysten sowie das Kurs-Gewinn-Verhältnis von tiefen 10,2 deutlich machen.

Iberdrola (4,5 Prozent)

Wenn ein Energieversorger aus dem Euro Stoxx 50 ausgewählt werden soll, dann die spanische Iberdrola. Von den 16 Millionen Kunden befinden sich neun Millionen in Heimmarkt, wobei das Unternehmen fast ganz Spanien mit Strom versorgt. Analysten befürworten mehrheitlich einen Kauf der Aktie. Trotz eines deutlichen Kursanstiegs (zwölf Monate: +10,1 Prozent; sechs Monate: +18,4 Prozent) ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14,8 moderat bewertet. Für 2016 hat Iberdrola die Dividende um 11 Prozent gesteigert. Wer sich Iberdrola ins Portefeuille legt, begibt sich in die Gesellschaft von Langfrist-Aktionären wie der Qatar Holding (8,4 Prozent Beteiligung), dem Staatsfonds von Norwegen (3,1 Prozent) oder Blackrock (1,2 Prozent).

Allianz (4,4 Prozent)

Bei der deutschen Allianz ist die Lage vergleichbar wie bei der Axa. Vor allem ist auch dieser Titel mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10,1 ähnlich stark unterbewertet, wobei auch zu bedenken ist, dass Versicherer generell tief bewertet sind. Das erste Quartal verlief für den Münchner Konzern operativ ansprechend. Zudem scheinen sich die Probleme bei Pimco - dessen einstiger Star-Fonds kämpfte lange mit Mittelabflüssen - zu legen: Es flossen wieder 20 Milliarden Euro zu. Für dividendenorientierte Anleger bleibt die Allianz interessant, zumal es keinen Grund gibt, dass die Ausschüttungspolitik nicht beibehalten werden sollte.

Die Euro-Stoxx-50-Aktien mit über 4 Prozent Dividendenrendite

Aktie Branche Land Div.-Rendite Kursentwicklung sechs Monate
Engie (Ex-GDF Suez) Energie Frankreich 7,2 Prozent +18,9 Prozent
Unibail-Rodamco Immobilien Frankreich 5,9 Prozent +14 Prozent
Eni Energie Italien 5,5 Prozent +18,8 Prozent
Repsol Energie Spanien 5,4 Prozent +17,9 Prozent
Generali Versicherungen Italien 5,2 Prozent +25,3 Prozent
Total Energie Frankreich 5,1 Prozent +10,3 Prozent
Münchener Rück Versicherungen Deutschland 4,8 Prozent +0,5 Prozent
BBVA Banken Spanien 4,8 Prozent +23,9 Prozent
Daimler Automobile Deutschland 4,7 Prozent +5,9 Prozent
Axa Versicherungen Frankreich 4,7 Prozent +7,4 Prozent
Iberdrola Energie Spanien 4,5 Prozent +18,4 Prozent
Allianz Versicherungen Deutschland 4,4 Prozent +12,7 Prozent
Société Générale Banken Frankreich 4,4 Prozent +22,8 Prozent
Orange Telekom Frankreich 4,3 Prozent +12,5 Prozent
BNP Paribas Banken Frankreich 4,0 Prozent +19,6 Prozent
Euro Stoxx 50       +19,3 Prozent

Quelle: Bloomberg, cash.ch