Aussergewöhnliche Dividendenperlen

Gegenüber Anleihen haben Dividendenrenditen in Europa ein neues Rekordhoch erreicht. Auf der Suche nach Aktien mit hohen Ausschüttungen wartet Morgan Stanley mit aussergewöhnlichen Empfehlungen auf.
26.11.2014 08:43
Von Lorenz Burkhalter
Eine nicht unumstrittene Schlüsselempfehlung von Morgan Stanley: Die Aktie der Credit Suisse.
Eine nicht unumstrittene Schlüsselempfehlung von Morgan Stanley: Die Aktie der Credit Suisse.
Bild: Bloomberg

Not macht erfinderisch. Was der Volksmund behauptet, gilt ganz besonders für die Aktienstrategen von Morgan Stanley. Denn während das Gros der Berufskollegen auf der Suche nach Aktien mit einer hohen Dividendenrendite in den Sektoren Gesundheit, Nahrungsmittel und Telekommunikation fündig werden, konzentrieren sie sich vorwiegend auf konjunkturabhängige Aktien. Ihre Botschaft an die Anlagekundschaft: Dividendenperlen müssen nicht zwingend defensiv sein.

In einer Strategiestudie zählen die Verfasser in diesem Zusammenhang 58 europäische Aktien mit einem günstigen Verhältnis aus aktueller Dividendenrendite, prozentual tiefem Ausschüttungsanteil des Gewinns und guten Dividendenaussichten auf. Darunter sind mit Adecco, Clariant, OC Oerlikon und Credit Suisse auch vier bestens bekannte Titel aus der Schweiz.

Dividendenrenditen im Vergleich zu Anleihenrenditen auf Rekordhoch

Dass auch die Aktien der Credit Suisse auf die Liste zu finden sind, überrascht. Aufgrund der eher dünnen Eigenkapitalbasis ranken sich schon seit Monaten die wildesten Gerüchte rund um die kleinere der beiden Zürcher Grossbanken. Der Credit Suisse drohe eine Dividendenkürzung, wenn nicht gar eine Kapitalerhöhung, so heisst es.

Gemäss Erhebungen von Morgan Stanley liegt die Dividendenrendite europäischer Aktien zwar noch immer deutlich unter dem Stand der vergangenen Jahre. Allerdings seien die Zinsen an den Anleihenmärkten auf den tiefsten Stand in der Geschichte gefallen. In der Folge seien die Dividendenrenditen relativ betrachtet auf ein Rekordhoch gestiegen.

Gängige Empfehlungen sind sekundär

Die gängigen Dividendenperlen aus den defensiven Sektoren wie Gesundheit, Nahrungsmittel und Telekommunikation halten die Strategen nur bedingt für attraktiv. Zum ersten Mal seit April 2009 sei die Dividendenrendite defensiver Aktien unter die Rendite des breiten Marktes gefallen.

Für einkommensorientierte Anleger würden sich deshalb viel eher die Sektoren Automobile, Banken und Transport anbieten, so die Experten.

Es kommt nicht oft vor, dass Aktienstrategen über den Tellerrand hinausblicken und wie im Fall der Experten von Morgan Stanley Neuland beschreiten. Dass aus Schweizer Sicht auch die nicht unumstrittenen Aktien der Credit Suisse auf der Liste zu finden sind, wirft allerdings Fragen auf.