Ausverkauf bei der UBS-Aktie

Der Zahlenkranz der UBS wird den Qualitätsansprüchen der Analysten nicht gerecht. Die Aktie fällt so stark wie zuletzt Mitte Januar 2015, als die SNB die Kursuntergrenze aufgab.
02.02.2016 11:35
Von Lorenz Burkhalter
Emsiges Treiben am Hauptsitz der UBS in Zürich.
Emsiges Treiben am Hauptsitz der UBS in Zürich.
Bild: ZVG

Zu Wochenbeginn war auch die Aktie der UBS für den enttäuschenden Zahlenkranz von Julius Bär in Sippenhaft genommen worden. Etwas voreilig, wie sich heute auf den ersten Blick herausstellen mag.

Denn beim Geschäftsertrag als auch beim Konzernergebnis der UBS werden die jeweiligen Konsensschätzungen im Schlussquartal klar übertroffen. Auf das Gesamtjahr betrachtet erzielt die UBS den höchsten Jahresgewinn seit fünf Jahren. Die Dividende liegt mit 0,85 Franken je Aktie mehrheitlich über den bei 0,75 Franken angesiedelten Analystenerwartungen.

Wie gewohnt liegt der Teufel allerdings im Detail. So bleibt insbesondere der Ergebnisbeitrag aus dem Wealth Management und damit aus dem erklärten zukünftigen Kerngeschäft weit hinter den Erwartungen zurück. 

Wealth Management das "Haar in der Suppe"

Wie der für die Zürcher Kantonalbank tätige Analyst schreibt, erfüllt die UBS die Markterwartungen auf Stufe des bereinigten Reingewinns zwar. Dies aber ausschliesslich aufgrund von hohen Steuergutschriften sowie einer positiven Überraschung im Corporate Center. Auf Basis des bereinigten Vorsteuergewinns verfehle die UBS die Erwartungen hingegen deutlich, so schreibt er weiter.

Was den Ergebnisbeitrag aus dem Wealth Management anbetrifft, so errechnet der Experte, dass seine Schätzungen um 43 Prozent verfehlt worden sind. Mit 80 Basispunkten liegt die Bruttomarge denn auch deutlich unter seinen Erwartungen von 86 Basispunkten. Einzig die verwalteten Vermögen haben sich in diesem Geschäftsbereich seines Erachtens erfreulich entwickelt.

Der Analyst stuft die Aktie der UBS als Konsequenz der enttäuschenden Ergebnisqualität von "Übergewichten" auf "Marktgewichten" herunter. In die selbe Kerbe schlägt man bei J. Safra Sarasin. Auch die Basler Privatbank reduziert das Anlageurteil mit Verweis auf die punktuellen Schwächen im Schlussquartal von "Buy" auf "Neutral".

In der Folge wird die UBS-Aktie an der Schweizer Börse SIX noch mit einem Minus von 7,7 Prozent auf 15,39 Franken abgestraft. Zwischenzeitlich wurden sogar Kurse um 15,21 Franken bezahlt. Das entspricht dem tiefsten Stand seit gut einem Jahr.

Auch der Berufskollege der Bank Vontobel bezeichnet das Schlussquartal als ein schwieriges Quartal für das Wealth Management. Geringe Kundenaktivitäten hätten deutliche Spuren im Vorsteuergewinn hinterlassen, so schreibt er. Für die durchzogene Nettoneugeldentwicklung macht der Experte den Schuldenabbau seitens der Kundschaft beziehungsweise rückläufige Kredite verantwortlich.

Einzig die Jahresdividende macht Lust auf mehr

Für ein Lichtblick hält er hingegen die Dividendenpolitik, weshalb er sowohl an der Kaufempfehlung als auch am Kursziel von 21 Franken festhält.

Denn neben einer regulären Ausschüttung von 0,60 Franken je Aktie will die UBS eine Sonderdividende von 0,25 Franken entrichten. Damit liegt das Total von 0,85 Franken je Aktie über den von hiesigen Analysten prognostizierten 0,75 Franken. Einige Experten aus dem angelsächsischen Raum hatten im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung allerdings mit einer Dividende von bis zu 0,90 Franken gerechnet.

Die grosszügige Ausschüttung für das vergangene Jahr könnte erst der Anfang eines auf die Aktionäre herunterprasselnden Geldregens sein. Die Jahresdividende mache jedenfalls Lust auf mehr, so heisst es diesbezüglich im Berufshandel.

Dem für Nomura tätigen Analysten zufolge ist die solide Bilanz denn auch von unbestrittenem Vorteil für die UBS. Dem Unternehmen seien im Schlussquartal weitere Fortschritte bei der Eigenkapitalbasis gelungen, so schreibt er. Bei Barclays Capital erklärt man sich dies unter anderem mit einer weiteren Reduktion risikogewichteter Aktiven. Ähnlich sieht es der Berufskollege von BNP Paribas, obschon er einräumt, dass die Kernkapitalquote geringfügig hinter seinen Schätzungen zurückgeblieben ist.

Für Gesprächsstoff sorgt in Analystenkreisen die Aufteilung der Ausschüttung auf eine reguläre sowie eine Sonderdividende. Einige Experten folgern daraus, dass die Gesamtausschüttung von 0,85 Franken je Aktie für die nächsten Jahre nicht "in Stein gemeisselt" sein könnte.