Autobranche im Umbruch - Auto-Aktien kommen nicht vom Fleck

Autopilot oder Elektroantrieb: Die Automobilbranche steht vor einer Zeitenwende. Die Perspektiven für Hersteller und Zulieferer sind ganz unterschiedlich, wie ein Blick auf die entsprechenden Aktien zeigt.
10.03.2017 14:29
Von Ivo Ruch
Selbstfahrende Autos, ein Zukunftstrend.
Selbstfahrende Autos, ein Zukunftstrend.
Bild: Bloomberg

Milliardengewinne und rekordverdächtige Verkaufszahlen: Der Autoindustrie scheint es blendend zu gehen. Doch die Zukunft ist für viele Hersteller alles andere als gesichert. Das widerspiegeln auch die Börsenkurse diverser Auto-Aktien.

Angefangen in Deutschland, wo die Aktien von Volkswagen, BMW oder Daimler in den letzten Wochen und Monaten teilweise hinter dem Gesamtmarkt zurückbleiben, wie auch der folgende Chart zeigt. VW hat trotz Diesel- und Vertrauenskrise im vergangenen Jahr wieder Milliardengewinne eingefahren und mit 10,3 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen Toyota vom Spitzenplatz verdrängt. Die Japaner sind in China, dem weltgrössten Automarkt, bei weitem nicht so stark aufgestellt wie VW.

Die Aktien von VW (pink) und Daimler (orange) im Vergleich mit dem Dax (rot) in den letzten fünf Jahren (Quelle: cash.ch)

Doch die Aktie hat trotzdem seit Ende Januar mehr als 8 Prozent an Wert verloren. Ähnliches Bild bei den Titeln von Audi, Porsche oder Toyota. Warum wollen die Auto-Aktien nicht so recht zu den Bildern der glamourösen Autoshows passen, wie sie derzeit am Genfer Autosalon zu sehen sind?

Die Branche steht vor mehreren Herausforderungen. Die grösste ist die Frage nach dem Antrieb. Viele Experten und auch immer mehr Konzernvertreter sind der Meinung, in Zukunft werden Autos von Elektro- und nicht mehr von Verbrennungsmotoren betrieben. In deutschen Autofabriken zum Beispiel sollen nach dem Willen der Grünen ab dem Jahr 2030 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr vom Band rollen. Ins gleiche Horn stossen die Grünen in der Schweiz: Der Zürcher Nationalrat Baltashar Glättli forderte unlängst ebenfalls das Verbot von Verbrennungsmotoren für Neuwagen bis 2025.

Das führt zur Anschlussfrage: Welcher Hersteller ist diesbezüglich wie weit und wann nimmt der Markt für E-Autos richtig Fahrt auf? Am meisten Aufmerksamkeit zieht Tesla auf sich. Der US-Hersteller von 100-prozentigen Elektroautos verfolgt zwar ehrgeizige Ziele, schreibt aber immer noch tiefrote Zahlen. Die Aktie von Tesla repräsentiert das Versuchsstadium, in dem sich der Konzern von CEO Elon Musk befindet: Sie ist derzeit so viel wert wie vor drei Jahren.

Wie weit sind Apple, Google und Co.?

Eine völlig neue Welt betritt die Autobranche auch, wenn es um die Nutzung elektronischer Technologien geht, etwa zur Ermöglichung selbstfahrender Autos. Hier setzt sich die Konkurrenz aus mächtigen Technologiekonzernen wie Apple oder Google zusammen. Wer schlussendlich das Rennen macht, ist noch unklar.

Automobil-Experte und Uniprofessor Ferdinand Dudenhöffer schreibt in seinem neusten Buch auf jeden Fall von einer "Zeitenwende in der Autoindustrie". Er rechnet damit, "dass das Auto der Zukunft nicht mehr isoliertes Fortbewegungsmittel sein wird, sondern Teil einer in sich vernetzten Mobilitätswelt". In seinem Szenario werden die etablierten Player der Autoindustrie auch in 15 Jahren noch eine wichtige Rolle spielen, wenn sie denn schneller werden und keine Angst vor der Zukunft haben.

Sehr aktuell sind schliesslich die Ängste vor politischen Massnahmen, sei es in den USA oder in Grossbritannien. Schotten sich diese Märkte ab, führen sie beispielsweise Strafzölle ein, bedeutet das für die Autobauer im schlimmsten Fall die Änderung von Werksstrukturen.

Schweizer Zulieferer-Aktien im Hoch

Aus Schweizer Sicht wichtig: Was für die Hersteller von Fahrzeugen gilt, gilt auch für deren Zulieferer. Sie müssen sich ebenfalls auf eine veränderte Nachfrage einstellen. Benzintanks oder Abgasanlagen beispielsweise werden nach einem Wechsel auf  Elektroautos nicht mehr benötigt. Zur Herstellung eines Elektromotors braucht es weniger Arbeitsstunden als zur Herstellung eines Verbrennungsmotors. Andererseits bringen technologische Neuerungen auch immer neue Bedürfnisse mit sich.

Auf gutem Weg ist diesbezüglich der Schraubenlogistiker Bossard, zu dessen wichtigsten Kunden Tesla gehört. Aber auch andere Schweizer Firmen wie Feintool, SFS, Sika, Ems Chemie, Georg Fischer oder Autoneum gehören zur bedeutenden Gruppe hiesiger Autozulieferer. Mit Ausnahme von Autoneum produzieren sie alle auch für andere Industrien. Etwas, das in Hinblick auf die bevorstehende Zeitenwende in der Automobilindustrie zusätzlich für Sicherheit sorgt.

Zumindest Investoren schätzen die Zukunft Schweizer Auto-Aktien momentan positiv ein. Alle erwähnten Zulieferer haben in jüngster Zeit an der Börse deutlich zulegen können, wie die folgende Übersicht zeigt:

Aktie Performance seit 01.01.17, in Prozent
Sika +18,2
Feintool +17,7
SFS +13,3
Ems Chemie +11,3
Autoneum +11,2
Georg Fischer +10,8

Quelle: cash.ch, Stand 10.03.17 (14 Uhr)