Autoflaute hält an - Mikron reduziert erneut Kapazitäten in Agno - Aktie reagiert kaum

Der Präzisionsmaschinenhersteller Mikron leidet unter der Flaute in der Automobilindustrie. Die Kapazitäten am Standort im Tessin werden deshalb weiter reduziert, was zu Kündigungen führt.
19.11.2019 10:58
Am Mikron-Standort in Agno.
Am Mikron-Standort in Agno.

Der Ausblick für das Gesamtjahr bleibt indes unverändert.

Der Personalbestand der Division Mikron Machining am Standort Agno werde punktuell angepasst, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Nicht betroffen von dieser Massnahme seien Innovationsprojekte und das Service-Geschäft der Division sowie die beiden anderen Divisionen Tool und Automation.

Da man nicht von einer raschen Erholung der Nachfrage aus dem Automobilsektor ausgehe, müsse die heutige Zahl der 370 Arbeitsstellen reduziert werden, heisst es. Dazu müssten auch etwa 25 Kündigungen ausgesprochen werden, die sozialverträglich umgesetzt werden sollen.

Auch Frühpensionierungen möglich

Wie viele Stellen insgesamt abgebaut werden sollen, konnte Finanzchef Javier Perez-Freije gegenüber AWP nicht genau beziffern. "Wir beobachten den Auftragseingang sehr aufmerksam. Es kann durchaus sein, dass wir Abgänge nicht ersetzen oder auch noch Frühpensionierungen anbieten", sagte er dazu auf eine schriftliche Anfrage.

Auch auf die Frage, wo er den Sollbestand der aktuell noch 370 Mitarbeiter von Mikron Machining in Agno sieht, vermochte er keine konkrete Antwort zu geben. Dies sei eine kritische Frage und hänge vom Auftragseingang in den kommenden Monaten ab, erklärte er.

Im Oktober hatte Mikron für Agno bereits Kurzarbeit beantragt und auf den 1. November hin eingeführt. Betroffen davon war ein Arbeitsvolumen von 15 Prozent. Laut Perez-Freije gilt diese Massnahme bis auf weiteres.

Mikron betont, dass über die vergangenen fünf Jahre der Personalbestand der Divisionen Machining und Tool in Agno dank einer guten Auftragslage kontinuierlich auf zurzeit insgesamt etwas über 500 Mitarbeitende ausgebaut worden sei. Die Markteinführung und Industrialisierung der neuen Maschinenplattform MultiX und der Ausbau des Servicegeschäftes sollen ohne Abstriche weiter vorangetrieben werden.

Schlankeres Produktportfolio

Gleichzeitig sollen aber das Maschinenportfolio schrittweise optimiert und weitere Investitionen in die Infrastruktur und die Betriebsmittel für die Eigenfertigung vorgenommen werden. Mikron will sich dabei sukzessive auf weniger Maschinentypen ausrichten.

Die beiden Divisionen Tool und Automation bleiben von dieser Neuausrichtung wie erwähnt unberührt. Mikron Tool treibe den Ausbau in Agno wie geplant voran und das Segment Automation habe den erfreulichen Geschäftsgang des ersten Semesters bestätigt.

Die Prognose vom vergangenen Juli, wonach im Gesamtjahr ein Umsatz über dem Vorjahresniveau sowie ein gehaltener operativer Gewinn zu erwarten sei, wird bestätigt. Im März hatte Mikron noch mit einer höheren Profitabilität gerechnet.

Mikron ist als kleiner Präzisionsmaschinenhersteller für Kunden in der Automobil-, der Pharma-, der Medizintechnik-, der Konsumgüter- oder der Nahrungsmittelindustrie mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 315 Millionen Franken konjunkturellen Schwankungen stärker ausgesetzt als ein grösseres Unternehmen. Bereits Ende 2016 hatte das Unternehmen in Agno einen Abbau von 25 Stellen und auf Anfang 2017 die Einführung von Kurzarbeit angekündigt.

An der Börse wurde die Nachricht relativ gelassen aufgenommen. Die Aktie sank am späten Vormittag um 0,6 Prozent.

(AWP)

 

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