Automatisierung - Lösen Roboter die Demographie-Zeitbombe?

Japan und Deutschland sitzen auf einer demographischen Zeitbombe, bei der die alternde Bevölkerung das Wachstum nach unten zu ziehen beginnt. Die gute Nachricht: Sie sind Hauptkandidaten für eine Roboter-Revolution.
03.06.2017 18:33
In Japan: Im Nespresso-Shop verkauft ein Roboter Kaffee.
In Japan: Im Nespresso-Shop verkauft ein Roboter Kaffee.
Bild: www.nestle.com

Zunehmende Automatisierung und verstärkte Nutzung von Robotertechnologie in den beiden Industriemächten könnte nach Auffassung von Moody’s Investors Service dabei helfen, die Folgen der demographischen Entwicklung abzufedern.

"In dem Maße, in dem Roboter Aktivitäten durchführen, die Arbeitskraft erfordern, werden sie die negativen Auswirkungen ausgleichen, die ein langsamerer Anstieg der Erwerbsbevölkerung andernfalls auf das Wachstum haben würde", schrieben Analysten von Moody’s in diesem Monat in einem Bericht.

Der Altenquotient - der Anteil der Menschen über 65 Jahre an der Gesamtbevölkerung - wird Hochrechnungen zufolge in Deutschland und Japan in die Höhe schießen. Doch zwei Entwicklungen sprechen für diese Länder: Erstens, die Exporte des verarbeitenden Gewerbes machen in Deutschland bereits mehr als ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus; in Japan kommen sie auf zwölf Prozent. Zweitens, beide Länder haben Roboter schon frühzeitig angewendet.

Etwa drei Viertel der gesamten globalen Verkäufe von industrieller Robotermaschinerie konzentrieren sich auf fünf Länder: China, Japan, die Vereinigten Staaten, Südkorea und Deutschland, wobei der Einsatz im Automobil- und Elektroniksektor besonders ausgeprägt ist. Unter ihnen haben die drei genannten Staaten in Asien seit 2013 gut die Hälfte der weltweiten Industrieroboter gekauft, wobei China vorne lag, erklärte Moody’s.

Schwellenmärkte könnten die Verlierer sein

Während einige Politiker die Besorgnis hochspielen, dass die Globalisierung auf Kosten der inländischen Beschäftigung geht, könnte Robotik dazu führen, dass ein Teil der Stellen wieder zurückkehrt, die in Länder mit niedrigen Arbeitskosten ausgelagert wurden. Allerdings dürften weniger Stellen zurückkehren als ursprünglich verloren gingen, erklärte Moody’s in dem Bericht.

Schwellenmärkte könnten die Verlierer sein. Staaten wie Ungarn, die Tschechische Republik und die Slowakei, in denen der Export von Hightech-Industriegütern mehr als 50 Prozent vom BIP ausmacht - 16 Prozent bis 20 Prozent gehen allein nach Deutschland - könnten in Gefahr sein. Auch Niedriglohnländern wie Indien und Indonesien würden schwierige Zeiten bevorstehen.

"Außerdem könnten Herstellungsprozesse auch in andere Produktionszentren verlagert werden, die besser dafür gerüstet sind, die neue Technologie aufzunehmen, und die beim Angebot von Hightech-Produkten im Wettbewerb bestehen können", hieß es in dem Bericht. "In beiden Fällen dürften einige Schwellenländer Export-Marktanteile verlieren, weil die neue Technologie Produktionsweisen und Handelsmuster ändern könnte."

(Bloomberg)