Autoneum rollt dem Turnaround entgegen

Die Aktie des Autozulieferers Autoneum kletterte am Montag auf ein neues Jahreshoch. Warum Marktbeobachter den Titeln weitere Kurssteigerungen zutrauen.
11.06.2013 01:00
Von Ivo Ruch
Innert Jahresfrist konnte die Autoneum-Aktie um 76 Prozent zulegen.
Innert Jahresfrist konnte die Autoneum-Aktie um 76 Prozent zulegen.
Bild: ZVG

Unbeeindruckt von den jüngsten Korrekturen an der Börse hat die Autoneum-Aktie in den letzten zwei Wochen knapp 13 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Der Swiss Performance Index (SPI) hat im selben Zeitraum gut vier Prozent eingebüsst.

Die Aktie des Winterthurer Autozulieferers schwingt aber schon länger obenaus. Innert Jahresfrist schoss sie um 76 Prozent in die Höhe. Nur neun der über 200 an der Schweizer Börse SIX kotierten Titel haben in diesem Zeitraum noch besser performt. Und das Umfeld für steigende Kurse ist weiterhin günstig.

"Gut die Hälfte des Turnarounds ist geschafft", sagt Armin Rechberger, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zu cash. Aber die Rentabilität müsse weiter gesteigert werden. "Bei einer operativen Marge von sieben Prozent dürfte allerdings für einen Automobilzulieferer etwa das Ende der Fahnenstange erreicht sein." Derzeit beträgt die Marge knapp 4 Prozent.

Auch andere Analysten sind zuversichtlich: Vor einer Woche nahm die Credit Suisse die Aktie in ihr Analyse-Universum auf und bewertet sie gleich mit "Outperform". Das Kursziel setzte sie bei 95 Franken an. Am Montag ging die Autoneum-Aktie bei 73 Franken aus dem Handel, so hoch wie seit August 2011 nicht mehr.

Weitere operative Verbesserungen erwartet

Der Geschäftsgang der Autozulieferer ist stark von vom Erfolg der Automobilindustrie abhängig. Und dieser entwickelt sich unterschiedlich: Während das Geschäft in Amerika und Asien brummt, stockt es in den europäischen Ländern. Aber die Automobilbranche als Ganzes wächst. Im vergangenen Jahr hat sie ein Wachstum von rund 6 Prozent erreicht.

Noch stärker gewachsen ist Autoneum. 2012 erzielte der Konzern ein Umsatzplus von 12,5 Prozent und steigerte die operative Marge auf vier Prozent. Für das Gesamtjahr rechnet Autoneum mit einem Rückgang der Wachstumsraten im Automobilmarkt, aber mit weiteren operativen Verbesserungen in der Gruppe. Ob der Fahrplan stimmt, werden die Halbjahreszahlen am 26. Juli zeigen.

"Ein Klotz am Bein"

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung läuft bei Autoneum nicht alles rund. Die Produktionsstandorte in den kriselnden europäischen Staaten wie Italien und Frankreich sieht Analyst Rechberger als besondere Herausforderungen: "Im Moment sind die südeuropäischen Fabriken noch immer ein Klotz am Bein. Während das Engagement in Amerika und insbesondere China Ausbaubedarf hat."

Harte Zeiten durchlief Autoneum 2011 nach der Abspaltung von Rieter. Die Aktie fiel ausgehend von 117,50 Franken zunächst in den Keller. Dann aber setzte "auf tiefem Niveau eine langanhaltende Erholung ein", wie Analyst Rechberger den Kursverlauf beschreibt. "Die Aktie hatte also viel Aufholpotenzial, weshalb jede kleine positive Nachricht eine grosse Kursreaktion auslöste." In der Folge kletterte die Aktie seit Juni 2012 von gut 41 auf ein voläufiges Jahreshoch von 73 Franken.