Axpo schreibt Milliardenverlust - IPO eines Konzernteils möglich

Axpo hat im zurückliegenden Geschäftsjahr 2015/16 erneut einen Verlust in Milliardenhöhe eingefahren. Dabei leidet der Energiekonzern massiv unter Wertberichtigungen auf das neue Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern.
21.12.2016 10:01
Erneut mit Verlusten: Axpo.
Erneut mit Verlusten: Axpo.

Axpo muss in erster Linie seine Liquidität und Kapitalmarktfähigkeit wahren und wieder profitabel werden. Deshalb wird aus den Wachstumsbereichen eine neue Firma gegründet werden, an der sich neue Investoren beteiligen sollen.

Das Marktumfeld bleibt schwierig: Die anhaltend tiefen Preise für Kohle und CO2-Zertifikate sowie die zunehmende subventionierte Energie vor allem in Deutschland liessen die europäischen Grosshandelspreise für Strom im Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende September) um nochmals rund 30% fallen, teilt Axpo am Mittwoch mit. So führten Wertberichtigungen auf Kraftwerke und Energiebezugsverträge in der Höhe von 1,6 Mrd CHF zu einem Verlust von 1,25 Mrd.

Die nachhaltige Sicherung der Profitabilität, Liquidität und der Kapitalmarktfähigkeit bleibe oberstes strategisches Ziel von Axpo. In den kommenden Jahren gelte es weiterhin, Kosten zu senken, das Kerngeschäft zu optimieren und neue, rentable Ertragsquellen zu erschliessen. Das Problem: Wegen rückläufiger Cashflows in der konventionellen Stromproduktion könne allerdings nicht im gewünschten Ausmass in neue Geschäftsfelder investiert werden.

Kein Ausverkauf der Anlagen

Statt deshalb bestehende Kraftwerke an Dritte zu verkaufen, sollen Investoren am Geschäftserfolg der Wachstumsbereiche beteiligt werden. Unter dem Arbeitstitel "Axpo Solutions" werden die erneuerbaren Energien, das internationale Origination-Geschäft (individuelle, langfristige Lösungen von Energiebeschaffung und -vertrieb für Dritte), die Netze sowie der Handel und Vertrieb in einer neuen Einheit gebündelt.

Investoren sollen mit einem noch zu bestimmenden Minderheitsanteil an der neuen Firma beteiligt werden. Angestrebt wird für "Axpo Solutions" ein solides Investment Grade Rating. Für den Aufbau rechnet der Konzern mit einem Zeitbedarf von gut zwei Jahren und sieht den Gang an den Kapitalmarkt für das Jahr 2019 vor. Neben neuen Investoren hätten dabei auch die Aktionäre der Axpo Holding AG die Möglichkeit, sich zusätzlich zu beteiligen.

Auch ein Börsengang wäre möglich, sagte ein Sprecher auf Anfrage von AWP. Man sei aber noch nicht festgelegt und es sei offen, welche Art von Beteiligung von fremden Kapital es am Ende werde.

Eigenständige Firma für neue Geschäftsfelder

Die eingeleitete Diversifikation des Portfolios mache diesen Schritt notwendig, lässt sich CEO Andrew Walo in der Mitteilung zitieren. Der klassischen Produktionspark auf der einen Seite und die erneuerbaren Energien sowie das Kundengeschäft auf der anderen Seite bräuchten unterschiedliche Prozesse und einen eigenen Management-Fokus, was mit der Eigenständigkeit der neuen Firma erreicht werde.

Axpo sei bereits heute der grösste Schweizer Stromproduzent aus erneuerbaren Quellen: Im Inland mit der Wasserkraft und Aktivitäten im Bereich Biomasse, im Ausland vor allem mit der Windkraft. Gerade im Bau, Betrieb und Verkauf von Windparks sieht Axpo deutliches Wachstumspotenzial, braucht dazu aber Investitionskapital.

Zu "Axpo Solutions" wird als Tochtergesellschaft die Axpo Trading AG angehören. Die neue Einheit bildet dann künftig mit der Axpo Power AG (Produktion und Versorgung Schweiz), der Centralschweizerischen Kraftwerke AG und der Informatiktochter Avectris AG die Axpo-Gruppe.

Im Geschäftsjahr 2015/16 konnte Axpo mehr Strom absetzen. Dennoch sank die Gesamtleistung wegen der erzielten tieferen Strompreise auf 5,42 Mrd CHF nach 5,86 Mrd im Vorjahr. In das Anlagevermögen wurden netto 890 Mio CHF investiert. Zu den wesentlichen Investitionsprojekten gehörten Einzahlungen in die eidgenössischen Fonds das Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern, dessen Staumauer im September 2016 eingeweiht wurde.

Weitere Mittel flossen in den Erwerb von Volkswind, die Fertigstellung der Sicherheitsnachrüstungen im Kernkraftwerk Beznau - Block 1 ist seit März 2015 ausserplanmässig vom Netz - sowie den Unterhalt und Ausbau der Netzinfrastruktur. Da der Geldabfluss aus Investitionstätigkeit höher ausfiel als der operative Cashflow, resultierte ein Free Cashflow von -529 Mio CHF.

Die Anzahl der Mitarbeiter betrug per Ende September 4'294 Vollzeitstellen - 10 mehr als im Vorjahr.

(AWP)