Backwaren - Aryzta will Kapitalerhöhung durchdrücken

Trotz des Widerstandes des grössten Aktionärs hält der kriselnde Backwaren-Hersteller Aryzta an der geplanten Kapitalerhöhung fest.
11.10.2018 08:21
Kevin Toland will als CEO des Problemkonzerns Aryzta das Steuer herumreissen.
Kevin Toland will als CEO des Problemkonzerns Aryzta das Steuer herumreissen.
Bild: cash

Konkret solle das Aktienkapital um 912,152 Millionen Franken durch die Ausgabe von bis zu 45'607'600'000 voll zu liberierenden Namenaktien aufgestockt werden, teilte Aryzta am Donnerstag in der Einladung zur Generalversammlung vom 1. November mit.

Der finale Betrag der Kapitalerhöhung, die definitive Anzahl auszugebender Aktien und der definitive Bezugspreis der auszugebenden Aktien werde vom Verwaltungsrat spätestens am Tag vor der Generalversammlung festgelegt und den Aktionären spätestens am Morgen des 1. November 2018 mitgeteilt, hiess es weiter. Der Betrag sei auch abhängig vom Euro-Kurs zum Franken. Den bestehenden Aktionären werde ein Recht zum Bezug von Aktien zukommen.

Ohne die Kapitalerhöhung werde es für Aryzta schwierig, schrieb Verwaltungsratspräsident Gary McGann in einem Communiqué. Ende des vergangenen Geschäftsjahres 2018 (per Ende Juli) hatte Aryzta einen totalen Nettoverschuldungsgrad (inkl. hybriden Instrumenten) von dem 7,7-Fachen des Betriebsgewinns vor Abschreibungen und Amortisationen (EBITDA). "Ein solcher Verschuldungsgrad ist keine nachhaltige Basis für die Gruppe", schrieb McGann an die Aktionäre.

Der Verschuldungsgrad der Gruppe im Bereich der vorrangigen Verbindlichkeiten ("Senior Debt") liege bei 5:1 des EBITDA. In den Kreditbedingungen mit den Banken ist ein Verschuldungsgrad vom 3,83-fachen des EBITDA vorgesehen.

Geld für Turnaroundplan

Obwohl die Gruppe auch nach der geplanten Kapitalerhöhung weiterhin relativ hoch verschuldet sein werde, werde sie dann jedoch über die Kapitalstruktur und Liquidität verfügen, um einen umfassenden, mehrjährigen Turnaroundplan umzusetzen, schrieb McGann weiter. Insbesondere bekomme man durch die 800 Millionen Euro die Flexibilität, den Wert bei der Veräusserung nicht strategischer Vermögenswerte zu maximieren.

Die 800 Millionen Euro würden die notwendige Liquidität für die Fälligkeiten im Jahr 2019 bereitstellen. "Mit der Zeit wird dadurch auch unser Zugang zu den Fremdkapitalmärkten verbessert und es uns ermöglicht werden, gegebenenfalls mit der Ausschüttung von Dividenden zu beginnen."

Werben um Zustimmung

McGann warb eindrücklich für die Pläne: "Wir sind der Ansicht, dass die vorgeschlagene Kapitalerhöhung in der Höhe von 800 Millionen Euro im besten Interesse der Gruppe und all seiner Interessengruppen ist. Die Kapitalerhöhung erlaubt es uns, die Herausforderungen von Aryzta anzugehen, unseren Turnaroundplan umzusetzen und schrittweise daran zu arbeiten, den Wert für Sie, unsere Aktionärinnen und Aktionäre, wiederherzustellen."

Damit reagierte der Verwaltungsratspräsident auf die Kritik des spanischen Grossaktionärs Cobas Asset Management. Dieser hatte vergangene Woche erklärt, dass Aryzta eine so stark verwässernde Kapitalerhöhung nicht brauche. Cobas hält 14,5 Prozent am Backwarenkonzern.

Ohne Kapitalerhöhung unterliege Aryzta kommerziellen, operativen und finanziellem Risiken, schrieb McGann. Insbesondere das Kostensenkungsprogramm "Renew" könnte möglicherweise nicht umgesetzt werden. Auch könnte Aryzta zu wenig Liquidität und Umlaufvermögen haben, um das Geschäft mittelfristig aufrechtzuerhalten, hiess es weiter.

(AWP/Reuters)