Backwarenhersteller überrascht - Aryzta-Aktie trotz soliden Umsatzzahlen schwach

Mit dem Quartalsumsatz übertrifft der Backwarenhersteller Aryzta selbst die optimistischsten Analystenerwartungen. Wichtige Fragen bleiben jedoch unbeantwortet. Folglich gerät die Aktie unter Verkaufsdruck.
30.05.2017 14:20
Von Lorenz Burkhalter
Der Backwarenhersteller Aryzta wartet für einmal mit einer süssen Überraschung auf.
Der Backwarenhersteller Aryzta wartet für einmal mit einer süssen Überraschung auf.
Bild: ZVG

Allen Unkenrufen zum Trotz ist es dem Backwarenhersteller Aryzta im zurückliegenden dritten Quartal des Fiskaljahres 2016/17 gelungen, den Umsatz im Jahresvergleich zu steigern.

Mit 975 Millionen Euro liegt der Umsatz klar über der von AWP erhobenen Erwartungsbandbreite von 918 bis 966 Millionen Euro. Beim organischen Wachstum resultiert, für sämtliche Analysten überraschend, eine schwarze Null. Positiv überrascht dabei vor allem die starke Absatzsituation in Europa.

Dennoch sieht sich das Unternehmen nicht in der Lage, sich neuen Zielvorgaben zu verschreiben. Unbeantwortet bleibt auch die Frage nach der Margenentwicklung.

An der Schweizer Börse SIX fällt die Aryzta-Aktie zur Stunde um 5,8 Prozent auf 31,97 Franken.

Die organische Umsatzentwicklung sei klar über den Erwartungen ausgefallen, heisst es in einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank. Der Autor führt den Hauptteil der positiven Überraschung jedoch auf eine leichte Verschiebung des Wegfalls des mit dem Detailhandelskonzern Coop erzielten Umsatzes zurück.

Viele Fragen bleiben offen

Dass Aryzta weiterhin keinen Ausblick für das Gesamtjahr geben kann, bezeichnet der Analyst hingegen als enttäuschend. Dasselbe gilt für die Warnung seitens des Unternehmens, wonach die Optimierung der Kapazitäten in Europa deutlich mehr Zeit beanspruchen werde.

Vor dem Hintergrund der schlechten Vorhersehbarkeit und der Restrukturierungsrisiken wie eine mögliche Kapitalerhöhung, ausserordentliche Goodwill-Abschreibungen oder Refinanzierungsprobleme wird die Aktie bei der Zürcher Kantonalbank mit "Untergewichten" eingestuft.

Der neuen Konzernleitung sei es gelungen, die Umsatzentwicklung zu stabilisieren, so schreibt der Experte von Baader-Helvea. Er bezeichnet diesen Umstand als ermutigend und den über seinen Erwartungen liegenden Quartalsumsatz als eine gelungene Überraschung. Dennoch räumt der Analyst ein, dass im zurückliegenden Quartal einmalige Fakoren geholfen hätten. Auch bei der Rentabilitätsentwicklung macht er gewisse Abstriche. Die Aktie wird deshalb vorerst mit "Hold" und einem Kursziel von 35 Franken eingestuft.

Verkauf der Picard-Beteiligung wahrscheinlich

Der für die Bank Vontobel tätige Berufskollege begrüsst hingegen, dass die Umsatzentwicklung in Europa unter Kontrolle zu sein scheint. Seines Erachtens bleibt jedoch gerade Nordamerika eine Problemregion. Es bleibe abzuwarten, ob Aryzta hier zusätzliche Verluste von Stammkunden hinnehmen musste, so ergänzt er. Zudem sieht er in den Kommentaren bezüglich Rentabilität Anhaltspunkte für eine weitere Verschlechterung, was sich auch auf die Barmittelgenerierung auswirken dürfte. Der Analyst nimmt sowohl seine Schätzungen als auch das Kursziel von 30 Franken in negative Revision. Das Anlageurteil für die Aryzta-Aktie lautet weiterhin "Hold".

Weiterhin zum Kauf empfohlen wird die Aktie in einem Kommentar von Kepler Cheuvreux. Doch auch der Autor macht auf Basis des vorliegenden Zahlenkranzes Anhaltspunkte für Margendruck aus. Seine Hoffnungen beruhen nun auf einen Verkauf der Beteiligung an der französischen Picard. In diesem Zusammenhang hat Aryzta eigenen Angaben zufolge die Investmentbank HSBC ins Boot geholt, um eine Lösung für die Minderheitsbeteiligung zu finden.

Wie es bei der Zürcher Kantonalbank heisst, brächte ein solcher strategischer Befreiungsschlag jedoch nur kurzfristig eine Linderung. Händlern zufolge könnte der Rückzug aus Frankreich zudem ausserordentliche Kosten verursachen.