Bankaktien bewahren Schweizer Börse vor einem Minus

Ein Kurssprung bei den Grossbankaktien von Credit Suisse und UBS hat am Mittwoch die Schweizer Börse in der Gewinnzone gehalten.
07.12.2016 17:50
Hat am Investorentag dafür gesorgt, dass die CS-Aktie am Mittwoch ein Kauf waren: CEO Tidjane Thiam.
Hat am Investorentag dafür gesorgt, dass die CS-Aktie am Mittwoch ein Kauf waren: CEO Tidjane Thiam.
Bild: Bloomberg

Merklich gebremst wurde der Markt von den nachgebenden Pharmaschwergewichten. Die Stimmung sei grundsätzlich gut und viele Marktteilnehmer hoffen auf einen Jahresendespurt, sagen Händler. Nach den jüngsten Gewinnen und vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) schalteten manche Anleger aber einen Gang zurück. Der SMI notiert zum Börsenschluss noch 0,2 Prozent höher bei 7930 Zählern.

Die Marktteilnehmer gehen mehrheitlich davon aus, dass EZB-Chef Mario Draghi eine Verlängerung des milliardenschweren Anleihekaufprogramms (QE) verkünden wird. Zudem warteten sie auf Einschätzungen der Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten Donald Trump durch die US-Notenbank. Das Führungsgremium der Fed trifft kommende Woche zu Beratungen zusammen. Eine Zinserhöhung in der weltgrössten Volkswirtschaft gilt an den Finanzmärkten als ausgemacht. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) will kommende Woche ihre geldpolitische Lagebeurteilung veröffentlichen.

Im Fokus stand die Credit Suisse. Die Aktien der Grossbank schiessen 7,4 Prozent hoch. Die Credit Suisse hat an ihrem Investorentag in London eine Verschärfung ihres Sparkurses in Aussicht gestellt. Bis 2018 sollen die Kosten unter 17 Milliarden gedrückt werden. Bislang wurden weniger als 18 Milliarden Franken angepeilt. Der Stellenabbau dürfte weitergehen. Angesichts der mauen Märkte verabschiedet sich die Bank nach nur gut einem Jahr zudem bereits wieder von Gewinnzielen. Bis 2018 strebt sie in den Vermögensverwaltungs-Divisionen einen Vorsteuergewinn von 5,7 statt von 6,5 Milliarden Franken an.

«Kein sehr nachhaltiges Geschäftsmodell»

Den ZKB-Analysten zufolge dürfte der Markt erleichtert reagieren, dass die CS nicht länger Luftschlössern hinterherjage. "Auf mittlere Sicht hingegen bleibt festzuhalten, dass die CS mangels Ertragsdynamik weiterhin eine reine Cost-Cutting-Story bleibt", erklären sie. "Kosten senken ist kein sehr nachhaltiges Geschäftsmodell", sagt ein Börsianer.

Die Anteile der UBS legen 3,6 Prozent zu. Die Aktien von EFG International steigen am Tag vor einem Update zur BSI-Integration um 1,8 Prozent.

Der Vermögensverwalter Julius Bär gewinnt 1,6 Prozent an Wert. Die Bank könnte nach Einschätzung von Konzernchef Boris Collardi nach den jüngsten Zukäufen ein dickeres Kapitalpolster vertragen.

Die Titel der Swiss Re steigen um 1,3 Prozent und die von Zurich Insurance ziehen 2,2 Prozent an. RBC hab die Anlageempfehlung für die beiden Versicherer um eine Stufe an.

Die Anteile des Zementproduzenten Lafarge-Holcim und des Personalvermittlers Adecco wurden je um rund 1,5 Prozent höher gehandelt. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB, der Sanitärtechnikfirma Geberit und des Agrarchemiekonzerns Syngenta geben leicht nach.

Pharmaschwergewichte fallen zurück

Auch die Anteile der als defensive Anlage geltenden Index-Schwergewichte Novartis und Roche schwächen sich um je rund 1 Prozent ab. Nestlé geben 0,4 Prozent nach.

Die Actelion-Aktien verlieren 1,6 Prozent. Die ZKB-Analysten sind skeptisch, dass die Biotechnologiefirma übernommen wird. Das Management sei einer Transaktion bisher immer abgeneigt gewesen und im Pharmabereich würden sich feindliche Übernahmen meist nicht rechnen. Übernahmespekulationen haben den Actelion-Kurs seit Ende November rund 30 Prozent hochgetrieben. Das Unternehmen und Johnson & Johnson haben Gespräche über eine nicht näher spezifizierte Transaktion eingeräumt.

Am breiten Markt fallen Meyer Burger mit grossen Kursausschlägen auf. Die Titel des Solarzulieferers wurde erstmals mit dem Bezugsrechtsabschlag für die laufende Kapitalerhöhung gehandelt. Die Zuger Firma Brustorm will unter bestimmten Bedingungen bis zu 16 Millionen Aktien für 5,76 Millionen Franken übernehmen. Damit hat Meyer Burger die Zusicherung von drei Investoren für rund 38,2 Millionen Franken. Insgesamt soll die Ausgabe neuer Aktien rund 160 Millionen Franken einbringen. Die Aktien steigen um ein Drittel auf 0,90 Franken, das Bezugsrecht kostete 0,36 Franken.

Die Kaufempfehlung und Kurszielerhöhung der UBS schieben die Galenica-Aktien 2,4 Prozent hoch.

(Reuters/cash)