Bankaktien drücken Schweizer Börse in die Verlustzone

Kursverluste bei den beiden Grossbanken haben die Schweizer Börse am Freitag belastet. Das Geschäft verlief ruhig und die Umsätze waren überwiegend dünn.
23.12.2016 17:30
Ampel bei der Schweizer Börse SIX in Zürich zeigt orange.

"Vor den Weihnachtsfeiertagen haben viele Anleger ihre Zelte vorzeitig abgebrochen", sagte ein Händler. Für dieses Jahr dürften die Positionen bezogen sein. Einzelne Kurse muteten eine Börsianer zufolge etwas zufällig zustande. "Bei solch dünnen Märkten braucht es wenig, um einen Kurs bewegen zu können - vor allem bei Nebenwerten."

Der Leitindex SMI sank um 0,1 Prozent auf 8232 Punkte.

Im Fokus stand die Credit Suisse. Nach einem vorübergehenden Kursanstieg um mehr als zwei Prozent rutschten die Aktien ins Minus und notierten um 0,9 Prozent tiefer. Die Grossbank hat sich im US-Hypothekenstreit mit den Behörden geeinigt und bezahlt zur Beilegung 5,3 Milliarden Dollar an Busse und Entschädigung. Die Konditionen seien für das Institut verkraftbar, erklärte ZKB-Analyst Javier Lodeiro. "Die Übereinkunft eliminiert einen wichtigen Unsicherheitsfaktor." Ein Börsianer sagte: "5,3 Milliarden sind eine stattliche Summe. Wenn damit die leidige Sache endlich abgeschlossen werden kann, wäre dies sehr positiv." Einem anderen Händler zufolge liegt die Zahlung am oberen Ende der Erwartungen. Auch die Deutsche Bank erzielte einen Vergleich mit den US-Behörden. Die Beilegung des Streits um Tricksereien mit Hypothekenkrediten kostet das grösste deutsche Geldhaus sieben Milliarden Dollar.

Die Anteile von Rivale UBS sanken um 1,5 Prozent. Die Aktien der Bank Vontobel schlossen unverändert. Der Vermögensverwalter hat wie auch die Schweizer Raiffeisen-Gruppe den US-Steuerstreit ohne Zahlung einer Busse beigelegt.

Meist fester waren die Versicherungstitel. Swiss Re stiegen um 0,7 Prozent und Baloise waren um 0,8 Prozent höher.

Die Actelion-Aktien bröckelten 0,7 Prozent ab. Anleger, die einer unliebsamen Überraschungen vorbeugen wollten, seien ausgestiegen, sagte ein Händler. Europas grösstes Biotech-Unternehmen und der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson verhandeln über einen Milliarden-Deal. Das Tauziehen um Actelion hat den Aktienkurs seit Ende November um fast die Hälfte hochgetrieben. "Manch einer hofft wohl, dass auch dieses Kapitel noch im laufenden Jahr abgeschlossen werden kann", sagte ein Börsianer.

Bei den Pharma-Schwergewichten waren Novartis und Roche eine Spur höher. Mit Nestle verlor ein SMI-Schwergewicht geringfügig an Wert.

Uneinheitlich bei meist geringen Kursausschlägen zeigten sich die Anteile zyklischer Firmen. ABB zogen 0,2 Prozent an, Swatch schwächten sich um 0,4 Prozent ab.

Santhera mit Kurssprung

Am breiten Markt stach Santhera mit einem Kurssprung von 17,5 Prozent heraus. Die britische Arzneimittelbehörde MHRA stufte das Medikament Raxone zur Behandlung Muskelschwund (DMD) als "vielversprechende innovatives Arzneimittel" ein. Der Status ist eine Voraussetzung dafür, dass DMD-Patienten in Grossbritannien den Zugang zu noch nicht zugelassenen Präparaten erhalten.

Die Sunrise-Aktien stiegen um 1,9 Prozent. Der Telekomkonzern hat bei der Neuverhandlung von Kreditlinien bessere Konditionen ausgehandelt und kann seine Finanzkosten senken. Der Titel von Platzhirsch Swisscom gewannen ein Prozent an Wert.

Gewinnmitnahmen drückten die Aktien von Schmolz+Bickenbach, Evolva und Kuros nach den jüngst kräftigen Kursgewinnen ins Minus.

Bei Galenica gab es grössere ausserbörslich Umsätze. Der Kurs war mit 1140 Franken stabil. Händler sagten, möglicherweise habe der Grossaktionär Sprint seine Beteiligung weiter abgebaut. Nach Angaben der Schweizer Börse reduzierte Sprint seinen Anteil jüngst um rund fünf auf 15,17 Prozent. "Der Abbau dürfte weitergehen, darauf deuten die Umsätze hin", sagte ein Händler. 

(Reuters)