Banken: 2015 das Jahr der Überraschungen?

Im laufenden Jahr mussten die Bank-Aktionäre kleine Brötchen backen. Geht es nach Morgan Stanley, könnte 2015 für die Branche jedoch zum Jahr der Überraschungen werden.
10.12.2014 08:51
Von Lorenz Burkhalter
Morgan Stanley setzt im kommenden Jahr auf die Aktie der UBS.
Morgan Stanley setzt im kommenden Jahr auf die Aktie der UBS.
Bild: cash

Selbst nach dem jüngsten Rückschlag liegt der Swiss Performance Index (SPI) noch immer gut 13 Prozent über dem Stand von Anfang Jahr. Im Aktionariat vieler Schweizer Banken dürfte sich die Freude darüber allerdings in Grenzen halten, brachte es der Unterindex für Bankaktien doch gerade mal auf ein Plus von 1,6 Prozent.

In einer Studie über die europäischen Bankaktien sagt Morgan Stanley, weshalb 2015 für die Aktionäre zum Jahr der Überraschungen werden könnte. Die Studienverfasser nennen denn auch zehn - nicht ausschliesslich positive - Themen, die das Zeug dazu haben, sich anders als erwartet zu entwickeln.

Kreditvergabe: Die Analysten schliessen nicht aus, dass europäische Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) nur 400 bis 600 Milliarden Euro von den bereitgestellten 1000 Milliarden Euro abrufen und den Währungshütern zusätzliche Massnahmen zur Ankurbelung der Kreditvergabe abverlangen. Solche könnten die Refinanzierungskosten für Banken aus den Peripherieländern weiter drücken, so heisst es.

Dividenden: Vor allem bei der Dividendenentwicklung britischer Banken machen die Studienverfasser Raum für Enttäuschungen aus. Dies aufgrund höher als erwarteter Rechtskosten und strengerer Eigenmittelvorschriften. Einigen wenigen europäischen Banken werden in diesem Zusammenhang hingegen positive Überraschungen zugetraut, unter anderem der Grossbank UBS. Diese wird in der Branchenstudie zu den Favoriten gezählt.

Zinsdifferenzgeschäft: Die tiefen Zinsen und die weiterhin schwache Kreditnachfrage könnten im kommenden Jahr auf die Nettozinserträge drücken, so sind sich die Analysten einig. Dies sei vor allem für spanische Banken ein Thema. Einzig bei den Kommissionserträgen bestehe Hoffnung auf eine überzeugende Entwicklung.

Unkonventionelle Geldpolitik: Als Gewinner weiterer unkonventioneller geldpolitischer Massnahmen durch die EZB werden die Vermögensverwaltungs- sowie die Investmentbanken gehandelt. Selbst vor dem Hintergrund struktureller Herausforderungen im Handel mit Festverzinslichen, Devisen und Rohstoffen (FICC) rechnen die Studienverfasser bei den betroffenen Aktien mit einer überdurchschnittlich starken Kursentwicklung. Dies gilt auch für die Bankaktien aus der Schweiz.

Fallende Rohstoffe: Eine Fortsetzung des Preiszerfalls bei den Rohstoffen, ein steigender Dollar und vom Konflikt in der Ukraine ausgehende Unsicherheiten könnte für europäische Banken mit einem hohen Ergebnisbeitrag aus Osteuropa zum Problem werden. Die Analysten geben sich für die Aktien der betroffenen Banken zurückhaltend.

Konkurrenz von Ausserhalb: Die Kreditvermittlung ausserhalb des Bankensektors komme zwar in die Jahre, so die Studienverfasser. Konkurrenz drohe den europäischen Banken im Hinblick auf das kommende Jahr jedoch aus dem Fintech-Bereich (moderne Technologien im Bereich der Finanzdienstleistungen). Es würden sich radikale Veränderungen abzeichnen.

Gesetzgebung: Darf man Morgan Stanley Glauben schenken, dann gehen die grössten Unsicherheiten von der regulatorischen Seite aus. 2015 könnte in diesem Zusammenhang jedoch endlich Klarheit in Bezug auf die Vorschriften für das Leverage Ratio schaffen.

Kosten: Die Kostenbasis werde für viele Banken zum Ausgangspunkt ihrer Differenzierung, weshalb die Analysten gleich bei mehreren Unternehmen neue Kosteneinsparprogramme erwarten. Denn nur so sei es den Banken möglich, sich auf die geringeren Erträge aus dem Zinsdifferenzgeschäft einzustellen.

Übernahmetätigkeit: Entgegen der gängigen Meinung erwarten die Studienverfasser im kommenden Jahr keine grösseren grenzüberschreitenden Übernahmen oder Zusammenschlüsse. Gerade in Spanien und Italien sei hingegen eine Konzentrationswelle unter inländischen Banken wahrscheinlich.

Fondsgeschäft: Allen Unkenrufen zum Trotz werde das Geschäft mit börsengehandelten Fonds das reguläre Fondsgeschäft weniger stark treffen. Davon versprechen sich die Analysten bei einigen Banken positive Auswirkungen auf die Margenentwicklung. Profitieren werden allerdings nur einige wenige Anbieter, so heisst es in der Studie.

Morgan Stanley stuft den europäischen Bankensektor weiterhin mit "In-Line" und damit neutral ein. Andere Bankinstitute, darunter die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, sind sehr viel optimistischer.

Zu den Branchenfavoriten zählen die Amerikaner neben der Aktie der UBS auch jene von Bankia, ING, Intesa SanPaolo, Lloyds Banking Group, London Stock Exchange, Natixis und UniCredit. Von den Titeln von Aberdeen, Banco Sabadell, Bankinter, HSBC und Standard Chartered wird im Hinblick auf das kommende Jahr hingegen abgeraten.