Banken - Commerzbank will Machtvakuum womöglich schon diese Woche füllen

Angesichts des Restrukturierungsdrucks bei der Commerzbank hat der angekündigte Doppelrücktritt an der Bankspitze für ein Machtvakuum gesorgt, das schnellstens gefüllt werden muss.
06.07.2020 06:43
Commerzbank in Frankfurt.
Commerzbank in Frankfurt.
Bild: cash

Der Aufsichtsrat dürfte so bald wie möglich Klarheit in Bezug auf die Nachfolge bei den Positionen des CEOs und des Aufsichtsratsvorsitzenden schaffen wollen. Informierten Kreisen zufolge könnte es bereits am Mittwoch zu Entscheidungen kommen.

Als interner Favorit für die Nachfolge des scheidenden Vorstandschefs Martin Zielke scheint sich Firmenkunden-Vorstand Roland Boekhout herauszukristallisieren, wie zu hören ist. Ebenfalls im Rennen ist Finanzchefin Bettina Orlopp. Sollten externe Kandidaten herangezogen werden, könnte sich der Nachfolgeprozess verzögern.

Bei Großaktionären wie Cerberus Capital Management gilt Boekhout im Prinzip als guter Kandidat. Der US-Finanzinvestor, der Zielke und Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann zum Aufgeben bewogen haben dürfte, sprach sich am Sonntag allerdings für einen geordneten Nachfolgeprozess aus.

Der plötzliche Abgang sowohl des Aufsichtsratsvorsitzenden als auch des Vorstandschefs der Commerzbank erfordere ein geordnetes Verfahren zur Besetzung der vakanten Positionen, erklärte ein Cerberus-Sprecher gegenüber Bloomberg per Email. Zunächst müsse ein neuer Aufsichtsratschef gefunden werden, dann müsse der Aufsichtsrat ein formelles Verfahren zur Suche nach einem Nachfolger für den Vorstandsvorsitzenden einleiten.

Die Nachfolge von Aufsichtsratschef Schmittmann könnte, wie zu hören war, zumindest temporär Nicholas Teller übernehmen. Sollte bis zum angekündigten Zeitpunkt des Ausscheidens Schmittmanns kein neuer Aufsichtsratsvorsitzender gewählt worden sein, würde automatisch sein Stellvertreter Uwe Tschäge aus dem Arbeitnehmerlager die Position übernehmen.

Wie zu hören war, arbeitet die Bank derzeit an einem Restrukturierungsprogramm, das zusätzlich zu den vergangenes Jahr angekündigten rund 4'000 Stellenstreichungen den Verlust weiterer mehr als 7'000 Arbeitsplätze bedeuten könnte.

(Bloomberg)