Banken - Credit Suisse nach Horta-Osorio-Knall - «Zur Ruhe kommen sieht anders aus»

Mit dem Rücktritt von Präsident Antonio Horta-Osorio erschüttert ein weiterer Knall die Credit Suisse. Die Börse reagiert mit Verkäufen, Analysten sehen die Zukunft unter dem neuen Präsidenten Axel Lehmann skeptisch.
17.01.2022 11:34
Sitz der Credit Suisse im Londoner Finanzviertel Canary Wharf.
Sitz der Credit Suisse im Londoner Finanzviertel Canary Wharf.
Bild: Bloomberg

Horta-Osorio fliegt, weil er fliegt - ausserhalb der Quarantänevorschriften. Im Dezember bekannt gewordene Privatjet-Reisen des 58-jährigen portugiesisch-britischen Bankers zwischen London, der Schweiz und anderen Destinationen, bei denen er sich nicht an Corona-Regeln hielt, haben ihn zu Fall gebracht.

Die Börse reagiert ungnädig: Der Kurs notiert kurz vor dem Mittag um 1,4 Prozent bei 9,412 Franken tiefer, während der Swiss Market Index im Plus ist. 2020 hatte der CS-Kurs um ein Fünftel verloren. Seit Anfang Jahr ist die CS-Aktie wie viele Bankentitel gestiegen, nicht zuletzt wegen der Erwartung steigender Zinsen. 

Analysten konzentrieren sich nach Bekanntgabe des Rücktritts Horta-Osorios vor allem um die Zukunft der Credit Suisse unter Nachfolger Axel Lehmann. Dieser bringe zwar "weitreichende Erfahrung" in der Schweizer Bankenszene mit, schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einem Marktkommentar. "Zur Ruhe kommen sieht anders aus", heisst es.

Die ZKB ist zurückhaltend zu Lehmanns Chancen, aufzuräumen: "Ob es ihm aber gelingt, die Credit Suisse schnell in ruhigere Gewässer zu bringen, sodass sich die Bank wieder voll aufs operative Geschäft konzentrieren kann, muss man angesichts der vielen Versuche der letzten Jahre in dieser Richtung erst einmal abwarten."

Wetten in den Valoren der CS drängten sich weiterhin nicht auf. Die ZKB behält ihre Einstufung der Bank-Aktie bei "Marktgewichten".

Kaum neue Strategie zu erwarten

Horta-Osorio trat im Mai an, um eine neue Risikokultur in der CS zu etablieren. Die Bank hatte durch ihr Engagement bei den Kriseninstituten Greensill Bank und dem Family Office Archegos Anfang 2021 erhebliche Verluste erlitten. 

Horta-Osorio habe mit den Verstössen nach lediglich acht Monaten bereits das Vertrauen verloren, kommentiert ihererseits die Bank Vontobel. Für jemanden, der eine Kultur der persönlichen Verantwortung und Rechenschaftspflicht einführen wollte, sei das zum "Glaubwürdigkeitsproblem" geworden. Der neue Verwaltungsratspräsident müsse die Gruppe nun stabilisieren.

Bei der Bank Julius Bär geht man nicht davon aus, dass die Strategie der CS sich gross ändern werde. Lehmann habe die seit Dezember geltende Policy mitbestimmt. "Jedoch sind Nuancen und andere Prioritäten in der Umsetzung wahrscheinlich", heisst es. Julius Bär hat ein "Hold" auf die CS ausstehen. 

(cash/AWP)

 
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