Banken - CS-Präsident Urs Rohner weht ein eisiger Wind entgegen

Stimmrechtsberater Ethos verlangt den Rücktritt von Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner. Auch ein anderer Schweizer Aktionärsberater ist kritisch. Die Abgangsentschädigung für Tidjane Thiam wird zunehmend zum Thema.
13.02.2020 20:30
von Manuel Boeck und Daniel Hügli
CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner auf einem Podium in Bern.
CS-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner auf einem Podium in Bern.
Bild: Bloomberg

Credit-Suisse-Verwaltungspräsident Urs Rohner bringt "nicht die nötige Glaubwürdigkeit" mit, um seine Funktion weiter auszuüben. Das sagte kürzlich Ethos-Direktor Vincent Kaufmann und bekräftige damit seine Forderung von letzter Woche, als CEO Tidjane Thiam noch im Amt war. Ethos werde voraussichtlich auch an der nächsten Generalversammlung gegen die Wiederwahl von Urs Rohner stimmen. Rohner, der noch ein Jahr im Amt bleiben will, ist laut Ethos an der wichtigsten Aufgabe gescheitert, nämlich der Überwachung des Managements.

Andere Schweizer Stimmrechtsberater und Aktionärsvereinigungen, die sich im Vorfeld von Generalversammlungen jeweils auch verlautbaren lassen, sind in ihrer Entscheidungsfindung noch nicht so weit wie Ethos und äussern sich gegenüber cash zum Teil nur "off-the-record". Klar wird aber: Es weht dem CS-Präsidenten ein ziemlich eisiger Wind entgegen. Im Zentrum steht das Verhalten von Rohner in den Beschattungsaffären.

"Wir haben noch nicht definitiv entschieden, ob wir Herr Rohner abwählen aufgrund dieser Geschichte", sagt Nicole Weydknecht, Geschäftsführerin der Aktionärsvereinigung Actares, zu cash. "Wir haben aber auch schon kritisiert, dass es so lange gegangen ist, bis etwas passierte." 

Weydknecht sieht ein grundlegendes Problem bei der Kommunikation der Credit Suisse. "Es wurde zu intransparent kommuniziert über die letzten Monate. Wir sehen dies als grosses Problem für die Reputation und das Vertrauen in die Bank."

Abgangsentschädigung im Fokus

Zunehmend gerät auch die geplante Abgangsentschädigung von Tidjane Thiam in die Kritik. Weydknecht hält fest, dass die Vergütungspolitik der CS den Grundsätzen von Actares massiv widerspreche. "Eine Gesamtvergütung von rund 30 Millionen Franken, nur weil er die Bank im Einvernehmen verlässt, wäre ein schlechtes Signal für Aktionariat, Öffentlichkeit wie auch Mitarbeitende und könnte die Reputation der Bank noch weiter negativ beeinträchtigen."

Der Schweizer Stimmrechtsberater Inrate wartet für die abschliessende Beurteilung der Akten Rohner und Vergütungen die Publikation des Geschäftsberichts wie auch die Einladung zur Generalversammlung ab. Inrate hält gegenüber cash jedoch fest, dass sie seit 2011 die Vergütungstraktanden aus verschiedenen Gründen ablehnt. Das Vergütungssystem der CS wird als ungenügend erachtet.

Beim Schweizer Stimmrechtsberater Investvote ist der Evaluierungsprozess bezüglich Rohner ebenfalls noch nicht abgeschlossen. Es werden in den nächsten Wochen noch intensive Gespräche geführt, bevor die Meinung gemacht wird.

Harris kontraproduktiv?

Von Schweizer Aktionären gehen sicherlich gewichtige Signale aus. Ethos zählt immerhin 223 Schweizer Pensionskassen und gemeinnützige Stiftungen zu seinen Mitgliedern. Aber die Schweizer Stimmen besiegeln nicht das Schicksal von Urs Rohner. Die Credit Suisse ist mehrheitlich in ausländischer Hand. 

Ungemach droht vom grössten Aktionär Harris Associates und dessen 8,3 Prozent der Stimmen. Der amerikanische Vermögensverwalter und weitere namhafte Aktionäre hatten öffentlich Partei für den bisherigen Firmenchef Thiam ergriffen und unverholen mit Vergeltungsmassnahmen gedroht, sollte dieser abgesetzt werden.

Die Drohungen wurden nach der Absetzung bekräftigt. Anzunehmen ist, dass sich Harris mit dem ziemlich unflätigen Vorgehen bei anderen Aktionären nicht gerade beliebt gemacht hat und für sein Anliegen kontraproduktiv wirkte.

 

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