Banken: Die Krux mit der Zinsabsicherung

Die Aktien von Schweizer Regional- und Kantonalbanken entwickeln sich in diesem Jahr auffallend uneinheitlich. Woher die grossen Unterschiede rühren und ob sich ein Einstieg lohnen könnte.
21.09.2015 00:01
Von Pascal Züger
Valiant hat unter den kleineren Bankaktien bisher die beste Jahresperformance.

Eigentlich gelten Aktien von Schweizer Kantonal- und Regionalbanken als einigermassen "sichere" Investition: Die Kurse entwickeln sich häufig besser als der Markt, die Dividendenrendite ist meist ansehnlich, Auslandsaktivitäten finden nur selten statt. Die Kurse bewegen sich oft im Einklang. Doch nimmt man die aktuelle Jahresperformance als Massstab, dann trifft dies in diesem Jahr nicht auf alle Titel zu.

So mussten sich die Aktien der Basellandschaftlichen Kantonalbank, Thurgauer Kantonalbank (beide je -1 Prozent), Bank Linth und Zuger Kantonalbank (beide je 0 Prozent) in diesem Jahr bisher vom SPI (+2 Prozent) geschlagen geben. Alle vier sind klassische Kantonal- oder Regionalbanken, die zur Mehrheit in den eigenen Kantonsgrenzen Kredite vergeben und Spargelder verwalten. Ihr Hauptgeschäft ist das Zinsgeschäft.

Das schwierige Zinsgeschäft

Gerade dieses Zinsdifferenzgeschäft ist hierzulande derzeit nicht leicht, da Banken mit Negativzinsen "bestraft" werden. Ein Überwälzen von Kosten auf die Sparer kommt nicht in Frage, da der Imageverlust und die Gefahr eines Kundenexodus zu hoch wäre. Stattdessen erlauben sich Banken bei der Hypothekenvergabe mit teureren Refinanzierungssätzen eine grössere Marge einzuheimsen, um den Verlust zumindest zu verkleinern.

Und die Abhängigkeit vom Zinsengeschäft bei den Retailbanken ist traditionell sehr gross: Mit einem Anteil von beinahe zwei Drittel am Betriebsertrag ist das Zinsgeschäft der wichtigste Ertragspfeiler der Kantonalbanken. Im ersten Halbjahr 2015 verringerte sich der Zinsertrag zur Vorjahresperiode zwar nur minim (-0,4 Prozent), doch könnte das noch länger anhaltende Negativzinsumfeld die Banken je länger umso mehr in die Bredouille bringen.

Negativzinsen bei Kantonalbanken führen aber nicht zwingend  zu einem schlechteren Geschäftsgang und/oder einer Negativperformance am Aktienmarkt. Das zeigen die Glarner Kantonalbank und die Graubündner Kantonalbank: Beide können im Jahresverlauf bislang mit einer Performance von 12 Prozent brillieren. Die Genfer Kantonalbank schneidet mit plus 21 Prozent gar noch besser ab. Was haben die drei Kantonalbanken besser gemacht?

Absicherung gegen Zinsanstieg als Problem

"Unterschiedliche Banken hatten unterschiedliche Absicherungsstrategien", sagt Michael Kunz, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), auf Anfrage von cash. Banken, die stärker gegen ansteigende Zinsen abgesichert waren, hätten wegen dem Negativzinsumfeld schlechter abgeschnitten.

Von den Regional- und Kantonalbanken 2015 am besten performte die Valiant Bank (+33 Prozent), welche gemäss Kunz in der Vergangenheit eher kurzfristige Hypotheken vergab, was den Absicherungsbedarf kleiner machte. Und folglich war auch der Absicherungsverlust durch die Negativzinsen geringer.  Die St. Galler und Luzerner Kantonalbank (beide Jahresperformance von +1 Prozent) hatten ein länger laufendes Portfolio und waren für einen Zinsanstieg gerüstet, was sich nun negativ ausgewirkt hat.

Die unterschiedliche Performance nur auf die Negativzinsen zurückzuführen, wäre jedoch falsch. Vielmehr ist es ein ganzes Bündel unterschiedlicher Faktoren, welches miteinfliesst. Viele Bankentitel sind nur wenig liquid. Die Bündner Kantonalbank ist beispielsweise noch zu 84,3 Prozent in Besitz des Kantons, der Anteil der sich im freien Umlauf befindenden Aktien ist relativ gering. "Eine kleine Kauforder kann den Kurs bereits hochziehen", so Kunz.

Innovatives aus dem Glarnerland

Auch die Aktien der Glarner Kantonalbank (GLKB) besitzen nur eine niedrige Marktliquidität. Doch ist der Auftrieb nicht nur rein zufällig: Die Kleinbank hat ein sehr innovatives Vertriebskonzept. Mit diversen Onlinekanälen wie hypomat.ch, kontomat.ch usw. nimmt die Bank eine Vorreiterrolle im Online-Bereich ein. So kann die GLKB zunehmend die Kantonsgrenzen sprengen und höhere Erträge generieren.

Ein weiterer Pluspunkt für die GLKB und viele weitere Kantonalbanken ist die Staatsgarantie, welche die Titel für Anleger sicherer macht. Es gibt hier nur drei Ausnahmen: Die Berner Kantonalbank und die Banque Cantonale Vaudoise verfügen über keine, die Banque Cantonale de Genève nur über eine beschränkte Garantie des Kantons.

Trotz Staatsgarantien und den positiven Entwicklungen bei einigen Banken bleibt die ZKB bei der Einschätzung der kotierten Aktien von kleineren Schweizer Banken vorsichtig: "Momentan setzen wir die Kantonal- und Regionalbankaktien auf 'Marktgewichten'", sagt Kunz. Dies deshalb, weil Zuwächse im Zinsgeschäft nicht zu erkennen seien und auch das Kommissionsgeschäft harze. Eine Investition in kleine Schweizer Banken scheint also noch verfrüht. Die Negativzinsen "fressen" die Erträge zu sehr weg. 

Jahresperformance der Schweizer Regional- und Kantonalbanken

Titel Jahresperformance, in %
Valiant Bank +33
Banque Cantonale de Genève +21
Graubündner Kantonalbank +12
Glarner Kantonalbank +12
Banque Cantonale Vaudoise +7
Walliser Kantonalbank +4
Basler Kantonalbank +3
Berner Kantonalbank +2
Banque Cantonale du Jura +2
Swiss Performance Index +2
Hypothekarbank Lenzburg +1
Luzerner Kantonalbank +1
St. Galler Kantonalbank +1
Bank Linth 0
Zuger Kantonalbank 0
Basellandschaftliche Kantonalbank -1
Thurgauer Kantonalbank -1

Quelle: cash.ch, Stand: 18. September, 11:30 Uhr