Banken im Griff der Regulierer

Die Zeiten regulatorischer Schlupflöcher für Banken dürften nach Einschätzung der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) endgültig vorbei sein.
09.03.2016 10:00
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Die deutsche Bankenmetropole Frankfurt.
Bild: cash

Vielmehr müsse sich die Finanzbranche, die wegen diverser Marktmanipulationen in den vergangenen Jahren Hunderte Milliarden Dollar Strafen zahlen musste, auf nachhaltige Verschärfungen in der Bankenregulierung einstellen. Das Thema Regulierung werde Kernbereich des täglichen Geschäfts sein müssen, prognostiziert Bankenexperte Gerold Grasshoff in einer am Mittwoch veröffentlichten BCG-Studie. Banken sollten dies als Chance begreifen und rasch zum Bestandteil ihrer Strategie machen, um im ohnehin schwierigen Niedrigzinsumfeld wieder nachhaltig Gewinne zu schreiben.

280 Milliarden Dollar Busse

Nach Zahlen von BCG haben die 50 grössten Banken Europas und der USA alleine in den vergangenen sieben Jahren rund 280 Milliarden US-Dollar für Strafen abdrücken müssen. Berücksichtigt sind dabei nur die grossen Rechtsstreitigkeiten. Zwei Drittel der Summe entfiel auf US Banken, die angesichts des härteren Durchgreifens amerikanischer Regulierer geschäftlich nun aber auch klar besser dastehen, wie Grasshoff erklärt. Europa hinke bei der Bankenregulierung etwa drei Jahre hinterher. Das zeige sich auch in der Rentabilität im Vergleich zu amerikanischen Banken, die schon seit geraumer Zeit wieder prächtig Geld verdienen.

Eine effektive Zusammenarbeit mit den Regulierern sei inzwischen essenziell für den geschäftlichen Erfolg, urteilt BCG. Prominentestes Beispiel ist hierzulande die von zahlreichen Skandalen gebeutelte Deutsche Bank. Deren neuer Chef John Cryan hat es zur obersten Priorität erklärt, das Verhältnis zu den Aufsehern zu reparieren und die Altlasten schnell aufzuräumen. Für die Aufarbeitung ihrer Rechtsstreitigkeiten hat die Bank allein seit 2012 rund 13 Milliarden Euro in die Hand nehmen müssen. Und ein Ende der Belastungen ist nicht in Sicht. Das frisst die mühsam erwirtschafteten Gewinne immer wieder auf. Hinzu kommen die Kosten des Konzernumbaus. Im vergangenen Jahr stand deshalb ein Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro zu Buche.

(Reuters)